Usbekistan: Agenturen melden Tod von Karimow

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Ein offizielles Statement der Regierung steht aus – aber die Agentur Reuters meldet den Tod des langjährigen usbekischen Staats-Chefs Islam Karimow. Die Begräbnisvorbereitungen seien in vollem Gange, heißt es bei der Regional-Agentur Fergana.

Reuters bezieht sich bei seiner Todesmeldung auf drei diplomatische Quellen, die den Tod des 78 Jahre alten Präsidenten bestätigten. Seitens der usbekischen Staatsführung wurde der Tod des langjährigen Präsidenten aber bisher nicht bekannt gegeben. Usbekische Medien verbreiteten heute nur ein offizielles Kommuniqué der Regierung, in dem diese „den lieben Landsleuten mit schwerem Herzen“ mitteilte, dass sich Karimows Zustand in den letzten 24 Stunden verschlechtert habe und kritisch sei.

Dass Karimow im Krankenhaus liegt, ist seit dem 28. August bekannt. Am Tag darauf bestätigte seine Tochter Lola, dass der usbekische Präsident nach einem Schlaganfall in schwerem Zustand sei. Am 31. August flogen russische Ärzte aus Moskau nach Taschkent, um bei der Behandlung Karimows zu helfen.

Nach Angaben der länderübergreifenden mittelasiatischen Agentur Fergana starb Karimow schon am Montag. Obwohl dies von offizieller Seite dementiert wurde, hält die Agentur an ihrer Darstellung fest – wie es in einem Leitartikel dort heißt, mit 99,9 prozentiger Wahrscheinlichkeit.

Samarkand: Präsidenten-Gruft im Bau

Gestern veröffentlichte die in Usbekistan seit zehn Jahren gesperrte Webseite von Fergana (fergananews.com) Fotos, die Bauarbeiten auf einem Friedhof in Samarkand zeigen sollen. Dort würde eine Gruft für den seit der Unabhängigkeit 1991 diktatorisch herrschenden Staats-Chef vorbereitet. Auch sei dessen Leichnam bereits per Flugzeug in seine Heimatstadt überführt worden. Zudem gab es Meldungen, dass seit gestern in Samarkand die kommunalen Betriebe aktiv mit der Reinigung von Straßen und Plätzen begonnen hätten.

Laut Fergana wird im Laufe des heutigen Freitags die offizielle Todesnachricht verkündet werden. Das Begräbnis wird dann bereits am Samstag stattfinden. Nach islamischen Brauch soll ein Verstorbener am bereits Tag nach dessen Tod bestattet werden. Möglicherweise werden einige Staats-Chefs wie die Präsidenten Russlands, Kasachstans und der Türkei, die ohnehin zu dem am Sonntag in China beginnenden G-20-Gipfel reisen werden, an der Beerdigung teilnehmen.

Warum schweigt Taschkent?

Für das Herauszögern der Todesnachricht könnte es mehrere Gründe geben: Die Notwendigkeit, ein würdiges Begräbnis länger vorzubereiten zu können, die moralische Einstimmung der Bevölkerung auf das Ereignis und den anstehenden Machtwechsel – und schließlich die Klärung der Nachfolge-Frage. Bislang war nicht klar, wer Karimows Nachfolger werden wird und wie die Machtbasis dieser Person aussieht. Ein weiterer Faktor könnte sein, dass man den Tod des Herrschers nicht vor dem am Mittwoch begangenen Unabhängigkeitstag verkünden wollte: Anlässlich des 25. Jahrestags der Staatsgründung wurde im staatlichen Fernsehen eine Grußbotschaft Karimows verlesen.

Die Ungewissheit um den Gesundheitszustand und die fehlende Todesmeldung kann im übertragenen Sinne durchaus mit einem Witz erklärt werden, der dieser Tage im Internet die Runde macht: „Die Behörden bestätigen den Tod des Präsidenten Usbekistans nicht, weil sie derartige Erklärungen ohne Erlaubnis von Islam Karimow nicht machen dürfen.“

[ld/russland.NEWS]

Über den Autor

Lothar Deeg
Lothar Deeg geboren 1965 und gebürtig aus Bad Mergentheim. 1991 infizierte ich mich als frisch gebackener Diplom-Journalist auf einer Reise nach Wladiwostok mit dem Russland-Virus. Rudimentär mit VHS-Russischkenntnissen ausgestattet hängte ich 1994 meinen Redakteursposten beim „fliegermagazin“ an den Nagel und siedelte von München nach St. Petersburg um. Dort schreibe ich seitdem als freier Journalist über alles, was mir aus Stadt und Land berichtenswert erscheint – unter anderem als Korrespondent des epd und des Logistik-Fachblatts „Verkehrsrundschau“. Momentan arbeite ich an meinem dritten und vierten Reiseführer über St. Petersburg. Meine Lieblingsjobs sind aber Städte- und Personenporträts für das Bordmagazin der Airline Swiss.