Viel Geld, viel Nutzen

Vor dem Besuch der deutschen Kanzlerin in Kiew am morgigen Samstag schlägt der ukrainische Außenminister für sein Land einen „Marshall-Plan“ unter deutscher Führung vor. Die Ukraine benötige „Hilfe in politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bereichen“, erklärt Pawlo Klimkin, ehemaliger ukrainischer Botschafter in Berlin; Deutschland könne maßgeblich dazu beitragen.

Deutsche Wirtschaftskreise plädieren ebenfalls für einen „Marshall-Plan“ für Kiew. Er werde „Deutschland viel Geld kosten, aber auch viel Nutzen bringen“, urteilt der Vorsitzende des „Ost- und Mitteleuropa Vereins“: „Von Lwiw bis Lugansk“ erstrecke sich „einer der spannendsten Wachstumsmärkte direkt vor unserer Haustür“. Der Vorstoß des ukrainischen Außenministers und die Reise der deutschen Kanzlerin erfolgen zu einem Zeitpunkt, zu dem die Regierung in Kiew – nicht fähig, den ostukrainischen Aufstand rasch niederzuschlagen – in gravierende ökonomische Schwierigkeiten gerät. Unter anderem ist zur Zeit völlig unklar, wie die Erdgasversorgung des Landes in der bevorstehenden kalten Jahreszeit angesichts des russischen Lieferstopp gesichert werden soll.

Krieg

Die Ukraine befindet sich unmittelbar vor dem Besuch der deutschen Kanzlerin in einer desolaten Lage. Der Krieg, den die Regierung gegen die eigene Bevölkerung im Osten des Landes führt, hat bereits bis zum 10. August laut Angaben der Vereinten Nationen fast 2.100 Todesopfer gefordert. Allein im Zeitraum vom 26. Juli bis zum 10. August kamen mehr als 950 Menschen ums Leben. Immer öfter werden bei Angriffen der Regierungstruppen auch Zivilisten umgebracht; zu Beginn dieser Woche kamen allein in der Oblast Donezk binnen 24 Stunden 34 Unbeteiligte zu Tode. Der Plan des im Mai gewählten ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko, den Aufstand in der Ostukraine rasch niederzuschlagen, um so schnell wie möglich mit dem wirtschaftlichen Wiederaufbau beginnen zu können, ist grandios gescheitert. Tatsächlich versinkt insbesondere das Donbass, das traditionelle industrielle Zentrum der Ukraine, im Krieg.

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