Ukrainischer Telefonterror nach Metro-Anschlag

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Nach dem Sprengstoffanschlag, den am Montag 14 Menschen in der St. Petersburger Metro mit ihrem Leben bezahlten, stehen die Telefone bei den Sicherheitsbehörden nicht mehr still. Auffällig viele Fehlalarme gingen aus der Ukraine ein.

Täglich klingele bei den russischen Sicherheitsbehörden das Telefon dutzende Male wegen neuen Meldungen zu versteckten Sprengsätzen. Ungewöhnlich seien solche Anrufe nicht, dies sei eine relativ normale Begleiterscheinung nach einem Anschlag, schreibt der ‚Kommersant‘. Die Bevölkerung reagiere äußerst sensibel, das sei ein typisches psychologisches Phänomen. Weiter schreibt die als durchaus seriös einzustufende russische Tageszeitung, dass derzeit auffällig viele Anrufe aus der Ukraine eingingen.

Natürlich stehe die ‚wissentlich falsche Androhung eines Terroranschlags‘ auch in Russland unter Strafe. Wenn die Anrufer aus Russland anriefen, könnten sie in der Regel leicht lokalisiert und zur Rechenschaft gezogen werden. Das ginge recht schnell. Das Strafmaß könne dabei auf bis zu fünf Jahre Haft oder psychische Behandlung festgesetzt werden, heißt es im ‚Kommersant‘ mit Berufung auf ein Gespräch mit einem Sprecher der russischen Polizei.

Die stehe nun allerdings vor einem weiteren Problem – die Anrufe werden verstärkt von der Ukraine aus geführt. „Wir stellen die Nummern und sogar die Anrufer fest, aber wir können ihre Aktivitäten nicht unterbinden, da sich die Rechtsschutzorgane der Ukraine in letzter Zeit einfach weigern, Anfragen die aus Russland kommen, zu bearbeiten“, beklagte der Polizeisprecher das Dilemma. Im Klartext bedeute dies, dass sämtliche Leitungen der untereinander vernetzten russischen Behörden ungeahndet überlastet werden können, solange sie aus der Ukraine angerufen würden. Dagegen unternehmen könne man jedoch vorerst nichts, heißt es.

[mb/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.