Turn-EM: Dreimal russisches Gold [mit Fotos]

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[Stefan Wurzer / Roland Bathon] Die Heldin der diesjährigen Turn-Europameisterschaften in Rumänien heißt Angelina Melnikova. Mit ihrer Goldmedaille im Bodenturnen brachte sie dem russischen Damen-Team doch noch den Erfolg, um den man vorher lange zittern musste. Bei den Herren gab es gleich zweimal Gold für Artur Dalaloyan aus Moskau am Sprung und David Beyavskiy aus Jekaterinburg am Seitpferd.

Elena Eremina, hier beim Bodenturnen, wurde zweite am Stufenbarren

Russland: Herren erfolgreicher – Damen mit jungem Team

Die russische Entwicklung der letzten Jahre, nach der die Damen meist international im Turnen etwas erfolgreicher waren als die Herren, wollte sich am Wochenende im rumänischen Cluj-Napoca nicht einstellen. Man merkte, dass frühere Leistungsträgerinnen wie Aliya Mustafina oder Viktoria Komova nicht mehr mit von der Partie waren und bei den Damen ein echtes Nachwuchsteam am Start. Während die Herren häufiger auf Medaillenrängen landeten (so auch Lankin auf Silber auf dem Boden und Nagorny aus Rostow am Don auf Bronze am Barren), lief es bei den Damen dieses Mal nicht so gut, bis die gerade erst 15jährige Petersburgerin Elena Eremina für eine Silbermedaille am Stufenbarren sorgte.

Auch im Mehrkampf holte sie nur einen für sie enttäuschenden vierten Rang – ebenso wie die Sprung-Spezialistin Maria Paseka wegen einer etwas verkorksten Beinhaltung. Sie ist mit 21 Jahren die einzige Erfahrene im Damen-Team. Hier sind die Turnerinnen aus Russland gerade auf Europaebene mehr Erfolg gewöhnt, wo immerhin die mächtige Konkurrenz aus den USA und China nicht mit am Start ist. Am zweiten Finaltag gab es dann doch nicht die ersehnte Goldmedaille auch für die Frauen durch Angelina Melnikova (16) aus Woronesch, die auch so etwas wie der Online-Star der Damenmannschaft mit riesigen Mengen von Followern auf Instagramm oder VK.com, dem russischen Facebook und einer Reihe von Fangruppen ist.

Erfolge für deutschsprachige Turner

Erfolge konnten in Rumänien auch wieder Turnerinnen und Turner aus deutschsprachigen Ländern feiern. Lukas Dauser (Deutschland) holte Silber am Barren hinter dem Ukrainer Vernyayev,  Elisabeth Seitz (Deutschland) Bronze am Stufenbarren direkt hinter Eremina und die beiden Schweizer Brägger und Hegi erreichten einen Doppelerfolg am Reck vor dem Russen Belyavsiy. Mit drei Gold-, drei Silber- und zwei Bronzemedaillen führte Russland am Ende den Medaillenspiegel an.  Die wirklich großer Herausforderung für die russische Mannschaft in diesem Jahr kommt jedoch erst im Oktober, wenn in Montreal in Kanada die Weltmeisterschaft startet, wo man auf die Konkurrenz aus China, Japan und vor allem den USA trifft.

Am Ende noch einige Fotos vom letzten Finaltag – weitere Fotos vom Wettkampf in unserem bisherigen Artikeln im Sportteil.

 

Audrucksstärke ein ein dickes Plus bei Melnikova

Über den Autor

Roland Bathon
Geboren 1970 in Franken und dort seitdem wohnhaft, aber regelmäßig in Russland und mit familiären Banden dorthin. Zum Thema Russland bin ich ursprünglich über meine allgemeine Osteuropa- und Reiseleidenschaft in den 90er Jahren gekommen und habe in den folgenden Jahrzehnten das Land ausgiebig individual kennengelernt. Später habe ich auch mehrere Bücher über Russlandreisen und andere Russlandthemen mit verfasst, bis es mich Mitte des letzten Jahrzehnts mehr und mehr in die Richtung Film, vor allem den Schnitt verschlagen hat. Bei russland.RU seit 2007 zuständig zunächst für den Aufbau und bis heute die inhaltliche Schwerpunktsetzung von russland.TV. Bei Eigenproduktionen meist zuständig für den Schnitt und eine Art Schaltzentrale für viele wichtige Mitarbeiter und Kontakte.