Unruhen in der Ostukraine – Recherche-Defizit bei der ARD? [mit Videos]

ARD-Falschmeldungen durch schlechte Recherche oder mit System? - Realität: Mehr Demonstranten, mehr Demonstrationen und leider mehr Gewalt

In der Ostukraine fanden auch heute wieder zahlreiche prorusische Demonstrationen statt. Erstmals seit Wochen hat darüber auch die ARD wieder berichtet – so stark verzerrt, dass eine Richtigstellung not tut. So haben wir wieder einmal in den örtlichen Onlinemedien von Charkow, Donezk oder Odessa nachgeschaut, was wirklich passiert ist, damit das wenigstens die Leute im deutschsprachigen Raum erfahren, die sich online informieren.

So wurden aus mehreren Tausend prorussischen Demonstranten in Charkow (Quelle: Nahnews in Charkow) in der ARD nur noch 1.500. Der angebliche friedliche Verlauf der Tagesschau findert sich in den örtlichen Medien leider ebenfalls nicht. Denn die Charkower Journalisten sprechen von einem provokanten Angriff auf die Demo durch mutmaßliche westukrainische Nationalisten von neofaschistischen „Rechten Sektor“, unter anderem mit Steinewürfen, Baseballschlägern und Feuerwerkskörpern in die prorussische Menge (Quelle: Ukrinform). Der muss unterwegs ins ARD-Studio verloren gegangen sein, weil er nicht ins rein positive Bild der Euromaidan-Regierung und ihrer Unterstützer passt. Die Stimmung gegen die ukrainischen Nationalisten und auch liberale Euromaidan-Anhänger ist in Charkow äußerst aufgeheizt. Die prorussischen Demonstranten zwangen danach Aktivisten des  Rechten Sektors, auf Knien die Straße Rymarskaja zu überqueren, unter Ausnutzung ihrer deutlichen, zahlenmäßigen Übermacht. Hier ein kleines Beweisvideo, denn das Schauspiel wurde natürlich per Handy gefilmt:

http://www.youtube.com/watch?v=HbOHaNp25V4

Auch waren zeitweise 10 Euromaidan-Anhänger von aufgebrachten Antimaidanern eingeschlossen und mussten von einem massiven Polizeiaufgebot „evakuiert“ werden. Durch Übergriffe von westukrainischen Neofaschisten waren am 14./15. März zwei Einheimische zu Tode gekommen, was die Stimmung gegen die rechte Stütze des Euromaidan sichtlich aufgeladen hatte. „Friedliche Demonstrationen“, wie sie in den ARD-Meldungen auftauchen, schauen anders aus.

Von der Stürmung der Gebietsverwaltung in Donezk an sich erfährt man immerhin in der Tagesschau. Hier bei uns mal ein paar Bilder von der Demo:

http://www.youtube.com/watch?v=zInIZBgRrJ0

Wer sich nur aus dem deutschen Fernsehen informiert, wird aber verpasst haben, dass die letzte derartige Demo erst gestern stattfand:

http://www.youtube.com/watch?v=Oq5ZluLZOJ0

Interessant ist, wie aus 5.000 Demonstranten in Donezk (Quelle beispielsweise die ukrainische Onlinezeitung BigMIR, die einen Live-Stream von der Demo brachte und schlecht schwindeln konnte) bei der ARD 2.000 werden. Wer nur die ARD-Meldung kennt, wird sich fragen, wie 50 gewaltbereite Demonstranten eine Polizeikette durchbrechen können. Können sie  nicht, aber vor der Staatsanwaltschaft waren in Wirklichkeit wesentlich mehr Menschen aktiv. Auch der Grund für die Empörung der Demonstranten wird beflissentlich verschwiegen, obwohl ihn die Medien vor Ort nicht geheim halten: Es handelt sich um die Inhaftierung und Verschleppung des prorussischen Oppositionsführer Gubarjew nach Kiew. Echte Empörung passt aber nicht ins gewollte Bild der ARD, prorussische Demonstranten nach Möglichkeit als „dumme Krawallmacher“ zu diffamieren.

Dass auch die Staatsanwaltschaft in Lugansk gestürmt wurde, bekommt man ebenfalls nur mit, wenn man in die ostukrainische Onlinepresse schaut oder eben russland.RU liest. Dort gab es laut der Onlinezeitung Tajmer aus Odessa zwei Verletzte. Da man bei unliebsamen Nachrichten von deutscher Mainstream-Journalismusseite und ihren „Gläubigen“ gerne mit der Unterstellung einer Falschmeldung bei der Hand ist, hier ein paar Amateurfilme aus Lugansk, frisch von heute:

Die heutigen weiteren prorussischen Demonstrantionen in Mariupol, Melitopol und Dnepropetrowsk wird von den deutschen „Leitmedien“ ebenfalls unterschlagen. Waren es zu vielen Demos, als dass das einseitige Bild noch hätte aufrecht erhalten werden können? Hier fragt es sich: Warum kann ein gebührenfinanzierter Mega-Sender nicht die vollständige Nachrichtenlage erfassen, sondern präsentiert stets eine „Auswahl der genehmen News“, wie man es dann noch täglich der russischen Seite vorwirft. Hier sitzen deutsche Medien im selbst gezimmerten Glashaus und werfen die Steine in eigener Selbstgerechtigkeit. russland.RU sieht bei einseitiger Meinungsmache aktuell keinen Unterschied zwischen der ARD und den staatlich-russischen Medien.

Die Meldungen aus der Ostukraine erfüllen uns übrigens nicht mit Freude. Denn wir die Originalaufnahmen und örtlichen Berichte zeigen, ist die Region ein Pulverfass, das sich weiter radikalisiert, angetrieben durch eine unkluge Politik der „harten Hand“ der Euromaidan Regierung.  Schon schwebt das Wort vom „Ausnahmezustand“ in der Luft der veröffentlichten Meldungen vor Ort. Die größte Hoffnung auf eine Mäßigung liegt interessanterweise ausgerechnet auf Janukowitschs „Partei der Regionen“, da sie versucht, als gemäßigtes Sprachrohr der russischsprachigen Bevölkerung für eine Föderalisierung der Ukraine einzutreten. Doch wie heute erst Tajmer berichtet, ist Janukowitschs Partei zerstritten, es hagelt Austritte und die Bevölkerung hat in sie kaum noch Vertrauen.  Laut Wescharkiw, einer Euromaidan-treuen Onlinezeitung des Ostens, hat die „Partei der Regionen“ in den letzten Wochen die Hälfte ihrer Mitglieder verloren. Viele werden sich radikaleren prorussischen Gruppen zuwenden.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel basiert ausschließlich auf Recherchen in UKRAINISCHEN Onlinezeitungen vor Ort, um auch eine Verfälschung unserer Berichte durch russische Quellen zu verhindern.