Spassibo, Spassibo – Danke, Danke!

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Der Himmel meinte es gestern gut mit Sewastopol, der Hafenstadt auf der Krim. Der größte russische Marinestützpunkt am Schwarzen Meer war der geostrategische Grund für die russische Führung, die Krim nicht dem sich, auch militärisch, nach Westen orientierenden unsicheren Nachbarn. zu überlassen.

Aber das schöne Wetter war es wohl nicht allein, was über 200 000 Sewastopoler und ihre Gäste – es war in der Stadt kein Hotelbett mehr zu bekommen – an die Paradestrecke zog. Es war auch kein ähnliches Spektakel zu erwarten, wie im vorigen Jahr, als der russische Präsident Wladimir Putin in einem Abfangjäger über die Köpfe der Zuschauer hinwegraste. Gemessen daran war die Präsentation der Luftstreitkräfte mit rund einem Dutzend Hubschrauber und Flugzeugen eher bescheiden. Und auch das Defilee der russischen Schwarzmeerflotte beschränkte sich darauf, dass der Oberkommandeur in einem Schnellboot einen Teil seiner Verbände abfuhr und die auf den Schiffen versammelten Mannschaften zum Feiertag beglückwünschte. Auch die bei der Parade auf der zentralen Straße der Stadt gezeigte Waffentechnik wurde von der Menge zwar bejubelt, aber wohl weniger wegen des technischen Neuheitswertes, vielmehr als Demonstration der militärischen Stärke Russlands. „Ich bin froh, dass die Krim wieder zu Russland gehört, wie es schon über Jahrhunderte war“, sagt Alexej (45), „Jetzt wissen wir, dass uns nichts mehr passieren kann.“ Auf einem Transparent am Straßenrand war denn auch zu lesen: „Wer zu uns mit dem Schwert kommt, wird durch das Schwert umkommen!“

Eine klare Unterscheidung

Der eigentliche Höhepunkt der Parade folgte dem militärischen Teil – der Zug der verbliebenen, hoch betagten Kriegsteilnehmer. Immer wieder waren spontane Sprechchöre zu hören „Spassibo!, Spassibo!“ – Danke, Danke!, wurden die Veteranen spontan von Zuschauern umarmt und mit Blumen überhäuft. „Wir sind ihnen dankbar , dass sie uns von den Faschisten befreit haben und sind stolz auf sie“, bestätigt Olga (52) mit Tränen in den Augen. Dabei machte sie deutlich, was auch sonst immer wieder in den Gesprächen auffällt: Die Russen unterscheiden klar zwischen „den Deutschen“, denen sie sich nach wie vor verbunden fühlen, und „den Faschisten“, die ihr Land überfallen haben und die schließlich besiegt wurden.

Ausdruck des Stolzes auf die Generation, die im Krieg gekämpft hat, war bei der Parade in Sewastopol, wie überall im Land, auch das „ewige Regiment“, als Tausende Kinder, Enkel und Urenkel von im zweiten Weltkrieg Gefallenen mit deren Porträts dem Veteranenblock folgten. „Mein Urgroßvater ist bei der Verteidigung unserer Stadt umgekommen“, erklärt Maxim (12) in einer dem Original nachgestalteten Uniform jener Zeit in Kindergröße. „Ich liebe ihn sehr und möchte einmal wie er in den Seestreitkräften dienen.“

Mit einem Feuerwerk über dem Meer, zu dem sich noch einmal rund Hunderttausend am Ufer versammelt hatten, ging dieser für das Selbstverständnis der Russen so wichtige Feiertag zu Ende. Da der 9. Mai aber auf einen Samstag fiel, ist in Russland auch der Montag arbeitsfrei.

Hartmut Hübner – Hanns-Martin Wietek/russland.RU-Sewastopol

Über den Autor

Hartmut Hübner
Gelernter und sogar diplomierter Journalist. Nachdem ich im Ergebnis einer Fahrt auf einem Riesenrad von meinem ursprünglichen Wunsch, Pilot zu werden, endgültig Abschied genommen hatte, beschloss ich als, „rasender Reporter“ aus der ganzen Welt zu berichten. Als „Mittagspausen-Notenkoch“ im Schulfunk und Volontär bei der Berliner Zeitung „Junge Welt“ begann meine journalistische Karriere, die sich nach dem Studium als Verantwortlicher für eine Zeitung im sächsischen Gesundheitswesen, Pressesprecher an der Leipziger Sporthochschule DHfK und Redakteur an der Leipziger Volkszeitung fortsetzte, bis ich mir einen Kindheitstraum erfüllte und ein freies Korrespondentenbüro in Moskau übernahm. Das war 1995 – und seither lässt mich Russland nicht mehr los.