Syrien: Russland will Grenze schließen und dementiert Gerüchte

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Russland will die türkisch-syrischen Grenze schließen, schließt aber den Einsatz von atomaren Waffen kategorisch aus. Die Luftangriffe gehen unterdessen unvermindert weiter. Wladimir Putin besteht zudem darauf, den Flugschreiber des abgeschossenen Kampfjets nur im Beisein von ausländischen Spezialisten zu öffnen.

Der Flugschreiber der unter dubiosen Umständen von der türkischen Luftwaffe abgeschossenen SU-24 wurde mittlerweile gefunden. Die Black-Box befindet sich inzwischen in russischem Gewahrsam und wird derzeit vorbereitet, um geöffnet zu werden. Diesbezüglich erhielt der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu eine entsprechende Weisung von Präsident Wladimir Putin. Laut dem russischen Premierminister Dimitri Medwedew wäre der Abschuss ein klarer Kriegsgrund gewesen.

„Auf alle Fälle müssen wir alle diejenigen einladen, die den Wunsch haben, an dieser Arbeit teilzunehmen“, so der russische Präsident. „Was den Flugschreiber betrifft, so werden wir uns diesen jetzt anschauen. Ich bitte darum ihn nur im Beisein von ausländischen Spezialisten zu öffnen und alles sehr gründlich aufzuzeichnen“. Mit der Auswertung der Aufzeichnungen müssen sich nun all diejenigen beschäftigen, die hieran ein Interesse haben. Man hört deutlich heraus, dass etwaige Gerüchte bereits im Keim erstickt werden sollen.

Kein Atomschlag gegen Terroristen

Ein anderes Gerücht, welches im Lauf des gestrigen Tages die Runde machte, wurde hingegen durch Russlands Außenminister Lawrow entkräftet. Er betonte, dass Russland keine Notwendigkeit sehe, im Kampf gegen den Terrorismus atomare Bewaffnung einzusetzen. Es ist vielmehr davon auszugehen, dass der jüngste Beschuss der Terrorzellen des Daesch auf syrischem Territorium durch ein im Mittelmeer stationiertes russisches U-Boot, derlei Vermutungen anheizte.

Erstmals wurden vom U-Boot „Rostow am Don“ aus Flügelraketen des Typs „Kalibr“ im Kampf gegen den Daesch, auf dessen Hochburg Rakkah, eingesetzt. Sowohl Präsident Putin, als auch das russische Verteidigungsministerium habe sich einem Bericht des britischen Magazins „Independent“ zufolge, zufrieden über das neue Waffensystem gezeigt. Es hätte signifikante Schaden angerichtet.

Genug Effizienz durch konventionelle Waffen

„Beide, die Kalibr Marschflugkörper und die Kh-101 Raketen zeigen generell sehr gute Ergebnisse. Wir sehen nun, dass es sich um neue, moderne und hoch effektive Präzisionswaffen handelt, die sowohl konventionell als auch mit speziellen Nuklear-Sprengköpfen eingesetzt werden können“, so der Präsident. Dazu Außenminister Lawrow: „Mit den Terroristen werden wir unter Nutzung der normalen Mittel fertig“. Er erinnerte daran, dass auch der russische Präsident bereits erklärt hatte, dass man im Kampf gegen den Terrorismus keine atomaren Waffen einsetzen werde. Der Einsatz konventioneller Waffen entspräche der russischen Militärdoktrin.

Russische Kampfflugzeuge haben in den vergangenen Stunden wieder einen Großangriff gegen Stellungen des sogenannten Islamischen Staates geflogen. Bei 82 Kampfeinsätzen, davon 32 in den Nachtstunden, wurden 204 Objekte der Terroristen bekämpft und vernichtet, heißt es laut dem offiziellen Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Generalmajor Konaschenkow. Ausgangspunkt für die Angriffe war die Luftwaffen-Basis in Chmeimim, auf der gegenwärtig 44 Flugzeuge und 16 Hubschrauber stationiert sind.

Die Vorsitzende des Föderationsrates Walentina Matwijenko erklärte zur gleichen Zeit, dass es notwendig sei, die syrisch-türkische Grenze zu schließen. Russland ist bereit der Türkei zu helfen, diesen Grenzabschnitt zu schließen, da es klar ist, dass die Türkei alleine dies nicht schaffen wird, sagte Matwijenko. Auch wurde von russischer Seite vorgeschlagen, dass die USA an diesem Vorhaben teilnehmen sollten. Über diesen Punkt hatten bereits der russische und der amerikanische Präsident, gemeinsam mit anderen internationalen Staatschefs, unlängst in Paris gesprochen.

Hintergrund dieser anberaumten Grenzschließung ist die Tatsache, dass offenbar gerade in diesem Abschnitt der Nachschub mit Kämpfern des Daesch und deren Technik abgewickelt werde. Zudem bezichtigt Russland die Türkei nach wie vor, illegal Öllieferungen aus den von Terroristen besetzten Förderstätten über diese Grenze zu beziehen.

[mb/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.