Sportgymnastik: Russin Kudrjawzewa wieder Weltmeisterin [mit Videos]

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Mit einem stimmungsvollen Mehrkampffinale vor 4800 begeisterten Zuschauern sind am gestrigen Freitag die Einzel-Wettkämpfe der Gymnastik-WM in Stuttgart zu Ende gegangen. Gold im Mehrkampf holte nach den Gerätefinals schon fast erwartungsgemäß die Moskauerin Jana Kudrjawzewa vor ihrer Mannschaftskameradin Margarita Mamun und der Weißrussin Militina Staniouta.

Mehrkampf-Krimi zwischen Kudrjawzewa und Mamun

Bis zum letzten Handgerät spielte sich an der Spitze des Feldes der 24 besten Gymnastinnen ein Wettkampf-Krimi ab: Nachdem sich Titelverteidigerin Yana Kudrjawzewa im zweiten Durchgang im Band verheddert hatte, lag sie bis zur letzten Übung zwei Zehntel hinter ihrer Landsfrau Margarita Mamun zurück. Die hielt jedoch dem Druck nicht stand und hatte einen Geräteverlust in ihrer Band-Kür, was die Tür für Kudryavtseva öffnete: Sie holte sich nach einer traumhaften Ballübung, für die sich die Tageshöchstnote von 19,116 Punkten erhielt, mit 75,632 Punkten Gold und bleibt damit seit 2013 ungeschlagene Mehrkampf-Weltmeisterin. „Die letzte Übung war sehr emotional für mich, denn jetzt ist meine WM vorbei“, berichtete die Siegerin. Die Silbermedaille holte Mamun (74,766): „Ich wusste nicht, dass ich in Führung war“, so Mamun, „ich wollte nur nochmal eine starke Übung turnen.“ Die Dritte Staniouta erreichte 72,13. Die 21-Jährige hatte bereits mit dem Ball Bronze gewonnen.

Für Kudryavtseva ist dies das fünfte WM-Gold (nach Ball, Band, Keulen, Team); Mamun hat insgesamt zweimal Gold (Reifen, Team) und dreimal Silber gewonnen (Ball, Band, Mehrkampf). Die beiden Trainingsgefährtinnen gewannen alle Gold- und Silbermedaillen in den Einzelentscheidungen dieser WM. Durch den Doppelsieg steht jetzt schon – vor dem Gruppenwettkämpfen am Wochenende- fest, dass Russland seine Stellung als dominierende Gymnastik-Großmacht in Stuttgart erfolgreich verteidigt habt. Online auf dem offiziellen Channel der WM nur Trainingsaufnahmen, auf dem des Turn-Weltverbands einzelne Auftritte in Stuttgart in der Qualifikationsrunde, wie hier einen der Multi-Weltmeisterin aus Moskau:

… und ihrer größten Konkurrentin aus dem gleichen Team:

Aus Mitteleuropa Berezko-Marggrander und Rupprecht in der Top 20

Unter tosendem Applaus und sichtlich bewegt hatte die russischstämmige Deutsche Meisterin Jana Berezko-Marggrander zuvor ihre Gymnastik-WM abgeschlossen. Sie hatte sich bei ihrem letzten Auftritt noch einmal zu persönlichen Bestleistungen aufgeschwungen und sich den 19. Platz im Mehrkampffinale erarbeitet. Damit lag sie vier Platzierungen hinter Rang 15, der die direkte Olympia-Qualifikation für eine deutsche Starterin ermöglicht hätte. „Ich glaube, das war der beste Wettkampf, den ich je geturnt habe“, resümierte die Gymnastin des TSV Schmiden gelöst. „Die vier letzten Tage waren für mich unglaublich anstrengend. Aber das Publikum hat mir richtig viel Energie gegeben und ich habe meine letzten Kräfte nochmal rausgeholt.“ Gut platziert war daneben aus dem deutschsprachigen Raum die Österreicherin Nicol Rupprecht, die direkt hinter Berezko-Marggrander auf Rang 20 landete. Da wir den deutschen Gymnastinnen in den letzten Wochen schon viel Aufmerksamkeit geschenkt haben, hier einmal eine Performance der Österreicherin:

Am Wochenende Gruppenwettkämpfe

Am heutigen Samstag startet ab 13 Uhr der Wettkampf der Sportgymnastik-Gruppen, bevor am morgigen Sonntag die WM mit einer großen Gala der besten Gymnastinnen zu Ende geht. Auch bei den Gruppen zählt Russland zu den Favoriten, ist jedoch keine solche Übermacht wie das Duo Kudrjawzewa / Mamun. Warum russland.TV in Stuttgart nicht vor Ort ist, haben wir in einem Video erklärt:

Roland Bathon, russland.RU – Foto: Yana Kudryavtseva beim Training in Stuttgart, (c) 2015 Ulrich Faßbänder

Über den Autor

Roland Bathon
Geboren 1970 in Franken und dort seitdem wohnhaft, aber regelmäßig in Russland und mit familiären Banden dorthin. Zum Thema Russland bin ich ursprünglich über meine allgemeine Osteuropa- und Reiseleidenschaft in den 90er Jahren gekommen und habe in den folgenden Jahrzehnten das Land ausgiebig individual kennengelernt. Später habe ich auch mehrere Bücher über Russlandreisen und andere Russlandthemen mit verfasst, bis es mich Mitte des letzten Jahrzehnts mehr und mehr in die Richtung Film, vor allem den Schnitt verschlagen hat. Bei russland.RU seit 2007 zuständig zunächst für den Aufbau und bis heute die inhaltliche Schwerpunktsetzung von russland.TV. Bei Eigenproduktionen meist zuständig für den Schnitt und eine Art Schaltzentrale für viele wichtige Mitarbeiter und Kontakte.