St. Petersburger Wirtschaftsforum wird heute eröffnet

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[Hartmut Hübner aus St. Petersburg] Heute beginnt in St. Petersburg das 20. Internationale Wirtschaftsforum. Waren in den vergangenen beiden Jahren die russischen Unternehmen nahezu unter sich und hielten vergeblich nach Investoren Ausschau, hat das Interesse der Geldgeber aus aller Welt an Russland, trotz aller Sanktionen, wieder deutlich zugenommen.

Es sind weniger die ersten Anzeichen einer Erholung der russischen Wirtschaft nach einer historisch langen Krise, als vielmehr die Neugier, was ihnen Präsident Wladimir Putin heute anzubieten hat. Sie wollen keine Versprechungen hören zu wirtschaftlicher Stabilität als vielmehr, ob Russland zu tatsächlichen Reformen bereit ist, ein tragfähiges Entwicklungsprogramm hat und endlich die Eigentumsrechte gewährleisten will.

In diesem Jahr haben sich zum Forum Vertreter von 500 ausländischen Unternehmen aus 60 Ländern (2015 – 319) und 600 russischen Unternehmen (2015 waren es 486) angesagt, wie Präsidentenberater Jurij Uschakow mitteilte. Etwa die Hälfte der ausländischen Unternehmen wird durch ihre Leiter vertreten sein. Das durch sie repräsentierte Investitionskapital umfasst zehn Milliarden US-Dollar, doppelt so viel wie im vergangenen Jahr.

Mit den 40 größten Anlegern aus 18 Ländern, darunter 20 neue – vor allem aus dem Nahen Osten und Asien –, wird Wladimir Putin auf dem Forum mögliche Projekte besprechen. Zu den Gästen des Forums gehören auch Investoren aus den USA und Europa. Mit Letzteren seien einige Abschlüsse vorbereitet, über die im Verlaufe der  Veranstaltung informiert werde, kündigte der Generaldirektor des Russischen Fonds für Direktinvestitionen, Kirill Dmitriew, an. Auch die Delegation des Ost-Ausschusses der deutschen Wirtschaft, geleitet vom Vorsitzenden Dr. Wolfgang Büchele wird Gespräche mit Vertretern von Staat und Wirtschaft führen, in denen es um die Verstärkung des deutschen Engagements in Russland gehen dürfte.

Laut Büchele ist das Interesse in der deutschen Wirtschaft am russischen Markt  unverändert hoch, ebenso wie die Hoffnung, dass die EU in den nächsten Wochen einen Einstieg in den Ausstieg aus den Sanktionen finden wird. Die Besuche von Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und dem italienischen Ministerpräsidenten Matteo Renzi auf dem Forum zeigen, dass die Sanktionsfront gegen Russland zerbröckelt.

Dass auch UNO-Sekretär nach Ban Ki-Moon nach St. Petersburg kommen will, wertet die Veranstaltung zweifellos weiter auf. Aber politische Symbolik ist das eine, für Russland werden nur die tatsächlichen Ergebnisse zählen.
(Hartmut Hübner/russland.news)