Türkei: Sanktionen, Granaten und der Rest eines toten Piloten

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Noch ist unklar, was die Türkei bewogen haben mag, am vergangenen Dienstag ein russisches Militärflugzeug an der syrisch-türkischen Grenze abzuschießen. Dass der Zwischenfall ein gehöriges Nachspiel zur Folge haben wird, dürfte allerdings jedem klar gewesen sein. Dementsprechend scharf fallen jetzt die Reaktionen Russlands aus.

Zunächst einmal erklärte der Kreml-Pressesprecher Dmitri Peskow, warum der russische Präsident kolossal angefressen ist. Es sei ein absurdes Theater, welches der türkische Präsident veranstaltet. „Der Präsident ist mobilisiert, ist maximal mobilisiert, mobilisiert bis zu einer derartigen Stufe, wie es die Situation erfordert. Die Situation ist beispiellos, eine beispiellose Herausforderung Russlands. Und deshalb ist unsere Reaktion auch entsprechend“, wettert Peskow.

Wobei „mobilisiert“ sicherlich noch sehr höflich formuliert sein dürfte. Denn, im Grunde genommen ist er stinksauer, der russische Präsident, der Putin eben. Dann verkündete Peskow auch noch die vorübergehende Stillegung der Hot-Line zwischen Russland und der Türkei, die eigens zu dem Zweck geschaffen wurde, für einen Direktkontakt in gefährlichen Situationen zu informieren. Und das so etwas nie mehr vorkommen werde.

Der Zorn des russischen Bären ist geweckt

Das notwendige Flugabwehrsystem sei eingetroffen, disloziert und kampfbereit. Unterdessen hofft man in türkischen Regierungskreisen auf eine Entspannung der Situation durch persönliche Kontakte mit der russischen Führung. Da hat allerdings Ankara die Rechnung ohne Moskau gemacht, das nach wie vor auf eine offizielle Entschuldigung beharrt und deshalb vorerst jeden Kontakt mit der Türkei ablehnt.

Soweit zu kalten Schulter des russischen Präsidenten. So richtig kalt erwischen wird es sowie wieder nur alle anderen. Denn, der russische Präsident hat einen regelrechten Katalog von wirtschaftlichen Sanktionsmaßnahmen unterzeichnet. Und die beträfen nicht mehr, wie bisher kolportiert, nur türkische Lebensmittel, sondern sämtliche türkischen Waren – aller Art. Gesonderte Ausnahmen sollen schon in kurzer Zeit festgelegt werden.

Harte Sanktionen gegen die Türkei

Zudem dürfen Arbeitgeber ab dem 1. Januar 2016 keine türkische Bürger mehr als Mitarbeiter beschäftigen, die Türkei hat außerdem keinerlei organisatorische Rechtsprechung mehr in Russland. Darüber hinaus verbietet Russland Charter-Flugreisen zwischen Russland und der Türkei und russische Tourismusunternehmen werden angewiesen, keine Urlaubsreisen mehr in die Türkei zu veranstalten. Der visafreie Reiseverkehr ist ohnehin schon aufgehoben. Zurück bleibt die Frage: War die Türkei wirklich so naiv zu glauben, der russische Bär ließe sich das bieten?

Ungeachtet dessen informierte der syrische Generalstab über die mittlerweile „sehr schwierige Situation“ an der syrisch-türkischen Grenze. Während die türkische Armee die Syrische mit Granatwerfern beschießt, sei die Grenze faktisch unkontrollierbar. Türkische Waffen flössen somit ungehindert nach Syrien und das Öl der Terrororganisationen dafür zu Dumpingpreisen in die Türkei.

Der Leichnam des abgeschossenen russischen Piloten, zumindest der Torso, der nach der bestialischen Leichenschändung durch turkmenische „Freiheitskämpfer“ noch übrig geblieben ist, wurde inzwischen der Türkei übergeben. Der türkische Premierminister teilte mit, dass der getötete Oleg Peschkow am Abend des 29. November an Russland überstellt wird. Daraufhin erfolge der Weitertransport nach Russland.

[mb/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.