Uljanowsk pflegt Ruf als gute Geschäftsadresse

Firmen für Projekte in der Industrie, im Gesundheitswesen und in der Bauwirtschaft gesucht

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[Von Ullrich Umann Uljanowsk-gtai] – Die russische Region Uljanowsk sucht Investoren aus Deutschland. Dabei scheut sich die Administration nicht, Konzessionen an Privatunternehmen zu vergeben. Damit zählt sie landesweit zu den Vorreitern. Es werden Firmen für folgende Bereiche gesucht: Maschinen- und Komponentenbau, Technologie zur alternativen Energieerzeugung, Projektierung, Ausstattung und Betrieb eines Herzzentrums, Ausbildung von medizinischem Personal, Hotelbau und Modernisierung zweier Flughäfen.

Die an der Wolga gelegene Region Uljanowsk sucht aktiv nach ansiedlungswilligen Unternehmen aus dem In- und Ausland, darunter explizit aus Deutschland. Die Standortwerbung zielt auf Zulieferfirmen für den Fahrzeug- und Maschinenbau sowie für die Luftfahrtindustrie. Dabei handelt es sich um Zulieferbranchen, für die sowohl unmittelbar vor Ort als auch in einem Umkreis von 600 km zahlreiche Hersteller entsprechender Endprodukte als potenzielle Abnehmer existieren. Der Absatz für ansiedlungswillige Zulieferer ist damit de facto gesichert. Denn praktisch alle Endfertiger suchen händeringend nach geeigneten Kooperationspartnern zur Vervollständigung der Wertschöpfungskette innerhalb Russlands, um entweder qualitativ hochwertige Neuentwicklungen in die Serienfertigung überführen oder – im Fall ausländischer Investoren – den Lokalisierungsgrad der eigenen Produktion erhöhen zu können.

Uljanowsk will Technologiezentrum für erneuerbare Energien werden

Als Neuestes plant die Regionalverwaltung, das Gebiet Uljanowsk zu einem Technologiezentrum für erneuerbare Energien auszubauen. Dies macht Sinn, da vor Ort keine nennenswerten Vorkommen an fossilen Energieträgern vorhanden sind. Vizegouverneur Alexander Smekalin wies vor einer Unternehmerdelegation der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer Ende April 2015 darauf hin, dass im Gebiet Uljanowsk Windturbinen, Rotorenblätter und Maste für Windkraftanlagen gefertigt werden sollen. Hilfreich bei der Fertigung von Turbinen und Rotorenblättern ist sicherlich das Vorhandensein des Flugzeugclusters Uljanowsk, in dem Flugzeugbauer und etwa 100 Zulieferer konzentriert sind.

„Zwar liegen uns erste Erfahrungen vor. Doch wir wollen mehr. Deutsche Unternehmen wären uns dafür sehr willkommen“, so Smekalin. „Interesse besteht auch an Technologie für die Nutzung von Biogas und Sonnenenergie.“

Unterstützung beim Bau eines Herzzentrums erwünscht

Darüber hinaus werden deutsche Unternehmen gesucht, die bei der Projektierung und Einrichtung eines geplanten kardiologischen Zentrums mitarbeiten wollen. Neben spezialisierten Projektierungsbüros und Herstellern von Medizintechnik sind Unternehmen gefragt, die bei der Finanzierung des Projekts, bei der späteren Verwaltung des Herzzentrums und bei der Ausbildung medizinischen Fachpersonals helfen können.

Auf beiden Flughäfen in Uljanowsk, Airport „N.M. Karamzin“ und Airport „Wostotschny“, sollen die Landebahnen einen neuen Belag erhalten. Dies ist insofern wichtig, als dass die Stadt in den kommenden Jahren Sportler und Fans in großer Zahl für zwei internationale Großveranstaltungen empfangen will. Dabei handelt es sich um die Weltmeisterschaft in Eishockey mit Ball (Bandy) im Jahr 2016 und um die Fußball-WM 2018.

Zwar ist Uljanowsk kein Austragungsort der Fußball-WM 2018. Doch wird hier ein Nationalteam sein Basislager aufschlagen und dafür geeignete Trainings- und Unterbringungsmöglichkeiten vorfinden. Für Fußball-Fans will die Region Hotel- und Gaststättenkapazitäten zur Verfügung stellen. Von hier aus wären die Stadien in Saransk und Samara relativ leicht zu erreichen.

Flughafenmodernisierung steht an

Der nationale Flughafen „N.M. Karamzin“ soll nach seiner Modernisierung in die internationale Kategorie aufsteigen. Geplant sind neben den bestehenden Inlandsstrecken internationale Verbindungen nach München, Prag, Istanbul und Peking. Für die Strecke Uljanowsk – München sollen sich dem Vernehmen nach zwei Fluggesellschaften interessieren.

Vizegouverneur Smekalin wies unter anderem darauf hin, dass Deutschland für Uljanowsk kultureller, sozialer und wirtschaftlicher Partner Nr. 1 im Ausland sei. Daran wolle er festhalten. Deutsche Unternehmen wie Schaeffler, Henkel, Fresenius, Jockey Plastik und DMG Mori Seiki (ehemals Gildemeister AG) haben sich in Uljanowsk niedergelassen. Das Werk von Schaeffler Manufacturing Rus, in dem Kupplungen und Teile für Schaltgetriebe für den Straßen- und Schienenfahrzeugbau hergestellt werden, konnte sogar um zwei Monate vorfristig eröffnet werden.

Deutsche Werkzeugmaschinen „Made in Ulyanovsk“

Die Ulyanovsk Machine Tools OOO (DMG Mori Seiki) wird nach Angaben des frisch gekürten Generaldirektors Alexey Antipin im Juni 2015 die erste vor Ort montierte Werkzeugmaschine ausliefern. Weitere 32 werden kurz darauf folgen. Die offizielle Werkseröffnung findet im September 2015 statt. Nach Unternehmensangaben wurden in der Zeit von 2011 bis 2015 insgesamt 100 Mio. Euro in das Werk investiert. Laut Antipin sollen die Maschinentypen ecoTurn 310, ecoMill 635 und ecoMill 1035 in Serie gehen.

Wie fast alle ausländischen OEM verspürt DMG Mori Schwierigkeiten, geeignete Zulieferer in Russland zu finden. Bislang habe das Unternehmen zwei Hersteller von Kabinen für seine Werkzeugmaschinen vertraglich binden können. „Derzeit beträgt unser Lokalisierungsgrad etwa 25%. Bis 2018 wollen wir bei 59% liegen“, so Antipin auf Anfrage von Germany Trade & Invest. Mit dem Standort Uljanowsk, speziell mit der Regionalverwaltung und dem Industriepark Zawolschije, hat DMG sehr gute Erfahrungen gemacht, wie Antipin ausdrücklich unterstrich.

Deutsche Firmen erhalten vielfältige Unterstützung

Als erste Anlaufpunkte für deutsche Unternehmen stehen das Amt des Gouverneurs der Region Uljanowsk, das regionale Ministerium für Investitionen und Auswärtige Beziehungen sowie die regionale Entwicklungsgesellschaft zur Verfügung. Die Gesellschaft erfüllt im Wesentlichen drei Aufgaben: Sie bewirbt den Standort Uljanowsk weltweit, sie entwickelt Industrieparks und sie begleitet Investoren auf allen Etappen der Projektimplementierung.

Bei der Geschäftspartner- und Kundensuche vor Ort können deutschen Firmen auch die Gesellschaft zur Entwicklung des Unternehmertums in der Region Uljanowsk und die IHK Uljanowsk hilfreich beiseite stehen. Wichtigste Anlaufstelle in der Hauptstadt Moskau ist die Deutsch-Russische Auslandshandelskammer (AHK Moskau).