Ukraine: Meinungsumfrage

[Von Dr. Christian Wipperfürth] 8. Mai hat das US-Meinungsforschungsinstitut „Pew“ die Ergebnisse einer Umfrage veröffentlicht, die Mitte April in der Ukraine durchgeführt wurde. (http://www.pewglobal.org/2014/05/08/despite-concerns-about-governance-ukrainians-want-to-remain-one-country/) Sie können die gesamte Studie auch hier herunterladen.

Es ist höchst umstritten, wie viel Unterstützung die „Föderalisten“ bzw. „Pro-russischen Separatisten“ in der Ostukraine haben. In der Untersuchung wurde einerseits deutlich, dass selbst im Osten der Ukraine nur eine Minderheit die Abspaltung einer Region von der Ukraine auch nur theoretisch in Erwägung zieht.

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Andererseits haben sich in den vergangenen drei Wochen nach dem Abschluss der Befragung die Fronten innerhalb der Ukraine erheblich verhärtet. Es ist viel Blut geflossen. Womöglich ist der Prozentsatz der Ostukrainer, die der Ukraine den Rücken zukehren wollen, erheblich angestiegen. Zudem wurde leider nicht nach der Haltung zu einer Föderalisierung der Ukraine gefragt.

In einer weiteren Frage wurde deutlich, dass die Mehrheit der Bevölkerung Russisch neben dem Ukrainischen als offizielle Sprache des Landes befürwortet.

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Seit der Staatsgründung 1991 war ausschließlich Ukrainisch Staatssprache des Landes. Im gesamten Bildungssektor wird nahezu ausschließlich auf Ukrainisch unterrichtet. Erst 2012 wurde ein Gesetz verabschiedet, das Regionen gestattet, neben dem Ukrainischen eine weitere Sprache für den offiziellen Verkehr zuzulassen. Dieser Schritt war von Protesten begleitet, die das politische Leben des Landes monatelang paralysierten. Es war und ist offensichtlich, dass ein erheblicher Teil der Bevölkerung eine – auch nur regionale – offizielle Zulassung einer weiteren Sprache ablehnt. Es handelt sich gleichwohl nur um eine Minderheit, wie auch Umfragen der vergangenen Jahre deutlich machten.

In weiteren Untersuchung wird deutlich, dass die gegenwärtige Kiewer Führung in der gesamten Ukraine auf überwiegendes Misstrauen stößt.

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Und auch hier gibt es eine ausgesprochene West-Ost-Spaltung des Landes: Im Westen überwiegt die Zustimmung, im Osten deutlich die Ablehnung.

Die Menschenrechtsbilanz der Regierung sieht die Bevölkerung noch kritischer.

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Es gibt weitere aufschlussreiche Untersuchungsergebnisse, die sich in der Studie finden lassen. Eine möchte ich noch kurz erwähnen: Die Abneigung gegenüber Russland ist in der Ukraine in den vergangenen Monaten und Jahren deutlich gewachsen. Dies war zu erwarten. (S. hierzu z.B. http://www.cwipperfuerth.de/2014/03/russland-die-ukraine-und-der-westen-weitere-verschaerfung-oder-rechtzeitige-umkehr) Bis in den vergangenen Winter hinein galt Russland in der Ukraine als bester Freund des Landes. Diese Ära ist zu Ende gegangen. Auf Dauer.

Ich lade Sie ein, sich auch zwei weitere meiner Beiträge über Umfragen des Pew-Instituts anzuschauen: http://www.cwipperfuerth.de/2013/09/das-weltweite-image-russlands/; http://www.cwipperfuerth.de/2013/07/weltpolitische-fragen-in-aktuellen-meinungsumfragen/

Über den Autor

Dr. Christian Wipperfürth
Arbeitet als Freier Publizist, Er hat zuvor für das Europäische Parlament bzw. den Deutschen Bundestag gearbeitet und Internationale Beziehungen an der Universität in St. Petersburg gelehrt.