Vatikan sieht Sodom und Gomorrha auf der Krim

Foto: commons.wikimedia/Sergey Korovkin 84 CC BY-SA 4.0Foto: commons.wikimedia/Sergey Korovkin 84 CC BY-SA 4.0
image_pdfimage_print

Unter dem Thema „Menschenrechte“ fanden wir beim Stöbern auf der Internetseite des Lautsprechers des Papstes, dem „Radio Vatikan“, einen Beitrag, in dem mutmaßliche Menschenrechtsverletzungen auf der russischen Halbinsel Krim angeprangert werden. Angeblich fielen auch Mitglieder von christlichen Kirchen darunter.

Die Lage auf der Krim sei katastrophal, quasi die Hölle auf Erden, wenn man „Radio Vatikan“ Glauben schenken will. Deshalb habe nun, so heißt es auf der Seite, die UNO eine Resolution wegen obskurer Menschenrechtsverstöße auf der von Russland „unrechtmäßig annektierten“ Krim vorgelegt, die vom Menschenrechtsausschuss der UN-Vollversammlung am Dienstag beschlossen wurde. In der Resolution werde Russland dazu gedrängt, UNO-Beobachter auf die „ukrainische Halbinsel Krim“ zu lassen.

Der Text des UN-Menschrechtsausschusses war von der Ukraine mit der Unterstützung von 40 Ländern, darunter die UNO-Vetomächte USA, Frankreich und Großbritannien, eingebracht worden. Er soll nächsten Monat dem Plenum der Vollversammlung zur Abstimmung vorgelegt werden. Gegen den Text stimmten unter anderem Russland, China, Syrien, der Iran, Nordkorea, Indien, Südafrika, Serbien und Venezuela.

Die russische Armee besetze seit Februar 2014 die gesamte „ukrainische Halbinsel“ und später sei sie von Moskau annektiert worden, heißt es im päpstlich medialen Verteilerdienst. In der Resolution verurteilten die Vereinten Nationen „die diskriminierenden Übergriffe, Maßnahmen und Praktiken der russischen Besatzungsbehörden gegenüber den Einwohnern“ der Krim. Weiter heißt es, insbesondere die Krimtartaren und andere Minderheiten würden ungerecht behandelt. Zudem seien Vertreter von christlichen Kirchen und vor allem Muslime willkürlich auf der Halbinsel verhaftet worden.

Bei soviel päpstlichen Zuspruch sei das letzte Wort dem ukrainischen Vize-Außenminister Sergej Kislizja zugestanden. Der nämlich beklagt: „Die Menschenrechtslage auf der Krim hat sich seit der Besetzung durch Russland deutlich verschlechtert“. Der Papst wird es schon richten.

[mb/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.