Ukraine: Off duty für „Off duty“

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Die Krimiserie „Tatort“, ein Phänomen im deutschen TV-Dschungel, hat ein Problem. Im deutschsprachigen Raum, weil der Tatort-Kommisar Til Schweiger nun nicht gerade jedermanns Geschmack ist, und in der Ukraine, wo der Schweiger-Tatort im Kino hätte laufen sollen, wegen eines Gesetzesverstoßes.

Während sich Till Schweiger in der Tatort-Folge „Off duty“ hemmungslos in altgewohnter Manier durch 90 Minuten Sendezeit durchprügeln und -nuscheln darf, muss der wilde Til in der Ukraine draußen bleiben. Wie Sergej Neretin, der Vizechef der Staatlichen Kinoagentur beteuerte, lasse die Gesetzeslage der Ex-Sowjetrepublik ihm und seiner Behörde keine andere Wahl. Vermutlich hat der Schweiger-Tatort dann doch zu viele gute Haare an Russland gelassen. Das Kinogesetz der Ukraine verbietet nämlich Filme, in denen russische Staatsorgane freundlich erscheinen.

In „Tschiller: Off duty“ hilft ein Major des russischen Inlandsgeheimdienstes dem Hamburger „Tatort“-Team um Schauspieler Til Schweiger bei den Ermittlungen. Der Plot ist eh schnell erzählt, geht es doch bei Til Schweiger vielmehr um Action ala James Bond, so billig, als würde er von Rocky Balboa gespielt und zotigen Sprüchen, die man aber Gott sei Dank ohnehin nicht recht versteht, weil sie nur undeutlich dahin genuschelt sind. Und als roter Faden wirkt ein türkisch-russischer Menschenhändlerring mit heißer Spur nach Moskau dann auch eher flach als politisch brandaktuell.

„Das Gesetz spricht klar davon, dass wir den Film ungeachtet seiner Herkunft verbieten müssen“, kritisiert Sergej Neretin den Schweiger-Film. Per Gesetz sind in der Ukraine Filme untersagt, die russische Staatsorgane positiv darstellen, wenn sie nach dem 1. August 1991 gedreht wurden. Ebenso unterliegen alle russischen Produktionen seit 2014 der Zensur. Hintergrund hierfür sind die Rückkehr der Krim und die Unterstützung der Separatisten in der Ostukraine.

Den ukrainischen Cineasten bleibt dadurch einiges erspart. In Deutschland lief „Tschiller: Off Duty“ nicht wirklich erfolgreich in den Kinos. Nicht einmal 280.000 Besucher sollen den Schweiger-Film gesehen haben. Und in die Herzen der Tatort-Enthusiasten wird sich der schnoddrige Wahlkalifornier wohl auch nicht mehr spielen.

[mb/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.