USA will radioaktiven Müll in der Ukraine endlagern

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Der perfekte Deal sieht anders aus. Die USA will der maroden Ukraine einen Kredit in Millionenhöhe gewähren. Im Gegenzug soll das krisengebeutelte Land dafür deren radioaktiven Restmüll endlagern. Ein Geschäft, bei dem der Verlierer im Vornherein feststeht.

Augenscheinlich planen die USA und die Ukraine einen gefährlichen Kuhhandel hinter dem Rücken der Bevölkerung. Wie es heißt, wurde während eines Dreieckstreffens zwischen der amerikanischen Nuclear Regulatory Commission (NRC), der Holtec International und der ukrainischen SS Atomprojectengeneering die Beteiligung und Finanzierung durch die Tochtergesellschaft der Bank of Amerika, Merrill Lynch, für ein Endlager hochradioaktiver Abfälle aus den USA beschlossen. Nun sollen alle nötigen technologischen Voraussetzungen für das Projekt geschaffen werden.

Wie aus einem Schreiben von Oleksandr Rybtschuk, dem Generaldirektor bei SS Atomprojectengeneering, hervorgeht, sollen demnach Brennelemente für die Reaktoren WWER-1000 und WWER-440 sowie 8622 Brennelemente für die Reaktoren W 4-loop, W 3-loop, COMB CE und AP-1000 aus den USA in diesem Endlager entsorgt werden. Zunächst sei die Deponierung für die kommenden 50 Jahre geplant. Im Gegenzug soll der Ukraine ein Kredit in Höhe von 400 Millionen US-Dollar gewährt werden.

Als Standort für das Endlager sei die Ruine des ehemaligen Kernkraftwerks in Tschernobyl vorgesehen, heißt es. Allerdings wurde das Projekt offenbar stillschweigend geplant und sollte ohne dem Wissen der Bevölkerung realisiert werden. Zudem hat die ukrainische Regierung nach wie vor mit den Altlasten des Reaktorunfalls im Jahr 1986 zu kämpfen. Die geplante Schutzhülle um den Reaktorblock, mit deren Bau bereits 2010 begonnen wurde, konnte bislang immer noch nicht fertiggestellt werden. Ursprünglich sollte die Schutzmaßnahme im November 2017 in Betrieb genommen werden. Die Finanzierung indes ist weiterhin ungeklärt.

Der Ukraine käme diese Finanzspritze derzeit durchaus gelegen und auch für die USA scheint es die perfekte Lösung ihrer eigenen Probleme zu sein. Zweischneidig gestaltet sich jedoch die Situation vor Ort. Für die Sicherheit der geplanten Anlage kann die Ukraine in keiner Weise garantieren. Bisherige Atommülldeponien befinden sich ohnehin auf einem unzureichenden Sicherheitsniveau, über die austretende radioaktive Strahlung wird wohlweislich geschwiegen. Eine Grundlage für einen Schutz der Ökologie ist, nicht einmal ansatzweise, gegeben.

Hinzu kommt, dass es sich bei dem geplanten Projekt keineswegs um eine interne ukrainische Angelegenheit handelt. Eine sich selbst überlassene atomare Restmülldeponie beträfe in der Folge ganz Europa. Und spätestens hier muss man sich die berechtigte Frage stellen, mit welchem Recht die USA befugt sind, Europa als ihren nuklearen Abfalleimer zu benutzen. Wozu bedarf es einer Internationalen Atomenergie-Organisation der Vereinten Nationen, wenn ohnehin derlei Geschäfte über deren Köpfe hinweg beschlossen werden? Mit Verlaub, Europa hat seine eigenen Probleme.

[mb/russland.NEWS]

 

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.