Unglück im Sinai: Russland weitet Suche auf 40 Quadratkilometer aus

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Entgegen ägyptischer Meldungen über den Abschluss der Bergungsarbeiten an der Absturzstelle weitet der russische Katastrophenschutz die Suche auf 40 Quadratkilometer aus. „Ich bitte darum, alle nur möglichen Stellen zu untersuchen, wo Fragmente des Flugzeuges liegen könnten“, erklärte am Dienstag Wladimir Putschkow, der Leiter des russischen Katastrophenschutz-Ministeriums. Dabei sollen Drohnen und Beobachtung aus dem Weltraum eingesetzt werden.

Ägyptens Präsident: „IS-Bekenntnis ist Propaganda“

Russische Experten gehen nach wie vor davon aus, dass ein jäher Druckabfall im Passagierraum zum Bersten des Airbus-321 von Kogalymavia (Metrojet) in der Luft geführt hat. Es gebe keine Explosionsspuren an den Körpern der Opfer, erklärten Gerichtsmediziner in Petersburg. Als vorläufige Ursache für den Absturz werden weiterhin „technische Probleme“ angeführt. Ein Terroranschlag wird zwar in Betracht gezogen, aber eher als unwahrscheinlich eingestuft.

Der ägyptische Präsident Abd al-Fattah as-Sisi hält die Erklärung des Islamischen Staates (IS), für die Katastrophe verantwortlich zu sein, für Propaganda. „Das hat nur die Destabilisierung der Lage in der Region zum Ziel, um das Image Ägyptens kaputtzumachen“, sagte er in einem BBC-Interview. Im betroffenen Landesteil sei „alles unter Kontrolle“.

Kreml: Absturz im Sinai und Antiterror-Operation in Syrien getrennt betrachten

Am Dienstag verlautete aus dem Kreml, es sei unangebracht, den Flugzeugabsturz in Ägypten und die Luftoperation Russlands in Syrien miteinander zu verknüpfen. Putins Pressesprecher Dmitri Peskow erklärte gegenüber Journalisten: „Irgendwelche hypothetischen Gedankenspiele dazu sind unangebracht. Das sind absolut unterschiedliche Dimensionen, absolut unterschiedliche Fragen. Sie dürfen nicht verknüpft werden.“

Peskow rief dazu auf, die Ergebnisse der Untersuchungen abzuwarten und sich nicht in Spekulationen zu verlieren: „Wir haben bisher keine Angaben, die für einen Terroranschlag sprechen. Noch läuft die Untersuchung (…). Es ist einfach unmöglich, der Öffentlichkeit alle Informationen bis ins Kleinste vorzulegen.“

Angehörige der Opfer gegen Sammelgrab; 224 Glockenschläge zum Gedenken

Die meisten Angehörigen der Opfer des Flugzeugabsturzes sprechen sich gegen eine gemeinsame Begräbnisstätte aus. Die Petersburger Stadtregierung hatte zuvor vorgeschlagen, im Kurort-Bezirk im Norden der Stadt am Finnischen Meerbusen eine Gedenkstätte mit Gemeinschaftsgrab einzurichten.

Nach Informationen des Internet-Stadtportals Fontanka.ru wird es in der Isaak-Kathedrale am 8. November einen Trauergottesdienst geben. Zum Gedenken an die Toten werden 224 Glockenschläge ertönen – nach der Zahl der Menschen, die diesem Unglück zum Opfer fielen.

[sb/russland.RU]