Theodor Bastard – ein Ausflug in die Anderswelt

Bandfoto: Wikipedia/Mikaella Speranskaya CC BY-SA 4.0 Wikimedia-OTRS

Und wieder einmal gibt sich eine russische Band die Ehre und schaut auf eine Stippvisite im Westen vorbei. „Theodor Bastard“ aus St. Petersburg entführen ihre Zuhörer auf eine Reise in eine fremde Welt aus längst vergangenen Tagen. Weltmusik der etwas anderen Art.

Wenn Sie sich fragen, welcher Sprache sich Jana Veva, die Sängerin der St. Petersburger Band „Theodor Bastard“, bedient, haben Sie eigentlich schon kapituliert. Es ist meistens ihre eigene. Von ihr erfunden, von ihr gesungen, von ihr perfektioniert. So in etwa muss es sich wohl anhören, wenn eine Schar nordischer Göttinnen mit den Tempelfrauen aus Bali über Küche, Herd und Kinder ratschen. Nordisch ist dann auch gleich die Brücke zum eigentlichen Thema.

Die von „Theodor Bastard“ gespielte, vielmehr inszenierte Musik wurde bereits vielfach versucht in ein klassifizierendes Korsett zu zwängen. Nichts von all dem traf den wirklichen Kern dieser eigenwilligen Stilrichtung. Dass der erste Eindruck gleich mit den ersten Tönen nach Norden tendierte, mag vielleicht an der St. Petersburger Herkunft der Band liegen. Jedoch, auch die weiteren Töne sponnen diesen Gedanken weiter und waren so weit weg von allen hilflosen Versuchen, Industrial Rock, Dark Wave, Noise oder gar Trip Hop hinein zu interpretieren. Der schreibende Zuhörer entschied sich der Einfachkeit halber für Psychedelic Melodic Pagan.

Wenn man so will, weht bei „Theodor Bastard“ auch ein Hauch von Weltmusik. Allerdings sind dies die Welten, die genau zwischen den Welten liegen. Der stämmige Klangteppich, den vier ungehobelte Kerle um Jana Vevas Stimme mit ihren Instrumenten weben, variiert zwischen einem Ritt mit dem Belzebub und Hostien aus den Händen von Engeln. Offenkundig wird die Realität ausgeblendet und die Sinne gleiten ab in mythologische Träume. Man gewinnt den Eindruck, Freund Thor habe Dschingis Khan, Walther von der Vogelweide und Ramses auf eine Handvoll magischer Pilze geladen, um mit seinen Kumpels über Gott und die Welt zu poltern.

Gegründet wurde „Theodor Bastard“ im Jahr 1996 und bestand eigentlich nur aus dem Gitarristen Alexander Starostin. Er änderte seinen Namen in Fedor Svolotsch, was übersetzt soviel wie Pack oder Gesindel bedeutet, und fand Mitstreiter für sein Projekt. Mittlerweile sind „Theodor Bastard“ eine feste Größe auf den großen Fantasy-, Gothic-, Folk- und Mittelalter-Festivals in ganz Europa. Alleine in Deutschland spielten sie auf dem inzwischen legendären „Wave-Gotik-Treffen“ in Leipzig sowie dem „Fusion Festival“ beim Müritzer See in Mecklenburg-Vorpommern. In den Niederlanden gaben sie sich die Ehre das „Castlefest“, das Mekka der LARP (Live Action Roll Player) -Szene, zu bespielen.

 

Wer nun neugierig geworden ist und gerne mit „Theodor Bastard“ auf Weltenreise gehen möchte, findet bei der anstehenden kleinen Tour durch Europa bestimmt eine Location in seiner Nähe:

09.03.2017 – Bar Loose, Helsinki, FIN +++ 10.03. – Ravintola Torvi, Lahti, FIN +++ 15.03. – Ballonfabrik, Augsburg, D +++ 16.03. – Yard Club, Köln, D +++ 17.03. – Belvédère Namur, Namur, B +++ 18.03. – Poppodium de Peppel, Zeist, NL +++ 19.03. – Hangar 49, Berlin, D

[mb/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.