Kaliningrader Tourismus und die Visionen des Gouverneurs

Steilküste_bei_Ahrenshoop
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Der Mai ist gekommen, die Touristen bleiben aus. Dieser Satz  ist (leicht abgewandelt) einem optimistischen Frühlingslied von Emanuel Geibel aus dem Jahre 1841 entlehnt. Es soll Laune verbreiten, bei herrlichem Wetter zu reisen, spazieren zu gehen, Natur und Landschaft zu genießen, sich mit Unbekanntem vertraut zu machen und schon Bekanntes vielleicht noch einmal zu genießen.

Tourismus soll für Kaliningrad eine der strategischen Entwicklungsrichtungen sein. Nur, Tourismus kann man nicht erzwingen. Touristen kommen freiwillig – oder bleiben auch freiwillig weg, weil es nichts zu sehen und nichts zum erleben gibt.

Anfang April äußerte der Direktor des Hotels „Baltika“, einem der ältesten Hotels in Kaliningrad, das man über das Thema „deutsche Touristen in Kaliningrad“ das Kreuz schlagen kann. Sein Hotel war im vergangenen Jahr zu 25 Prozent ausgelastet und in diesem Jahr haben in den ersten drei Monaten schon 50 Prozent der angemeldeten deutschen Reservierungen, diese auch wieder annulliert.

Ende März wurde aus der Kaliningrader Gebietsregierung bekannt, dass die Tourismusministerin gekündigt hat – aus persönlichen Gründen, wie immer so nett formuliert wird. Vielleicht ist ihre Kündigung die Spätfolge eines Korruptionsvorwurfes. Vielleicht hat sie aber auch erkannt, dass in Kaliningrad irgendetwas nicht so richtig läuft.

Und dann tauchten interessante Zahlen in den Medien auf, die naturgemäß nur schwer zu überprüfen sind. So sollen im Jahre 2014 über 800.000 Touristen in Kaliningrad gewesen sein. 2013 waren es noch 550.000 und noch ein Jahr davor 500.000. Und es wird eine Touristenzahl von 900.000 für das aktuelle Jahr vorausgesagt – trotz Krise und Geldknappheit. Ich bin da als Neu-Königsberger doch schon recht erstaunt. Also haben wir einerseits einen Touristenboom und andererseits keinerlei Hotelauslastung? Schlafen die Touristen alle unter der Brücke?

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