Symbolische Grundsteinlegung für die Zukunftswerkstatt in Minsk

Am 17. April 2011 wurde die Internationale Partnerschaftskonferenz „25 Jahre nach Tschernobyl“, zu der mehr als 400 Teilnehmer aus 12 europäischen Ländern angereist waren, auf dem Gelände der Internationalen Bildungs- und Begegnungsstätte (IBB) „Johannes Rau“ in Minsk eröffnet. Den feierlichen Rahmen bot die symbolische Grundsteinlegung zum Bau der Zukunftswerkstatt.

Die Zukunftswerkstatt

Vor 25 Jahren war die Katastrophe von Tschernobyl zentraler Ausgangspunkt für die deutschbelarussischen Beziehungen. Nach den aktuellen Ereignissen in Fukushima ist die Lehre daraus noch deutlicher geworden, auf erneuerbare Energien und Energieeffizienz zu bauen. Das Internationale Bildungs- und Begegnungswerk (IBB) in Dortmund und die Internationale Bildungs- und Begegnungsstätte „Johannes Rau“ in Minsk setzen mit dem Bau der Zukunftswerkstatt diese Lehre in die Tat um.

Mit der Realisierung wird das erste energieeffiziente Gebäude in Minsk gebaut. Es soll einerseits als Anschauungsobjekt dienen, wie energieeffiziente Materialien am Bau eingesetzt werden können, und andererseits als Bildungseinrichtung für Energieeffizienz und erneuerbare Energien fungieren. Die Geschichte von Tschernobyl, als Auslöser des Umdenkens und der Zusammenarbeit, wird innerhalb des Raumkonzeptes mit einem eigenen Ausstellungs- und Bildungsbereich bedacht.

Die symbolische Grundsteinlegung

Die Grundsteinlegung war symbolischen Charakters, denn mit dem Bau der Zukunftswerkstatt kann erst begonnen werden, wenn genügend Gelder akquiriert wurden. Peter Junge-Wentrup, Geschäftsführer des IBB in Dortmund, verlas während der Eröffnungsveranstaltung einen Brief an Minister Dr. Norbert Röttgen vom Ministerium für Natur, Umwelt und Reaktorsicherheit. Darin bittet das IBB um einmalige Unterstützung seitens des Ministeriums, um dieses wichtige Vorreiter-Projekt in Minsk realisieren zu können. Die Teilnehmer der Konferenz „25 Jahre nach Tschernobyl“ wurden gebeten, das Vorhaben Zukunftswerkstatt mit ihrer Unterschrift unter den Brief an Norbert Röttgen zu unterstützen. „Dieser symbolische Grundstein bleibt solange hier liegen bis wir das Geld für den Bau der Zukunftswerkstatt zusammen haben“, so das Versprechen von Peter Junge-Wentrup, das von zustimmendem Applaus der Konferenzteilnehmer begleitet wurde.

Die Enthüllung

Die Enthüllung des Grundsteins mit der Inschrift „25 Jahre nach Tschernobyl – Gemeinsam Zukunft gestalten – 17. April 2011“ wurde von Staatsminister a.D. Dr. Herbert Schnoor vorgenommen. Der mittlerweile 83 Jährige ist schon 1991 auf der Grundsteinlegung für den Bau des IBB „Johannes Rau“ in Minsk anwesend gewesen. Seine Rede am gestrigen Tag hielt er aber im Gegensatz zu damals auf Russisch, das er im Alter von 77 Jahren zu lernen begann. Neben ihm waren noch zahlreiche prominente Redner aus Politik und Wissenschaft zugegen, unter anderem der Botschafter Dr. Christof Weil, Markus Mildenberger vertrat Matthias Platzeck, Ministerpräsident des Landes Brandenburg sowie Leonid Schenez, Leiter des Departements für Energieeffizienz der Republik Belarus.

Das Umfeld

Das Wohnviertel Malinowka liegt ganz in der Nähe der entstehenden Zukunftswerkstatt. Dorthin wurden 1990 rund 5.000 Familien aus dem kontaminierten Sperrgebiet Tschernobyls umgesiedelt. Einen besseren Platz, um Menschen den Willen zu demonstrieren, ein Umdenken im Umgang mit Energie in Gang zu setzen, gibt es wohl kaum. Das Umfeld ist aber in einem noch größeren Kontext zu sehen. Das Ziel ist es, die Zukunftswerkstatt komplett über erneuerbare Energien zu betreiben und auf Basis von energieeffizienten Baustoffen und Systemen zu errichten. Dabei soll das Verständnis der Nachhaltigkeit des Gebäudes ebenso darauf beruhen, dass nicht vorrangig „westliche“ Produkte zum Einsatz kommen. Vielmehr soll der Bau als Beispiel dienen, dass auch mit Materialien, die in Belarus erhältlich sind, ein solches Bauvorhaben nicht nur technisch, sondern auch finanziell, umzusetzen ist.

„Mit der Zukunftswerkstatt entsteht eine neue Brücke der Kooperation, mit der wir an den zentralen Zukunftsfragen arbeiten – der Energieeffizienz und den erneuerbaren Energien. Von dieser Brücke profitieren Belarus und Deutschland in gleicher Weise und sie ist wichtig für zukünftige Generationen“, so Peter Junge-Wentrup, Geschäftsführer des IBB in Dortmund.