Trump-Wahl: „The day after“

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DonkeyHotey CC BY 2.0 via Flickr.Foto: DonkeyHotey CC BY 2.0 via Flickr.
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[Von Michael Barth] – Die Vereinigten Staaten von Amerika haben einen neuen Präsidenten, Russland ist natürlich daran schuld und die Fast Food-Gastronomie erlebt einen neuen Aufwind. Ein Blick auf den Tag danach.

„And the winner is…“ Es ist amtlich, Donald Trump wird, sofern nichts Ernstes dazwischen kommt, als 45. Präsident der USA für die nächsten vier Jahre die Geschicke seines Landes lenken. Darüber hinaus besteht die vage Hoffnung, dass sich auch die Weltpolitik ein wenig mehr zum Guten wenden könnte. Zugegeben, hierbei ist der Wusch Vater des Gedanken, aber in der Regel versprechen Veränderungen meist auch Änderungen. Das begann bereits in der heißen Wahlkampfphase, schon lange vor der endgültigen Abstimmung.

Natürlich war es einmal wieder Russland, das den US-Präsidenten in den Amtssitz gehoben haben soll. Ein regelrechtes Gehacke (obacht Wortspiel!), hüben wie drüben, war ein gewichtiger Kernpunkt des Wahlkampfes und kaum dass die erste Email veröffentlicht wurde, stand bereits fest, dass derlei Manipulationen nur aus den düsteren, geheimnisumwobenen Mauern des Kreml stammen könnten. Zudem hatte sich der russische Präsident, oh wie töricht, zu der Aussage hinreißen lassen, dass er seine Hoffnungen auf eine Verbesserung der bilateralen Beziehungen beider Länder in einem Machtwechsel bei der westlichen Großmacht sähe.

Trump, indes nicht müßig einen Wladimir Putin über den Schellenkönig zu loben, goss mit seiner „Ist-mir-doch-egal“-Anerkennung der Krim stetig weiter Öl ins spekulative Feuer. Der Westen zeigte sich sichtlich irritiert. Irritiert von einem Mann, der als Ziel seiner Amtshandlungen nicht die endgültige Vernichtung des „Russischen Reiches“ proklamierte, sondern zuerst Amerika den Hosenboden stramm ziehen wolle. So mancher, um ehrlich zu sein eigentlich fast alle, Politiker aus dem Westen zeigte sich sichtlich brüskiert.

Bad boy oder good guy?

Gerade bei der Bundesregierung gewinnt man den Eindruck, Donald D. hätte ihr persönlich ins Gesicht geschlagen. Offenbar greift die Angst um sich, die USA könnten Europa nun vernachlässigen, ja gar fallen lassen. Und dann gab der stellvertretende russische Außenminister Sergej Rjabkow gegenüber der Nachrichtenagentur Interfax die Erklärung ab, es habe zum Team des republikanischen Kandidaten Kontakte gegeben. Die Westgeneräle sagen, sagt die österreichische Onlinezeitung „oe24.at“, der große Krieg sei nun unvermeidlich. Aber wer weiß, vielleicht ist hier ja auch nur der Wunsch Vater des Gedanken. Wie dem auch sei, für viele ist die heile Welt gehörig aus den Fugen.

Begeisterter Beifall in der Duma, lange Gesichter auf den Wahlpartys der US-Amerikanischen Vertretungen. Man weiß nicht so genau, ist die Suppe nun versalzen oder perfekt pikant abgeschmeckt? Was uns quasi nahtlos zu einem anderen Thema bringt. Trumps Wahlsieg reformiert nämlich auch den, nicht nur in Amerika en vogue gehandelten, Schnellimbiss. Der Branchenriese „Burger King“ beispielsweise führte pünktlich zum Ereignis einen Burger auf der Basis des bereits im Verkauf erhältlichen „Angry Burger“ in Russlands Filialen ein. Schließlich war es ein Thema der Wahlreden, Amerika wieder zu dem zu machen was es einmal war.

Ein pfiffiger Imbissbetreiber in Moskau hatte bereits schon zum US-Wahlkampf die brillante Idee, seine „Trump Roll“ in der obersten Etage eines Einkaufszentrums an die hungrige Masse zu bringen. Sein Rezept für die gerollten Sandwichtaschen ist so genial wie simpel. Man nehme einfach die Lieblingszutaten, die Donald Trump bei „Mc Donald!s“ für seinen Burger wählt. Igor Pantelejew, der Erfinder der „Trump Roll“, habe lediglich all die gastronomischen Leidenschaften des neuen US-Präsidenten vereint und daraus seinen Imbiss kreiert. Sogar das Fernsehen war gleich live vor Ort, als es die erste Verkostung gab.

Mit dem aktuellen Stand der Dinge wäre es der Größte für den Koch, wenn nun der amerikanische Präsident „seinen“ Imbiss in Pantelejews Laden leibhaftig in die gelb-orangene Sauce dippen würde. Bessere Papiere dürfte da zunächst allerdings Wladimir Putin haben, der seinen frisch gekürten Amtskollegen ebenfalls noch nicht persönlich getroffen hat. Vom Stil her sehen die Medien in beiden Staatsmänner eine gewisse Ähnlichkeit. Probleme lösen sie am ehesten hemdsärmelig von Mann zu Mann wie die „Süddeutsche Zeitung“ es ausdrückte. Wer weiß, vielleicht entwickelt sich hier am Ende sogar noch eine neue Männerfreundschaft.

[Michael Barth/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.