Sport Express: „Macht Joachim Löw zum neuen Sbornaja-Trainer!“

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Nach dem Reinfall bei der Fußball-EM geht das Rätselraten weiter, wer die Sbornaja in Zukunft trainieren wird. Laut einer führenden russischen Sportzeitung wäre die ideale Variante kein anderer als Bundesteam-Coach Joachim Löw. Erste Voraussetzung für dessen Engagement sei allerdings, dass Deutschland möglichst früh aus dem Turnier fliegt.

Pechvogel Leonid Sluzki hat die volle Verantwortung für das schmähliche Ausscheiden der Sbornaja in Frankreich übernommen und seinen Rücktritt angeboten, dem aber (bisher) nicht stattgegeben wurde. Dmitri Smirnow von „Sport Express“ hat nun eine Liste mit Kandidaten aufgestellt, die Sluzkis Amt übernehmen könnten. Dabei gibt der Sportjournalist unumwunden zu: Am besten bliebe der Meistertrainer von ZSKA Moskau bis 2018 bei der Nationalmannschaft am Ball. Da dies aber unwahrscheinlich ist, macht er sich Gedanken über einen Nachfolger.

Gassajew, Tschertschessow, Berdyjew – keine Chance?

Einmal gibt es da die einheimische Trainergarde, z. B. Valeri Gassajew. Der 61-jährige Ossete ist zwar schon ein paar Jahre kein aktiver Coach mehr, aber voll im Fußballgeschäft involviert. UEFA-Cup-Sieger mit ZSKA, viermaliger russischer und einmaliger ukrainischer Meister – Gassajew ist immer noch der erfolgreichste einheimische Trainer. Zudem lässt er einen aggressiven, angriffslustigen Fußball spielen, den die Sbornaja mit ihrem tristen Horizontal-Geschiebe gut gebrauchen könnte.

Die zweite hausgemachte Variante heißt Stanislaw Tschertschessow, ebenfalls ein Ossete. Nach seinem Pech-Intermezzo beim inzwischen Baden gegangenen Traditionsclub Dynamo Moskau brachte der 52-Jährige in der abgeschlossenen Saison überraschend Legia Warschau auf die Siegerstraße – die polnischen Hauptstädter holten den Meistertitel und den Landespokal. Tschertschessow gilt als glänzender Motivator und richtig harter Hund. Etwas älteren Semestern unter den Freunden des Fußballs ist er noch als Keeper bei Dynamo Dresden bekannt.

Außerdem muss Kurban Berdyjew erwähnt werden, der mit dem krassen Außenseiter Rostow russischer Vizemeister wurde. Der 63 Jahre alte Turkmene, ein tiefgläubiger Muslim, hat sich immer noch nicht entschieden, ob er mit seinem Club nächste Saison Champions League spielen will, soll heißen: Die Vertragsverlängerung mit Rostow schwebt noch in der Luft. Sollte der Doppelmeister von 2008 und 2009 (mit Rubin Kasan) dem Don den Rücken kehren, wäre auch er eine Option für den Cheftrainerposten in der Nationalelf.

Zwei Mal in denselben Fluss steigen – EM-Held Guus Hiddink

Laut Smirnow ist es aber wahrscheinlicher, dass der Russische Fußballverband (RFS) sich erneut im Ausland umsehen wird, um den vakanten „Schleudersitz“ neu zu besetzen. „Russland kehrt jetzt zur Variante Capello zurück, nur ohne Capello“, ironisiert der Sportjournalist. „Don Fabio“ sei zu unflexibel gewesen und hätte nie Erfolg mit Nationalmannschaften gehabt.

Ganz anders dagegen der gute alte Guus Hiddink – der inzwischen 69-jährige Holländer könnte zum Abschluss seiner großen Karriere noch einmal an die alte Wirkungsstätte zurückkehren. Er war bisher der Einzige, der die Sbornaja zu einem beachtenswerten Erfolg führte – 2008 bei der EM in Österreich und der Schweiz schied das Hiddink-Team erst im Halbfinale aus. Der hervorragende Fußball-Psychologe ist in Russland nach wie vor sehr beliebt – seine Ernennung könnte den enttäuschten Fans wieder ein wenig Freude und Hoffnung bringen.

Der beste Trainer der Welt ist gerade gut genug

Traumcoach ist für den „Sport-Express“ allerdings nur einer – der deutsche Nationaltrainer Joachim Löw. Angesichts der anstehenden schweren Gegner im Schlussabschnitt der EM in Frankreich könnte es durchaus sein, dass Deutschland vorzeitig die Koffer packen muss und Löw den Hut nimmt.

„Und dann…“ – ja dann stünde die Möglichkeit offen, diesen „eleganten, stilvollen, intelligenten und repräsentativen“ Mann nach Russland zu holen. Meint Smirnow. Denn die dicken Posten im europäischen Fußball seien ja nun mal schon besetzt – bei Real, Barca, Bayern, Man City Man United, Chelsea und PSG. Und arbeitslos will der vor Energie strotzende Löw ja nun wohl nicht bleiben, sei hinzugefügt. Fragt sich nur – will Löw in Moskau arbeiten?

[sb/russland.News]