Tschurkins Herz versagte

Foto: TV-Screenshot
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[Von Hartmut Hübner] – Einen Tag vor seinem 65.Geburtstag starb in New York der russische UNO-Botschafter Vitali Tschurkin. Der Diplomat befand sich am Montagmorgen in seinem Büro, als er sich gegen 9.30 Uhr Ortszeit plötzlich schwach fühlte.

Wie die Zeitung New York Post schreibt, war Tschurkin bereits ohne Besinnung, als wenige Minuten später der Rettungswagen eintraf. Der Notarzt begann sofort mit Wiederbelebungsmaßnahmen und der Patient wurde mit Notsignal in das New York-Presbyterian Hospital of Columbia and Cornell, das als das beste Krankenhaus in Groß New York gilt, gebracht, wo er verstarb. Nach Informationen des früheren Stellvertreters des UNO-Generalsekretärs, Sergej Ordshonikidse, war der unmittelbare Grund für Tschurkins Tod eine Herzinsuffizienz.

Die Anspannung war gewaltig, es war eine permanent schwere Arbeit. Der Mann befand sich ständig in Stresssituationen“, so Ordshonikidse, der Tschurkin viele Jahre gut aus der gemeinsamen Arbeit kannte. Auf der Facebook-Seite der Nowaja Gazeta schreibt Irina Voloshina ganz undiplomatisch: Sicherlich ist schwer, schwarz für weiß zu erklären und weiß für schwarz und sicherlich ist es schwer, wenn einem ins Gesicht gelacht wird. Denn er war auf keinen Fall ein Dummkopf.“

Präsident Putins Pressesprecher Dmitrij Peskow sagte: „Putin würdigte den Professionalismus und das diplomatische Talent von Tschurkin.“

Der Vorsitzende des Komitees für internationale Angelegenheiten des Föderationsrates der DUMA, Konstantin Kossatschow erklärte, Tschurkin „war in den letzten Jahren ohne Übertreibung an der Frontlinie ganz vorn, nahm auf sich die Schläge, die Russland galten.“ er habe sich immer gewundert, wie Tschurkin angesichts dessen immer Selbstbeherrschung und Geduld zeigte. „jetzt weiß ich, „dass dies über seine Seele und sein Herz ging.“

Das Mitglied des Duma-Ausschusses für internationale Angelegenheiten, Sergej Sheleznyak sagte, Tschurkin sei immer ausgeglichen gewesen, habe die Positionen Russlands in der UNO mit ganzer Kraft verteidigt.

Er wies darauf hin, dass die diplomatische Mission Russlands Botschafter bei den Vereinten Nationen in den letzten Jahren besonders schwierig war, „da unser Land seitens des Westens einer ständigen Flut ungerechtfertigter Beschuldigungen ausgesetzt war, gegen Russland eingeführt Sanktionen erlassen und der Informationskrieg erklärt wurden“.

Ordshonikidse bescheinigte dem Verstorbenen, „ein guter Polemiker“ gewesen zu sein, und das sei nun mal in der UNO notwendig. Trotz vieler gegensätzlicher Positionen, wurde Tschurkin auch von Diplomaten von gegen Russland eingestellten Staaten für seinen Arbeitseifer, seinen Scharfsinn, den diplomatischen Takt und seine positiven menschlichen Eigenschaften geachtet.“

„Ich bin schockiert von der Nachricht über den plötzlichen Tod des Russischen Vertreters bei der UNO, Witali Tschurkin. Mein tiefes Beileid gilt seiner Familie“, schrieb der Außenminister der Slowakei, Miroslav Leicak in Twitter.

Der ständige Vertreter Großbritanniens bei den Vereinten Nationen, Matthew Rycroft, nannte Tschurkin einen „Giganten der Diplomatie“; „Ich war völlig am Boden zerstört, als ich hörte, dass mein Freund und Kollege Witali Tschurkin gestorben ist. Er war großartiger Diplomat und ein Mann mit einem wunderbaren Charakter. Ruhe in Frieden!“

Der Ständige Vertreter Frankreichs bei den Vereinten Nationen François Delattre erklärte, dass Witaly Tschurkin „der herausragende Vertreter der Russischen Föderation bei der UNO“ war. Unsere Arbeit war, trotz Differenzen, geprägt von gegenseitiger Wertschätzung und persönliche Freundschaft. „Witali Tschurkin war einer der begabtesten Diplomaten, die ich je getroffen habe“, heißt es in einer Erklärung des französischen UN-Botschafters.

Die ehemalige Ständige Vertreterin der USA bei den Vereinten Nationen, Samantha Power, nannte den Verstorbenen einen „Maestro in der Diplomatie“.

Er habe stets ein Bestes getan zur Überwindung von Meinungsverschiedenheiten zwischen den USA und der Russischen Föderation. Die Ständige Vertreter der USA bei den Vereinten Nationen in den Jahren 2009-2013, Susan Rice, schrieb auf Twitter: „Vitali war für die Vereinten Nationen enorme Kraft. Intelligent, zielstrebig, höchst effektiv. Er war ein gefährlicher Gegner, aber wir sind immer Freunde geblieben»

Die Aufgaben des ständigen Vertreters der Russischen Föderation bei der UNO wird nach dem plötzlichen Tod von Witali Tschurkin wird vorübergehend sein Erster Stellvertreter wahrnehmen, jedoch wird für diese Position wahrscheinlich jemand aus Moskau entsandt, meint Sergej Ordzhonikidze.

[Hartmut Hübner/russland.NEWS]

Über den Autor

Hartmut Hübner
Gelernter und sogar diplomierter Journalist. Nachdem ich im Ergebnis einer Fahrt auf einem Riesenrad von meinem ursprünglichen Wunsch, Pilot zu werden, endgültig Abschied genommen hatte, beschloss ich als, „rasender Reporter“ aus der ganzen Welt zu berichten. Als „Mittagspausen-Notenkoch“ im Schulfunk und Volontär bei der Berliner Zeitung „Junge Welt“ begann meine journalistische Karriere, die sich nach dem Studium als Verantwortlicher für eine Zeitung im sächsischen Gesundheitswesen, Pressesprecher an der Leipziger Sporthochschule DHfK und Redakteur an der Leipziger Volkszeitung fortsetzte, bis ich mir einen Kindheitstraum erfüllte und ein freies Korrespondentenbüro in Moskau übernahm. Das war 1995 – und seither lässt mich Russland nicht mehr los.