Ukraine: Relative Ruhe im Krisenherd

Verhaftungen, Konfrontationen, aber keine Kämpfe - Angst vor neuen Konflikten Anfang Mai

Nach einer Reihe von Tagen mit gewaltsamen Vorfällen in praktisch jeder Stadt kehrte heute in die meisten Gegenden der Ostukraine relative Ruhe ein.

Verhaftungen in Charkow – Spannungen in Odessa

Aus Charkow wurden dennoch Verhaftungen von Antimaidan-Oppositionellen und aus Odessa Konfrontationen von Antimaidan-Aktivsten mit Besetzern einer Euromaidaner-Straßensperre gemeldet. In Charkow wurde nach der örtlichen Onlinezeitung Nahnews unter anderem der regional bekannte Oppositionsfürer Juri Apuchtin von der Polizei festgesetzt, eine Berufungsverfahren des bereits in Haft befindlichen Oppositionsführers Dolgow verschoben.

Donbass: Angst vor neuen Unruhen im Mai

Selbst aus dem vom Antimaidan inzwischen weitgehend beherrschten Donbass, der sonst nie ruhigen Region bei Donezk und Lugansk, herrschte relative Ruhe. Bei Lugansk errichteten Antimaidaner eine neue Straßensperre schreibt die  Onlinezeitung Lugradar um den Nachschub der örtlich präsenten ukrainischen Armee zu erschweren. Angst vor Gewalt herrscht jedoch bereits wieder für Anfang Mai. Bereits am Maifeiertag wird es Demonstrationen geben, am 9. Mai folgt der Tag des Sieges im Zweiten Weltkrieg, ein Fest für die prorussische Fraktion, die der proukrainischen ein Dorn im Auge ist und deren Charakter die neue Regierung verändern will. So kann es von beiden Seiten – Anti- und Euromaidan – zu Provokationen kommen. Aus dem Raum Slawjansk werden von den Medien Militärbewegungen, jedoch keine bewaffneten Auseinandersetzungen gemeldet.

Westukraine: Siegesfeiern nicht gewünscht

In der Westukrainischen Stadt Lwiw zeichnet sich ein neuer Konflikt um diese Feier des Siegestages (9. Mai) ab. Während ein Gedenkmarsch bezüglich der SS-Division Galizien vor einigen Tagen trotz Kritik ermöglicht worden war, soll eine Demonstration zum Ende des Zweiten Weltkriegs nicht genehmigt werden, da man die Feiern über diesen Sieg vor Ort nicht möchte. Das berichtet die Kiewer Onlinezeitung Politnavigator. Hier steckt im völlig unterschiedlichen Geschichtsverständnis von West- und Ostukrainern ein neues Konfliktpotential, denn im Osten ist man auf den Sieg über Nazi-Deutschland nach wie vor stolz, während im Westen sich viele eher in der Tradition des damals auch gegen die Sowjets gerichteten ukrainischen National-Widerstands sehen. Teile desselben waren über weite Strecken des Zweiten Weltkriegs mit Hitler verbündet.

Relative Ruhe – Zeichen der Beschwichtigung?

Verglichen mit den letzten Tagen handelt es sich hier aber wirklich um relative Kleinigkeiten. Es scheint sich zu bewahrheiten, was sich bereits gestern abzeichnete: Nach dem Scheitern des militärischen Vorgehens im ukrainischen Südosten stellen die Euromaidan-Machthaber ihre Taktik auf eine Beschwichtigung um. Es zeigt sich dabei auch, dass auch die Gewalt des Antimaidan selbst zurück geht, wenn gegen ihn nicht offensiv bewaffnet vorgegangen wird.

Foto: Alexander Prochorow, Donezk, Creative Commons