Soziale Netze 2017: Übermacht RTdeutsch – russland.NEWS hält sich

image_pdfimage_print

[von Roland Bathon] In regelmäßigen Abständen wertet russland.NEWS die Sozialen Netze bezüglich der russischen und auf Russland spezialisierten Newsanbieter auf deutsch aus. Es ist ein Segment, das sich in den letzten beiden Jahren im steilen Wachstum befand – auf nun über eine dreiviertel Million Follower oder um es anders zu sagen mehr als doppelt so viele wie im Oktober 2015, als wir diese Auswertung das erste Mal gemacht haben. Dominiert wird es zunehmend vom indirekt staatlichen Anbieter RTdeutsch. russland.NEWS stabilisiert sich mit überdurchschnittlichem Wachstum als  Nummer drei hinter den beiden Staatsmedien – und ist damit eine absolute Ausnahme.

58 % aller Follower von Russland-Medien auf deutsch hat RTdeutsch

Anteile an den Followern gesamt

Wir haben wieder alle 14 uns bekannten Russlandmedien auf deutsch und ihre Verbreitung in den Sozialen Medien ausgewertet. Ganz wenige haben den allergrößten Teil dieses Marktes in der Hand. 58 % beträgt im Segment der Marktanteil von RTdeutsch und das sind übrigens satte 7 % mehr als damals im Herbst 2015. Federn gelassen hat dafür die ebenso über Umwege staatlich-russische Nachrichtenseite Sputniknews deutsch mit 27 % (minus 8 % seit 2015), obwohl sie sich von Themenauswahl und kämpferischer Stilistik stark an RTdeutsch angenähert hat. Als einziger unabhängiger Anbieter aus Russland mit einem nennenswerten Anteil an Followern behauptet sich neben den beiden „Staatsbetrieben“ russland.NEWS mit 9 % (+3 %), die anderen sehr vielfältigen 11 Anbieter spielen mit zusammen 6 % (-2 %) nur eine vergleichsweise kleine Rolle. Es fällt zunehmend mehr Kleinanbietern schwer, mit der guten Finanzausstattung, dem Korrespondentennetzwerk und der straffen Organisation der großen beiden auch nur halbwegs mitzuhalten.

Der Videobereich entscheidet die Zukunft

Der große Erfolg von RTdeutsch hat seine Ursache vor allem im Videobereich – bei YouTube dominieren die RT´ler bei unserer Auswertung mit 75 % aller Abonnenten. Mit der vergleichsweise üppigen Personaldecke hat man aus einem YouTube-Channel schnell mal drei gemacht und vor allem das Medien-Kampfmagazin 451 Grad läuft mit eigenem Channel und Auftritt wie geschnitten Brot und sammelt im Eiltempo Follower. Selbst die hübsche Jasmin Kosubek kommt da mit ihrem traditionsreicheren „Fehlenden Part“ nicht mit, vielleicht will das dortige Publikum einfach mehr Kampf. Als deutschsprachige Speerspitze der staatlichen Russen im Medienkrieg gegen den deutschen Mainstream scheint  sich 451 Grad auf jeden Fall gut etabliert zu haben. Dass Sputniknews vergleichsweise etwas verblasst hat übrigens auch mit Webvideos zu tun – diesen Trend hat der zweitgrößte Newsanbieter aus Russland auf deutsch zu lange verschlafen und müht sich nun mit seinem kleinen YouTube-Channel (<3.000 Abos) unter den „Sonstigen“ ab. Nur russland.TV als Videoabteilung von russland.NEWS hat hier überhaupt noch einen nennenswerten Marktanteil (17 %), wächst aber ebenfalls langsamer als der Riese aus Moskau-Berlin. RTdeutsch prägt damit auch das Bild der russischen Presse in Deutschland entscheidend, egal ob unter Russlandfans, -hatern oder nur am Rande Interessierten.

Kleinanbieter sind nicht zu vernachlässigen

Die Kleinanbieter – elf an der Zahl – sollten wir nicht komplett unter den Teppich kehren. Denn hier wird mehrheitlich große Qualität geboten, an denen sich manch anderer Anbieter – egal ob aus dem deutschen oder russischen Mainstream – eine Scheibe abschneiden könnte. Hier holt das komplett unpolitische Russlandjournal gerade die Handelsblatt-Beilage „Russia beyond the headlines deutsch“ in den Sozialen Netzen auf und könnte bald der Größte unter den Kleinen sein. Nur diese beiden von den elf haben überhaupt jeweils mehr als 10.000 Follower, wenn man alle Netzwerke zusammen nimmt. Mit etwas Abstand von der Größe erwähnenswert sind noch die rechtsnationale Newsfront deutsch (9.000+ Follower), der liberale Dekoder (5.000+), die traditionsreiche Moskauer Deutsche Zeitung (5.000+) und der Ostexperte (3.000+), in dem nun auch die Deutsch-Russischen Wirtschaftsnachrichten aufgegangen sind. Die übrigen fünf Projekte sind so klein, dass wir sie hier aussparen dürfen.

YouTube kämpft sich an Facebook heran

Anteile an Abonnenten bei YouTube

Sehr klein sind auch die Followerzahlen bei der Mehrheit der Sozialen Netzwerke: Facebook, YouTube und Twitter dominieren bei Russlandnews und kommen zusammen auf 98 % der Follower. Hierbei setzt sich der Trend von 2015 und 2016 fort und YouTube (22 % der Follower, +5 % seit Juni 2016) kämpft sich immer mehr an Facebook (69 % der Follower, -6 % binnen einem Jahr) heran. Die Leute wollen mehr und mehr ihre Online-Nachrichten in Videoform. Twitter behauptet sich stabil (7 %), unter den kleinen wächst nur Instagram deutlich, wo ausnahmsweise wir mit unseren offenbar schönen Fotos Marktführer bei der Followerzahl sind. Wir werden diesen wachsenden Markt weiter im Auge behalten und sind uns fast sicher, dass wir 2018 irgendwann den Millionsten Follower von Anbietern für Russlandnews und News aus Russland auf deutsch vermelden können – ob die Übermacht von RTdeutsch sich bis dahin weiter fortsetzt, wird man sehen. Im Videobereich setzen wir da auf unsere Mädels und wenn wir deren eigene Statistik anschauen, liegen wir damit goldrichtig, denn deren Zahlen sind auf unserem Channel am stärksten gewachsen und haben ein Rekordquartal hinter sich.

Quellen: Für diesen Artikel ausgewertet wurden die Follower- und Abonnentenzahlen von 14 News-Anbietern auf deutsch aus Russland oder auf Russland spezialisiert: RTdeutsch, Sputniknews deutsch, russland.NEWS, Russia beyond the headlines deutsch, Russlandjournal, Newsfront deutsch, Moskauer Deutsche Zeitung, Dekoder, Ostexperte.de, Russlandkontrovers, Petersburger Herold, Eurasisches Magazin Königsberger Express, Kaliningrad Domizil; ausgewertete Netzwerke: Facebook, YouTube, Twitter, Instagram, VK.com, Google+, Pinterest, nicht ausgewertet weil Abozahlen nicht öffentlich: Tumblr

 

 

 

 

 

 

 

Über den Autor

Roland Bathon
Geboren 1970 in Franken und dort seitdem wohnhaft, aber regelmäßig in Russland und mit familiären Banden dorthin. Zum Thema Russland bin ich ursprünglich über meine allgemeine Osteuropa- und Reiseleidenschaft in den 90er Jahren gekommen und habe in den folgenden Jahrzehnten das Land ausgiebig individual kennengelernt. Später habe ich auch mehrere Bücher über Russlandreisen und andere Russlandthemen mit verfasst, bis es mich Mitte des letzten Jahrzehnts mehr und mehr in die Richtung Film, vor allem den Schnitt verschlagen hat. Bei russland.RU seit 2007 zuständig zunächst für den Aufbau und bis heute die inhaltliche Schwerpunktsetzung von russland.TV. Bei Eigenproduktionen meist zuständig für den Schnitt und eine Art Schaltzentrale für viele wichtige Mitarbeiter und Kontakte.