Sensationeller Sieg – Jekaterina Jurlowa holt Biathlon-WM-Gold für Russland

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Nach sechs Jahren Durststrecke für die Russen bei Biathlon-Weltmeisterschaften sorgte die 30-jährige Petersburgerin beim Einzel in Kontiolahti für eine riesengroße Überraschung. Sie startete sehr spät, schoss als einzige im Feld ohne Fehler und zeigte den Favoritinnen Kaisa Mäkäräinen und Gabriela Soukalova die lange Nase. Dabei war sie kurz davor gewesen, den Sport an den Nagel zu hängen.

Jurlowa ging mit der hohen Startnummer 95 ins Rennen, als am Ziel des 15-Kilometer-Einzels schon alles entschieden zu sein schien. Aber spätestens nach dem dritten Schießen war allen klar, dass die Plätze noch einmal neu verteilt werden könnten – und als Jurlowa auch im letzten stehenden Anschlag alle Scheiben schloss, brach bei der russischen Trainerriege schon der Jubel aus. Der Vorsprung von fast einer halben Minute machte die letzten drei Kilometer zu einer reinen Formalität.

Dass ausgerechnet Jurlowa die erste Goldmedaille bei Weltmeisterschaften seit sechs Jahren holt, hätte vorher niemand für möglich gehalten. Zwar hatte sie bei der diesjährigen Europameisterschaft schon auf sich aufmerksam gemacht, war aber erst im letzten Moment in das A-Team für die WM nominiert worden.

„Kein Dialog mit Pichler“

Jurlowa trainierte seit Jahren außerhalb der russischen Nationalmannschaft, nachdem der Biathlon-Verband 2011 den deutschen Startrainer Wolfgang Pichler engagiert hatte, um frischen Wind in das veraltete russische System zu bekommen. Man mag unterschiedlicher Meinung sein über Pichlers Arbeit in Russland, eins ist klar: Für Jurlewa, die seine Trainingsmethoden nicht akzeptieren konnte und das auch offen erklärte, war die Tür zur Nationalmannschaft seither geschlossen.

Gegenüber der russischen Presse formulierte sie das vorsichtig: „Es gab keinen Dialog mit Pichler.“ Also biss sie sich alleine durch, war volle zwei Jahre völlig von der Bildfläche verschwunden und war sogar kurz davor gewesen, die Karriere zu beenden. Auf der Pressekonferenz nach dem historischen Sieg in Kontiolahti sagte sie dazu:

„Im Dezember 2014 wollte ich aufhören. Aber mein Vater sagt: Noch einen Start, und Schluss. Ich gewann den Sprint beim Landespokal. Wir beschlossen, es noch weiter zu probieren. Ich fuhr zur Europameisterschaft, holte Bronze und fühlte, wie ich sicherer wurde.“ Wie sicher sie wurde, zeigte sie mit ihrer glänzenden Leistung, die sicher in die Biathlon-Annalen eingehen wird.

[sb/russland.RU]