Ukrainische Armee bibbert im Donbass

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Eisige Kälte macht Südosteuropa derzeit schwer zu schaffen. An der Schwarzmeerküste schneit es und im Osten der Ukraine herrschen Temperaturen von bis zu Minus 20 Grad Celsius. Diese Kälte setzt der ukrainischen Armee im Kampfgebiet des von prorussischen Separatisten gehaltenen Donbass nun gehörig zu.

Zwei Militärangehörige hätten offensichtlich bereits den eisigen Tod gefunden, sie seien schlichtweg erfroren, lauten bisher boch unbestätigte Meldungen. „Seit dem Kälteeinbruch wird die ukrainische Armee mit Massenerkrankungen ihrer Soldaten in der Zone der sogenannten Anti-Terror-Operation konfrontiert“, so heißt es aus dem Verteidigungsministerium. Soweit muss man in Kiew einräumen, dass die Temperaturen zur Zeit der größte Feind der Truppe ist.

„Allein im dritten Bataillon der 72. Brigade der ukrainischen Armee befinden sich 30 Prozent der Militärs in ärztlicher Behandlung, zwei der Militärangehörigen sind an Unterkühlung gestorben“, sagt Eduard Bassurin vom Donezker Verteidigungsministerium. Dies ginge aus, von den Separatisten abgefangenen, Gesprächen hervor. Zudem seien sämtliche örtlichen Krankenhäuser mit ukrainischen Soldaten überfüllt.

Auch die Versorgungslage scheint desolater zu sein, als bisher angenommen. Am meisten erschwere der Mangel an Medikamenten die stationäre Behandlung. Der ukrainische Präsident Pjotr Poroschenko kritisierte indes den Westen, in dem er ihm mangelnde Unterstützung unterstellte. „Für unsere Diplomatie wird es immer schwerer, Unterstützung zu finden“, ließ er aus Kiew verlauten.

In der Tat ziehen dunkle Wolken auf, für die ukrainische Regierung. Man fürchtet die anstehenden Wahlen innerhalb Europas und Politiker, die sich allmählich vom kriegerischen Kurs Kiews abkehren könnten. „Noch spricht Europa mit einer Stimme, aber es gibt bereits Staaten, in denen der russische Akzent zu stark vernehmbar ist“, klagte das Staatsoberhaupt. Vielleicht hätte Poroschenko damals im Jahr 2014 besser Weitsicht walten lassen, als er noch prahlte, die Ukraine brauche Waffen und keine Decken.

[mb/russland.RU]

 

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.