US-Umfrage: Verschlechterte Beziehungen zu Russland?

Foto: DonkeyHotey CC BY-SA 2.0 via Flickr
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Mit Blick auf die jüngsten Ereignisse im Embargo-Spiel zwischen den USA und Russland hat das Chicago Council of Global Affairs eine Umfrage unter US-Bürgern durchgeführt. Wird Russland in Amerika nun als größere Bedrohung angesehen und wie weit steht die Bevölkerung hinter den Entscheidungen der Regierung? Das Ergebnis trennt die politischen Lager.

Nicht eine Woche des Jahres 2017 ist vergangen, in der es die Trump-Administration und deren Beziehungen zu Russland nicht geschafft hätte, es auf die Titelseiten der US-Presse zu schaffen. Das mag dem gewachsenen Einfluss Russlands auf der weltpolitischen Bühne geschuldet sein, der von den Amerikanern höher als je zuvor bewertet wird. Über die Hälfte der US-Bürger ist daher der Meinung, die USA müssten diese Macht Russlands eingrenzen, anstatt einen freundschaftlichen und kooperativen Kurs einzuschlagen. Das Vertrauen in die Verantwortung Russlands gegenüber den Problemen der Welt ist dagegen nach wie vor schwindend gering.

Demnach befürworten nur noch 43 Prozent der Befragten ein russlandfreundliches Engagement, während es im letzten Jahr noch 53 Prozent waren. Resolute Härte gegen Russland unterstützen mittlerweile 53 Prozent, nachdem 2016 nur 39 Prozent diese Ansicht vertraten. Laut dem Chicago Council Survey glauben generell fast drei Viertel der Amerikaner, dass Russland freundschaftliche Beziehungen unterminieren würde (74 Prozent und 71 Prozent im Vorjahr). Vom Gegenteil sind lediglich 22 Prozent (2016 24 Prozent) überzeugt. Zudem wächst der Prozentsatz derer, die eine militärische Unterstützung der baltischen Länder begrüßen.

Meinung zur militärischen Bedrohung durch Russland

Die US-Amerikaner fühlen sich von Moskau stärker bedroht, sagen sie. Was möglicherweise an der verstärkten russischen Militärpräsenz vermeintlich in der Ukraine und tatsächlich in Syrien liegen mag, auch wenn Russlands bewaffnete Stärke nur einen Bruchteil derer der ehemaligen Sowjetunion ausmacht. Dennoch denkt nur ein minimal angestiegener Prozentsatz von, 33 auf 42 Prozent. seit 1990 an eine ernsthafte von Russland ausgehende Gefahr. Im Jahre 2002 waren es sogar nur 23 Prozent. Weitere 51 Prozent dagegen sagen, dass die Bedrohung zwar ernstzunehmen aber nicht kritisch sei.

Allerdings wären die US-Bürger mit 52 Prozent auch eher bereit, die baltischen Staaten Litauen, Lettland und Estland als NATO-Partner zu verteidigen und US-Truppen zu entsenden, falls Russland in einem der Länder intervenieren sollte. Diese Frage ist 2014 zum ersten Mal vom Chicago Council erhoben worden. Eine zunehmende Minderheit von 39 Prozent, im Jahr 2015 waren es sogar nur 31 Prozent, hingegen würde befürworten, wenn die Vereinigten Staaten bei einem russischen Überfall Truppen in die Ukraine schickten.

Befürwortung der Sanktionen

Erst vor Kurzem verabschiedete der US-Senat eine Erklärung, die Handlungsfähigkeit des Präsidenten Donald Trump zur Lockerung der gegen Russland verhängten Sanktionen einschneidend einschränkt und das Embargo für Energielieferungen und Waffen erweitert. Dies befürworten 41 Prozent der Befragten, 38 Prozent würden es sogar noch verschärfen. Sieben Prozent stimmten für eine Milderung der Sanktionen, zehn Prozent würden sie sofort beenden. Vier Prozent hatten dazu überhaupt keine Meinung oder enthielten sich.

56 Prozent der US-Amerikaner billigten im Januar gemäß einer Studie der Quinnipiac University die Sanktionen der US-Regierung mit Bezug auf die angebliche russische Beeinflussung der US-Präsidentschaftswahl. Immerhin missbilligten mit 33 Prozent ein Drittel diese Maßnahmen. Eine Umfrage von ABC News und der Washington Post ermittelte sogar mit 60 Prozent eine Mehrheit, die der Ansicht sei, Russland hätte sich in die Wahlen 2016 massiv eingemischt. Vier von zehn Befragten sähen in der Beteiligung Russlands zudem eine kritische Bedrohung der Vereinigten Staaten.

Unterschiedliche Sicht beider Parteien

An diesem Punkt trennen sich die Meinungen über die globale Rolle Russlands in zwei unterschiedliche Lager. Während unter den Republikanern nur 64 Prozent geneigt sind (im Jahr zuvor waren es 75 Prozent), zu glauben dass Russland daran arbeitet, den US-amerikanischen Einfluss zu untergraben, befinden sich unter den Demokraten 82 Prozent (im Vorjahr noch 72 Prozent), die zu der Meinung tendieren, Moskau würde massiv in die US-Politik eingreifen. Aber auch in den anderen angesprochenen Punkten wird eine deutliche Abgrenzung der beiden maßgeblichen Parteien in den USA voneinander sichtbar.

Sehen 50 Prozent der Demokraten Russland und seine militärische Stärke als ernsthafte Bedrohung der Vereinigten Staaten, sind es bei den Republikanern lediglich 31 Prozent. Auch in der Frage der Beeinflussung der US-Wahlen durch Moskau driften die Meinungen der beiden politischen Lager auseinander. 65 Prozent der Demokraten sehen die innere Sicherheit der USA durch die angeblichen Manipulationen in Gefahr, von den Republikanern teilen nur 19 Prozent diese Ansicht. Aus diesen Gründen heraus sähen 70 Prozent der Demokraten und nur 40 Prozent der Republikaner die Notwendigkeit, Russlands Macht einzudämmen.

Das hilft zu verstehen, warum sich 51 Prozent der Demokraten für die Sanktionen gegen Russland einsetzen und von den Republikanern nur 29 Prozent für eine wirtschaftliche Einschränkung plädieren. Auffällig ist, dass die Meinungen im letzten Jahr noch gänzlich umgekehrt ausfielen. 2016 zeigten sich noch 62 Prozent der Demokraten bereit, enger mit der russischen Regierung zusammenzuarbeiten. Verallgemeinert lässt sich feststellen, dass seit dem Beitritt der Krim die Stimmung gegen Russland generell zum Sinkflug angesetzt hat. Ebenso fiel die Beliebtheit des russischen Präsidenten Wladimir Putin in den darauffolgenden Jahren bis unter die Zwanzigprozentmarke.

Diese Analyse fußt auf Daten des Chicago Council Survey, die im Jahr 2017 über die US-amerikanische Öffentlichkeit zur US-Außenpolitik gesammelt wurden. Unterstützt wurde die Erhebung durch die GfK-Verbraucherforschung, die 2017 Umfragen unter 2.020 Erwachsenen in sämtlichen 50 Bundesstaaten der USA durchführte. Die Fehlerquote wird mit plus-minus 2.4 Prozentpunkten angegeben. Das Chicago Council of Global Affairs recherchiert regelmäßig die Meinung der Öffentlichkeit zu kritischen Themen, die der Lösung globaler Probleme dienen könnte.

[mb/russland.NEWS]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.