Typisch Russland: Russisch Roulette mit Wein

Russland ist ein hartes Pflaster. Die seltene, aber wachsende Spezies der hiesigen Weinliebhaber kann davon ein Liedchen singen. „Das mit den Weinstöcken verzeihe ich Gorbi nie“, geht die erste Strophe des Vino-Blues, wenn mein Mann (ein durchaus patriotisch gesinnter Russe) zu einem netten Diner daheim wieder mal eine Flasche Weiß verkostet, sie aber beim besten Willen nicht goutieren kann.

Zur Einstimmung auf die x-te Tirade über die vermaledeite sowjetische Anti-Alkoholkampagne, als in den 80ern alle Weinbauflächen gerodet wurden, nippe ich resigniert an meinem Glas. Dass wir jetzt statt erlesenen Krim-Weinen angeblich aus Instant-Pulver zusammengebrauten, mit je nach Bedarf italienisch, französisch oder spanisch klingenden Namen versehenen Fusel zu unverschämten Preisen trinken, haben wir auch heute Abend „eurem Liebling“ zu verdanken.

Ich starre lethargisch auf die 15-Euro-Bouteille und summe still die zweite Strophe vor mich hin. Sie handelt sehnsüchtig vom Weinland Österreich. Als es zum dritten Mal statt „Auf die Liebe!“ mit aufmunterndem Augenzwinkern „Auf Gorbatschow!“ heißt, kann ich es beim ausgeprägten Säurespiel im Abgang locker mit Santa Cristina Medoc Reserve aufnehmen.

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