Ukrainische Nationalisten verhindern Aufführung von Anna Karenina auf Russisch

Anna Karenina final call Bild Anna Plisetskay CC BY-SA 3.0

In einer Stadt in der Westukraine haben ukrainische Nationalisten die Aufführung eines Stückes, das auf Tolstois berühmten Roman Anna Karenina basiert, verhindert.

Unter dem Druck der „Aktivisten“ weigerte sich der Regisseur einen zuvor vereinbarten Vertrag mit einem Schauspieler zu unterzeichnen. Der Schauspieler Borisjuk kritisierte diese Entscheidung und wies darauf hin, dass es dafür keine gesetzliche Grundlage gebe. „Es gibt kein Verbot, russischsprachige Stücke zu spielen, und es gibt keine Anweisung, dass die Schauspieler nur Ukrainisch sprechen müssen“, sagte er.

Die Schauspielerin Olga Sumskaya, die Anna Karenina spielt, sagte: „Sie verbieten Leo Tolstois Arbeit in der Originalsprache, aber diese Arbeit ist Teil des akademischen ausländischen Literaturprogramms.“

Am 6. Juni hat der ukrainische Präsident Pjotr ​​Poroschenko einen Gesetzentwurf unterzeichnet, in dem die nationalen Fernseh- und Radiostationen des Landes verpflichtet werden, mindestens 75% der Sendungen auf Ukrainisch auszustrahlen.

Die Quoten für Radio und Fernsehen wurden durch die Gesetzgebung festgelegt, während jedoch die Entscheidung des Regisseurs auf dem Druck der Radikalen basiert. Der Vorfall könnte zu einem Präzedenzfall werden und andere Theater in den ukrainischen Städten, auch in Kiew, wo die meisten Aufführungen in russischer Sprache sind, könnten unter Druck geraten.

[hmw/russland.NEWS].

Über den Autor

Hanns-Martin Wietek
Arbeitet als freier Publizist für russische Literatur und Geschichte für verschiedene Medien. Literaturkritiker für buechervielfrass.de und russland.RU. Seit 2003 bei russland.RU zuständig für Kunst und Kultur und stellt russische Künstler vor.