Stromausfall auf der Krim: Vorläufige Fakten

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Seit einem Anschlag, so vermutet man zumindest, kurz nach Mitternacht ist der Krim nahezu völlig der Strom abgedreht. Die Halbinsel im Schwarzen Meer bezog bislang fast all ihre Elektrizität aus der benachbarten Ukraine. Diese Zufuhr wurde heute Nacht im Gebiet Cherson unterbrochen. Die eigene Versorgung langt derzeit vorne und hinten noch nicht- fürs erste sind die Lichter aus.

Keinen Einfluss habe der Stromausfall auf den Betrieb der Schwarzmeer-Flotte, so hieß es vorerst. Auch verfüge der Flughafen Simferopol über seine eigene Energiequelle und habe keinerlei Beeinträchtigungen im geregelten Ablauf. Der Rest der Krim ist derweil auf die Stromnotversorgung übergegangen. 547 Diesel-Generatoren stünden bereit. Der vorhandene Kraftstoff reiche allerdings nur für etwa 30 Tage, so schätzt man.

Nachdem durch den ersten Vize-Premier der Republik Krim, Michail Scheremet, der Ausnahmezustand für die Region ausgerufen worden war, wurden umgehend Einsparungsmaßnahmen umgesetzt und ein vorläufiger Zeitplan für die Stromversorgung erstellt. Demnach stünden der Bevölkerung täglich drei mal drei Stunden Strom zur Verfügung. Ein detaillierter Notversorgungsplan soll noch heute im Lauf des Tages ausgearbeitet werden.

Die größten Stromverbraucher im öffentlichen Bereich sind bereits reguliert worden. So wurden in Sewastopol sofort die Oberleitungsbusse vom Netz genommen und die Straßenbeleuchtung abgeschaltet. Einen deutlicheren Betriebsausfall werden die Geschäftsleute und Gastronomiebetriebe der Halbinsel zu spüren bekommen. Deren Einrichtungen werden nach Einbruch der Dunkelheit wohl geschlossen bleiben. Ebenso wie die Kindergärten. Krankenhäuser und andere wichtige Einrichtungen versorgen sich indes autark.

Derzeit herrschen auf der Krim Temperaturen um die 20 Grad. Zudem läuft der vor einem Jahr abgeschlossene Energievertrag mit der Ukraine in sechs Wochen aus und die Region im Schwarzen Meer bezieht ab da den Strom aus Russland. Die Situation ist also vorerst zwar unbequem, aber noch lange nicht prekär.

[mb/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.