Steigende Kriminalität in Kiew [mit Video]

Waffengebrauch und Nazi-Patroullien - Enttäuschte Euromaidan-Anhänger

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Bereits seit dem Sieg des Euromaidan gibt es in Kiew Klagen über eine steigende Kriminalität. Das ist keine Propagandameldung aus russischen Zeitungen, sondern findet sich ganz real in der Presse der nicht regierungstreuen Ostukraine, wie der Charkower Onlinezeitung Oplot.

  • Dieser Artikel beruht ausschließlich auf ukrainischen Quellen aus der Onlinepresse, nicht auf russischen

So schreibt eine Kiewerin selbst, sie habe das Gefühl, die Polizei habe die Bürger mit den Kriminellen sich selbst überlassen. Man habe gerade in den Abendstunden Angst, nach draußen zu gehen. Das Geschäft bei ihr um die Ecke schließe nun deswegen auch zwei Stunden früher. Nach 21 Uhr seien auch Hartgesottene nicht mehr unterwegs. Sie habe auch selbst vor wenigen Tagen erlebt, dass auf offener Straße unweit der U-Bahnstation Lew Tolstoi jemand aus einer Pistole das Feuer eröffnet habe.

Bezüglich der Polizei beklagen die Kiewer Passivität. Unterwegs seien auch bewaffnete Neonazis auf der Suche nach Sympathisanten der Russen. Diese Angaben sind nicht zuletzt glaubwürdig, weil es bereits aus anderen ukrainischen Städten Videoaufnahmen solcher Patroullien gibt. Auch in Kiew lebt eine kleinere russischsprachige Minderheit. „Ich komme mir vor, wie im Chicago der Gangsterfilme“ sagte eine Kiewerin gegenüber Oplot aus.

Auch bei Anhängern des Euromaidan, in Kiew in der Mehrheit, wachse der Unmut über das anhaltende Chaos. Eine andere Unzufriedenheit der Euromaidan-Anhänger mit ihren Anführern rührt daher, dass sie nach Beginnd der Krim-Krise gegenüber Russland unzählige Drohungen und Ultimaten ausgestoßen hatten, jedoch auch dann untätig blieben, als die Krim nach Russland wechselte und die ukrainische Militärpräsenz auf der Halbinsel mehr oder weniger zusammen brach. Diese Schmach verletzte die nationalen Gefühle vieler Westukrainer und ihr Vertrauen zur eigenen Führerschaft. Hiervon dürften radikale Kräfte wie westukrainische Nationalisten profitieren, die auch mit der Waffe in der Hand in der Ostukraine präsent sind, während Teile der dortigen Polizei eher mit der prorussischen Opposition sympathisieren.

Passend zur eigenen Stimmung war offenbar ein Kiewer Amateurvideo, das einen Randalierer beim Steine werfen auf parkende Autos zeigt. Das Interessante am Film ist wohl, wie lange er damit ungehindert fortfahren kann, bis überhaupt etwas passiert. Es gehört nämlich aktuell zu den meistgeschauten Videos des osteuropäischen Internets.