Sind positive Veränderungen in der Ukraine zu erwarten?

Die Ukraine in den ungefähr heutigen Grenzen (ohne Krim) existiert eigentlich erst seit der Sowjetisierung 1922 und – bezüglich der Westukraine besonders wichtig – seit 1945. Und die Krim kam (politisch – nicht kulturell) erst zu Sowjetzeiten 1954 zur Ukraine – zuvor war sie seit 1782 (Katharina die Große) politisch und kulturell Russland. Früher gehörten die Teile der Ukraine sowohl juristisch als auch (und das ist besonders wichtig) kulturell zu verschiedenen Einflussbereichen. Seit Katharina der Großen hieß die Kernukraine mit Kiew, der „Mutter der Rus“, Kleinrussland und die Ostukraine war „Neurussland“. Teile der Westukraine gehörten zu Polen, Litauen, Ungarn und Rumänien. Der Staat Ukraine besteht somit aus mindestens 3 Ländern – wenn man kleiner Gebiete mit hinzurechnet sogar aus mehr.
Das sind die Hintergründe der Spannungen, die durch die ursprünglich nicht kulturell, sondern ökonomisch begründeten Maidan-Proteste heute das Geschehen bestimmen.

Seit 1992 – bis heute – wird das Land von einem Oligarchensystem regiert, dessen Ziel in erster Linie die persönliche Bereicherung ist. In der Folge ist die Ukraine zum zweitärmsten Staat Europas verkommen.

Die politisch motivierten Hilfsmaßnahmen des Westens sind einerseits mit Forderungen verbunden, die – ohne soziale Unruhen zu provozieren – nicht realisierbar sind, und andererseits auch nicht den Vorteil der Helfer aus den Augen lassen.

Dies sind die Fakten, aufgrund derer sich Steven Eke, aktuell Risikomanager für Russland und den westlichen Teil der früheren Sowjetunion bei der Unternehmensberatung Control Risks, bei »EurAktiv.de« Gedanken über die Zukunft der Ukraine macht.