Startabbruch: Neues Kosmodrom macht es spannend

Startabbruch: Neues Kosmodrom macht es spannend

[Lothar Deeg] Der erste Start einer Rakete vom neuen russischen Raumfahrtbahnhof Wostotschny wurde am Mittwoch kurz vor der Zündung der Triebwerke abgebrochen. Noch ist offen, ob der Start 24 Stunden später erneut versucht werden kann.

Es waren noch anderthalb Minuten – nach anderen Angaben zweieinhalb Minuten – bis zum Start, als der Countdown für den Start der Sojus 2.1a-Rakete in Wostotschny abgebrochen wurde. Es handelte sich um einen automatischen Abbruch der Startroutine „in Verbindung mit einem Fehler in der Funktion des automatischen Kontrollsystems“, erklärte später Igor Komarow, der Chef der russischen Raumfahrtagentur Roskosmos. Es hatte also niemand im Leitstand einen „Not aus“-Knopf gedrückt – sondern das System hat den Startmodus selbst nach dem Auftreten eines Problems deaktiviert.

Putin muss sich gedulden

Zeuge des nicht geglückten Starts wurde Präsident Wladimir Putin, der anlässlich der Inbetriebnahme des neuen Kosmodroms in die fernöstliche Amur-Region geflogen war. Den Bau der gigantischen Anlage etwa 180 Kilometer nördlich von Blagoweschtschenk war von zahlreichen Betrugs- und Korruptionsskandalen begleitet. Putin beschloss, zunächst in Wostotschny zu bleiben, bis klar ist, ob der Start am Reservetermin, dem morgigen Donnerstag, erneut versucht werden kann. An Bord der Rakete befinden sich drei Satelliten.

RIA Novosti berichtete unter Berufung auf eine Quelle in Raumfahrtkreisen, das nach vorläufigen Informationen der Start auf unbestimmte Zeit verschoben werde. Ein eindeutiges Indiz dafür sei aber erst, wenn beschlossen werde, den Treibstoff wieder aus der Rakete abzupumpen.

Positiv gesehen: Die Kontrollsysteme funktionieren

Ein Roskosmos-Sprecher gewann dem Startabbruch positive Seiten ab: Der Vorgang habe bewiesen, dass die Kontrollsysteme des neuen Kosmodroms bestens funktionieren würden: „Das ist sehr wichtig, denn das Kosmodrom Wostotschny befindet sich noch in der Erprobungsphase.“

Derartige Pannen seien in der Raumfahrt aber durchaus häufig, sagte er – „auch bei unseren Kollegen im Ausland, technologisch entwickelten Raumfahrtnationen, kommen solche Fälle vor.“ Und schließlich seien technische Geräte, geschweige denn Raketen, eben komplex. O-Ton Roskosmos: „Auch Bügeleisen gehen mal kaputt.“

[ld/russland.RU]

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