Ukrainischer Spitzenfunktionär läuft zu Rebellen über

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Alexander Kolomiez, General und ehemaliger stellvertretender Ukrainischer Verteidigungsminister ist zu den Aufständischen im Donbass übergelaufen. Diese Meldung wird sowohl von Rebellen- wie von regierungsnahen Quellen bestätigt.

Weitere Überläufer und Flucht der Familie

Mit ihm soll eine Reihe von Offizieren die Seiten gewechselt haben. Er berichtete von einem sinkenden Kampfeswillen der Regierungstruppen und von weiteren Offizieren, die überlaufen wollten. Auch regierungstreue ukrainische Medien melden diese Behauptung, stellen sie aber natürlich in Zweifel und bezeichnen Kolomiez als „Verräter“. Kolomiez war bereits früher knapp 20 Jahre auf einem leitenden Militärposten im Donbass tätig. Auch seine Familie sei aus Angst vor Repressalien der Behörden aus Kiew geflohen. Während die Meldung vom Seitenwechsel in Russland und der Ukraine Schlagzeilen machte, schweigen sich die großen Medien im deutschen Sprachraum darüber aus.

Weitere Anzeichen für schlechte Kampfmoral der normalen Regierungstruppen

Für eine schlechte Kampfmoral der Regierungsseite spricht jedoch auch die kürzliche Meldung von mittlerweile 10.000 Deserteuren auf Regierungsseite gemäß des eigenen Generalstabs sowie die Tatsache, dass von Poroschenko groß angekündigte Rekrutierungsaktionen wohl recht im Sande verlaufen, da viele junge Männer der Einberufung entgehen. Die Hauptkampflast wird bei den Kiewern vor allem von Freiwilligenbatallionen getragen, die wegen ihrer häufig rechtsextremen Gesinnung unter harter Kritik stehen. Insbesondere in den süd- und ostukrainischen Gebieten, die mehrheitlich russischsprachig sind, gibt es auch zahlreiche Sympathisanten der Rebellen und die vormaligen Anhänger der Einigkeit der Ukraine seien im Donbass „desillusionisiert“, wie es der Kiewer Journalist Dmitry Filimonow ausdrückte.

Mehrheit für Westkurs in West- und Zentralukraine – aber für Krieg?

Wie hoch der Anteil der Rebellenanhänger in der Bevölkerung der Regierungsgebiete ist, ist zwischen russischen und westlichen Medien hoch umstritten. Zweifelsfrei sind in der West- und Zentralukraine die Anhänger der Regierung und ihres Westkurses in einer deutlichen Mehrheit, die nach Osten zu immer dünner wird – oder schwindet, wenn man der anderen Seite glauben will. Doch nicht jeder, der eine Westorientierung wünscht, will offenbar auch einen Krieg hierfür in Kauf nehmen. Gegen die Kriegsanstrengungen an sich stellt sich auf ukrainischen Seite aktuell nach einer Meldung der Onlinezeitung Politnavigator eine neue linke Opposition, die sich aus den Überresten der Kommunisten und weiterer linker Parteien bildet. Sie veranstaltete in Kiew heute eine Kundgebung. Die Kommunisten kämpfen aktuell mit einem Verbotsverfahren gegen sich und das Bündnis mit anderen Linken wird als Gegenstrategie gesehen.

Kämpfe und angespannte Lage im Donbass

Die allgemeine Situation im Donbass bezeichnet die Onlinezeitung Tajmer aus Odessa als angespannt. Acht Häuser und Industrieanlagen in Donezk seien heute durch Artilleriebeschuss der Regierungstruppen beschädtigt worden. Auch bei Awdejewka und Marinka, beides Frontorte, die von Regierungstruppen gehalten werden, berichtet die Zeitung von Kämpfen. Aus Awedejewka meldet Tajmer Artilleriefeuer von Regierungstruppen, unweit von Mariupol bei Schirokino von Rebelleneinheiten. Diese werden auch von der Mariupoler Onlinezeitung Mariupol Schisn bestätigt, die von vier Verwundeten der Regierungsmiliz Asow spricht. Tajmer verfügt über zahlreiche Kontakte ins Kampfgebiet und meldet Verstöße gegen den Waffenstillstand durch beide Seiten – eine Seltenheit in der heutigen Presselandschaft, nicht nur in der Ukraine. Sie war als unliebsamer Zeuge bereits Ziel von Repressalien der Euromaidan-Regierung. Unisono melden auch mehrere Onlineizeitungen vor Ort wachsende Probleme beim Überschreiten der Demarkationslinie zwischen Regierungs- und Rebellengebiet. russland.RU wird die Situation vor Ort weiter im Auge behalten.

Roland Bathon, russland.RU