Sewastopol: Flughafen-Falschmeldung der „Tagesschau“ [mit Video]

Statt russischem Militär wird nur die "Geheimwaffe" Schirinowski am Flughafen erwartet

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Man war wieder einmal schnell bei der Hand in der ARD-Redaktion, als es darum ging, eine von der ukrainischen Regierung verbreitete Meldung über die Besetzung des Flughafens von Sewastopol auf der Krim durch russische Truppen zu vermelden. Sie käme im Zuge der dortigen antirussischen Kampagne natürlich den offenen Propagandisten des Euromaidan in Deutschland (auch genannt gebührenfinanziertes Fernsehen) gelegen, ist aber zum Glück einfach nur falsch.

Flughafen auf der Krim besetzt  tagesschau

(O-Ton Falschmeldung der Tagesschau)

Denn wie andernorts, wo man besser informiert wird (jedenfalls über die Ukraine, z.B. Online-Zeitungen in Sewastopol) schon von Anfang an zu lesen ist, haben sogenannte Selbstverteidigungskräfte von der Krim selbst den Flughafen besetzt, wie zuvor das Parlament in Simferopol. Diese sind natürlich militärisch gekleidet und führen auch russische und Krim-Fahnen mit sich, denn es geht ihnen ja darum, sich von der ungeliebten Ukraine zu lösen. Zu regulärem russischen Militär werden sie damit jedoch nicht. Die in Sewastopol stationierte russische Schwarzmeeflotte hat von Anfang an jede Beteiligung an der Flughafenbesetzung dementiert – und sie stellt vor Ort die einzige russische Militäreinheit dar. Auch die örtlichen Medien meldeten keinen Einsatz regulärer russischer Soldaten. „Sewastopol.su“ sprache schon am Morgen (ca. 9 Uhr Ortszeit, 8 Uhr MEZ) von „unbekannten Bewaffneten“, „0692.ua“ ebenfalls.  Die Herkunft der von der Tagesschau so willig vebreitete Falschmeldung konnten wir auch rekonstruieren. Denn der Leiter des Flughafens hielt gemäß einer weiteren Sewastopoler Onlinezeitung „sevnews.info“ die Paramilitärs zunächst (3 Uhr Ortszeit) fälschlicherweise für reguläre russische Soldaten. Dieselbe Zeitung berichtet auch von einer Blockade der Einrichtungen der russischen Schwarzmeerflotte in Sewastopol durch ukrainische Militärs. Davon ist natürlich bei der ARD nichts zu lesen, aber es fragt sich schon, ob sich die angeblichen Schwarzmeersoldaten durch diese Blockade hindurchgemogelt haben sollen. Oder liest die ARD vor Verbreitung ihrer Meldungen die Angaben ihrer Kollegen vor Ort nicht?

Schon zuvor haben sich vor allem die Redaktionen von ARD und ZDF mit der einseitigen Verschweigung von Tatsachen, die die ablehnende Haltung der Krim-Bevölkerung zum Euromaidan-Umsturz erläutern, mehrfach hervorgetan. Wurde zunächst die Unzufriedenheit des Ostens und Südens der Ukraine mit dem Euromaidan-Umschwung in Kiews tot geschwiegen (als russland.RU und andere darüber bereits seit Tagen berichteten), wird aktuell, wo das nicht mehr geht, hauptsächlich die sachliche Grundlage der Unzufriedenheit bei den Berichten weg gelassen. So fehlen Berichte über das auch von anderen EU-Staaten schon kritisierte sofortige Kippen des Sprachgesetzes durch die neue ukrainische Regierung, die damit die Sonderstellung der Muttersprache eines großen Teils ihrer Bevölkerung aus nationalistischen Motiven beseitigt. Auf der Krim sind etwa 60 % der Bevölkerung russische Muttersprachler. Dass da Angst um andere Autonomierechte besteht, die am Umsturz beteiligten westukrainischen Nationalisten schon lange ein Dorn im Auge sind, ist sehr verständlich.

Gefährliche Luftfracht aus Russland ist aber in der Tat nach Sewastopol unterwegs. Denn der Rechtspopulist Wladimir Schirinowski hat laut „sewnews.info“ sein Kommen auf die Krim angekündigt. Dann hoffen wir doch mal, dass das auch eine Ente ist.

Was es in Sewastopol wirklich gibt, sind Straßensperren der Aufständischen. Sie haben mehrere weitere strategische Punkte besetzt, nicht nur den Flughafen. Grund ist die Angst vor einer militärischen Besetzung auf Befehl der neuen ukrainischen Regierung. Hierzu haben wir ein Video:

Update 12:16: Die ARD hat die Überschrift und den Text ihrer Meldung heimlich geändert. Aus den russischen Soldaten wurden nun bewaffnete Unbekannte. Schade, gell? Aber schön, dass die Unbekannten von der Sewastopoler Presse schon vor der Falschmeldung identifiziert wurden.