Ukraine gibt zu, dass sie die „Bildbeweise“ nicht überprüft haben

Vor einigen Tagen wurden die Bilder angeblicher russischer Kämpfer in der Ukraine von der New York Times und US-Regierungsstellen als Beweise vorgelegt, das russische Special Forces in der Ostukraine kämpfen.

Wie schon der Spiegel schrieb, waren sie nicht das Papier wert auf dem sie gedruckt waren.

Die norwegische Zeitung Dagbladet analysierte die Bilder und kam zu einem niederschmetternden Ergebnis. russland.RU berichtete darüber.

Wie aber war der Weg dieser Bilder?

Ukrainischen Behörden glaubten, dass die Fotos beweisen, dass eine Gruppe bewaffneter prorussischer Männer eigentlich  zu den russischen Spezialeinheiten gehören. Die Bilder wurden der UNO und der OSZE in Wien letzte Woche übergeben.

In einer E-Mail aus der ukrainischen Botschaft in Oslo an Dagbladet, bestätigen die Behörden in Kiew, dass die Bilder als Beweis vorgelegt wurden, dass die russischen Streitkräfte im Osten der Ukraine operieren.

Wir liefern sie bei der OSZE ab und vertrauen darauf, dass sie herausfinden, was Sache ist

Die Fotos wurden der OSZE übergegeben, bestätigte der ständige Gesandte der Ukraine bei der Internationalen Organisationen in Wien, so die ukrainische Botschaft in Oslo.

Die OSZE hat nach der in Genf verhandelten Vereinbarung letzte Woche eine zentrale Rolle als Beobachter und Vermittler im Osten der Ukraine bekommen.

Weiter erklärte die Botschaft: „Wir sind nicht in der Lage, die Authentizität der Bilder zu überprüfen. Wir erwarten, dass die OSZE die Möglichkeiten hat dies zu tun und herausfinden kann, was richtig ist.“

Wer hat die Bilder aufgenommen?

Eines der Bilder, das das US-Außenministerium den US-Medien freigegeben haben soll, hat eine sehr schlechte Auflösung und zeigt angeblich einen bärtigen russischen Spezialsoldaten in Georgien im Jahr 2008. Dieses soll der gleiche bärtige Mann sein, der auf den Bildern aus  Slawjansk und Kramatorsk in diesem Jahr zu sehen ist.

Dagbladet hat die gleichen Bilder in hoher Auflösung gefunden. Sie zeigen, dass die Ähnlichkeit nicht besonders groß ist.

„Wir wissen auch nicht, welche Quellen Dagbladet für diese Bilder hat. Vor allem nicht die mit dem Mann mit dem Bart. Wie können Sie sicher sein, dass Sie Bilder von dem gleichen Mann bekommen oder aufgenommen haben, die sie nun vergleichen“; fragten die ukrainischen Behörden in der E-Mail.

Umfangreiche Suche

Der Ausgangspunkt für die Dagbladet Recherche sind analytische Tools, die ähnliche Bilder im Internet suchen können, sowie eine umfassende Überprüfung der renommierten internationalen Bildagenturen NTB Scanpix, Reuters, AP und AFP. Diese haben in der letzten Zeit mehrere tausend Bilder von den Ereignissen in der Ukraine erst vor kurzem geliefert.

Die Recherchen zeigen, dass die angeblichen Fotos aus Georgien im Jahr 2008 seit vielen Jahren auf verschiedenen Websites liegen, während der bärtige Mann in der Ukraine durch eine Reihe von seriösen Nachrichtenfotografen in den letzten Wochen fotografiert wurde. Es ist derselbe Mann, in den gleichen Situationen zu gleichen Zeiten und Orten, wie die Fotos die die ukrainischen Behörden übergeben haben.

Ein weiteres Foto zeigt die geheimnisvolle Truppe posierend für ein Gruppenbild – angeblich von einem russischen Aufklärungsteam in Russland gemacht, bevor sie in die Ukraine gingen. Aber in Wirklichkeit ist das Bild außerhalb der besetzten Polizeistation in Slawjansk am 12. April aufgenommen worden. Das kann man an dem Kopfsteinpflaster und den Bäumen im Hintergrund erkennen, die genau den Bildern entsprechen, die  von Fotografen der Nachrichtenagentur AP gemacht wurden.

Eine graue Platte auf dem Boden ist auf beiden Bilderserien zu sehen. Identische Kleidung, Kopfbedeckungen und temporäre Merkmale wie Flecken und Ausrüstung machen es schwer zu glauben, dass die Bilder in verschiedenen Ländern zu unterschiedlichen Zeiten aufgenommen wurden. Darüber hinaus gibt es keine Internet-Treffer für ein Teamfoto, bevor sich die Gruppe vor der Polizeiwache in Slawjansk 12. April fotografieren ließ.

Glaube an die norwegische Hilfe

Ukrainische Behörden vertrauen darauf, dass die OSZE die Wahrheit herausfindet.

„Die OSZE hat alle Möglichkeiten, dies herauszufinden. Gerade angesichts der laufenden Aktivitäten der OSZE-Beobachter in der Ukraine mit über 100 Personen, von denen einige Norweger sind,“ schreibt die ukrainische Botschaft in ihrem E-Mail.

„Die ukrainische Seite wird  weiterhin nach Beweisen suchen, die der Welt beweisen, wie Russland in den Unruhen und Destabilisierung im Osten der Ukraine beteiligt ist, wie es schon auf der Krim war. Dies hat auch Putin zugegeben“ so abschließend die Mail der ukrainischen Botschaft in Oslo.

Mit diesen Fotos ist die ukrainische Seite jedenfalls nicht weitergekommen.

Mit der ungeprüften Weitergabe und Veröffentlichung der Bilder hat die OSZE ihrem neutralen Status einen schweren Schaden zugefügt.