Ökologisches Glück

Weizen in Tomsk 2007 Foto: Wki Afunin

Beim Zusammenbruch der Sowjetunion und der darauf folgenden häufig sehr merkwürdigen „Privatisierung“ brach auch die russische Landwirtschaft vollkommen zusammen.

Sowchosen und Kolchosen gab es plötzlich nicht mehr. Die ehemaligen Sowchosen- und Kolchosen-Vorsitzenden rissen sich Land und Geräte unter den Nagel und versuchten meist alles zu Geld zu machen. Die ehemaligen Kolchosarbeiter sollten plötzlich wieder Bauern sein, hatten aber weder das Wissen, noch die Geräte, um wieder selbstständig arbeiten zu können. Außerdem zogen sie (zumindest die jüngeren) dem kargen Leben auf dem Land das bessere oder zumindest besser geglaubte Leben in der Stadt vor.

Russland, das mit schier unendlichen landwirtschaftlichen Reichtümern gesegnete Land, wurde zum Nahrungsmittelimporteur und gleichzeitig lagen Millionen von Hektar brach und „verwilderten“.

Erst im Jahr 2002 erreichte die Landwirtschaft wieder die Produktion, die sie 1992 gehabt hatte.

Das Land „verwilderte“ zwar, Buschwerk und Jungwald – insbesondere Birken – ergriffen wieder Besitz vom Land, aber andrerseits ließ des Menschen schädigende Hand das Land auch in Ruhe. Heute, nach weiteren mehr als 20 Jahren, ist es zwar mühevoll es erneut zu roden, zu „kultivieren“, aber es ist „jungfräulicher“, von chemischen Keulen verschonter Boden – ökologisches Land.

Also konnte der russische Landwirtschaftsminister Tkachtschew auf dem »zweiten Allrussischen Forum für Lebensmittelsicherheit« in Rostow am Don das hohe Potenzial, das Russland bezüglich der Entwicklung der ökologischen Landwirtschaft hat, hervorheben.

„Auf der Welt werden 45 Millionen Hektar Land ökologisch bewirtschaftet. Gleichzeitig hat Russland etwa 10 Millionen Hektar ungenutzte landwirtschaftliche Flächen, die seit mehr als 20 Jahren nicht mehr gedüngt wurden. Diese können jederzeit ökologisch bewirtschaftet werden. Mit dieser großen Kapazität und der steigenden Nachfrage nach Bio-Produkten kann Russland einen zusätzlichen Markt aufbauen, langfristig erhalten und seinen Anteil an der weltweiten Produktion von Bio-Produkten steigern“.

Er wies darauf hin, dass Russland eine der weltweit höchsten  Wachstumsraten bei Öko-Produkten hat. In den letzten sieben Jahren sei der Markt für Bio-Produkte in Russland um mehr als 60% (von 120 auf 200 Millionen US-Dollar) gewachsen. Außerdem hätten sich die Zahl der Erzeuger und die Fläche des zertifizierten Bio-Landes verzehnfacht.

„Heute liefert Russland ein Zehntel des Weltmarktes an Bio-Produkten, es können jedoch bis zu 15% des Marktes werden“, fasste Alexander Tkatschew zusammen.

[Hanns-Martin Wietek/russland.News]

Über den Autor

Hanns-Martin Wietek
Arbeitet als freier Publizist für russische Literatur und Geschichte für verschiedene Medien. Literaturkritiker für buechervielfrass.de und russland.RU. Seit 2003 bei russland.RU zuständig für Kunst und Kultur und stellt russische Künstler vor.