Tore ohne Ende – Premierliga startet fulminant in die neue Saison

Nach dem schwachen Auftritt in Brasilien wurde viel darüber gesprochen, wie schlecht der russische Fußball im Grunde genommen ist und wie man die Dinge bis zur Heim-WM 2018 irgendwie ins Lot bringen könnte. Am vergangenen Wochenende hat der erste Spieltag der neuen Premierliga-Saison gezeigt, dass es so schlimm gar nicht steht um die Sache mit dem runden Leder – 34Tore in acht Spielen und ein wahres Feuerwerk an Angriffsfußball! Das macht Hoffnung.

Es ging Freitag los mit einem äußerst sehenswerten 4:0 von Spartak Moskau bei Rubin Kasan. Das Spiel hätte gut und gern 4:4 ausgehen können, hätten die Kasaner ihre Chancen besser verwertet. Der muntere Kick machte Lust auf mehr, und am Samstag folgten tatsächlich drei weitere sehr resultative Begegnungen – Ural und Aufsteiger Mordowija trennten sich 2:3, Zenit schoss sich bei Arsenal Tula, einen weiteren Liganeuling, mit 4:0 warm für die Saison, und das Abendspiel wartete mit einem satten 4:1 zwischen ZSKA und Torpedo (dem dritten Debütanten der Premierliga) auf.

Am Sonntag wurde es dann richtig fulminant – Dynamo Moskau Rostow schenkten sich gegenseitig ordentlich ein und zauberten ein 7:3 auf den Platz. Das war fast Ligarekord, denn nur 1992 hatte es beim 8:3 von Asmaral gegen Zenit mehr Tore in einem Spiel gegeben. Am Abend wurde es dann allerdings moderat: Kuban und Ufa (Neuling Nummer vier im Fußball-Oberhaus) trennten sich 2:0 und nur Lokomotive und Krasnodar brachten trotz sehr ansehnlichen Spiels keinen Ball ins Tor. Den Abschluss machten Montagabend Terek und Amkar, das Spiel endete ebenfalls mit einem satten 4:0.

In den russischen Zeitungen wird jetzt spekuliert, was der Auslöser war für solch einen ungewöhnlichen Auftakt. Ein Argument ist die gute Saisonvorbereitung, die nach dem Wechsel zum westeuropäischen System Herbst-Frühjahr in die warme Jahreszeit fiel; dementsprechend fit sind auch die Plätze, die allesamt ein sattes, kompaktes Grün aufweisen.

Interessant wird diese Saison durch gleich vier Aufsteiger aus der Ersten Division, die sich zum größten Teil auf russische Spieler stützen. Nationaltrainer Fabio Capello, der inzwischen seine Arbeit wieder aufgenommen hat und trotz aller Kritik wohl im Amt bleibt, bekommt damit die Möglichkeit, viele neue Gesichter kennenzulernen und auszuprobieren. Die russische Nationalmannschaft braucht dringend frische Kräfte – auch das hat uns die brasilianische WM gelehrt.

[sb/russland.RU]

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