Schlechte Prognosen für Ukraines Wirtschaft

Offene Grenzen beim Sinkflug - IWF-Tranche verzögert sich - wer zahlt die offenen Rechnungen?

Das Wirtschaftswachstum der Ukraine entwickelte sich bereits in der Ära Janukowitsch nicht wie erhofft. Von einem Wachstum kann natürlich nun – mit einem Bürgerkrieg im Land überhaupt nicht mehr die Rede sein. Es ist nur noch die Frage, wie stark es abwärts gehen wird – mit minus 6 % ist in diesem Jahr ist sicher zu rechnen, nach unten sind je nach Bürgerkriegsdauer und -ausmaß sowie Fortsetzung des Wirtschaftskriegs gegen Russland keine Grenzen gesetzt.

Gerade Führer der Separatisten bemühen sich in diesem Zusammenhang um etwas kreative Schwarzmalerei. Mins 25 % nannte im russischen TV Oleg Zarew jetzt als seine Schätzung, kombiniert mit Hunger und Kälte im kommenden Winter. Zarew war einstmals aktiv in Janukowitschs „Partei der Regionen“ und ist, wie viele dieser Gruppierung, nun ins Lager des prorussischen Widerstands gewechselt. Natürlich hofft man von Seiten der Rebellen auf mehr Oberwasser durch eine wachsende Unzufriedenheit mit den eigenen wirtschaftlichen Bedingungen. Eine wachsende Radikalisierug könnte in der Tat eine Folge solcher Zahlen in der Realität sein – jedoch auch in der Westukraine gegen den potentiellen Übeltäter Russland – was Zarew vergisst.

Die Anhänger der Regierung versuchen sich derweil in Zweckoptimismus und hoffen auf den Sachverstand der Oligarchenriege, die mittlerweile alle möglichen Schaltpositionen innerhalb der ukrainischen Staatshierarchie besetzt hält. Immerhin hat sie es selbst geschafft, sich finanziell aus der Armut in unermesslichen Reichtum zu katapultieren – soll sie das nun auch mit dem von ihr gelenkten Staat schaffen. Wie ehrlich das staatliche Vorwärtskommen durch Führungsfiguren möglich ist, die sich in der Vergangenheit jedoch vor allem auf dessen Kosten bereicherten, bleibt abzuwarten.

Auch mit der westlich organisierten Finanzhilfe läuft momentan nicht alles nach Plan. So hat sich de Zuteilung der zweiten Tranche von Geldern des Internationalen Währungsfonds, die für Juli geplant war, auf September verschoben. Laut der Nesawissimaja Gaseta hat der Staat bisher nicht alle Bedingungen für die Zuteilung erfüllt. Während die Finanzierung stockt, werden in einem aktiven Bürgerkrieg nicht nur Menschenleben, sondern auch riesige finanzielle Were vernichtet, Industrieanlagen, Gebäudekomplexe – so dass es auch nach einer Einstellung der Kämpfe mittelfristigr nicht positiv ausschaut. Und wenn man die Offensivpläne der ukrainischen Regierung und ihren neuen Sanktionsfahrplan gegen Russland anschaut, scheint ja alles Geld der Welt immer noch da zu sein.

Wer am Ende für einen darbenden Vasallen von USA und EU aufkommen muss, sollten die negativen und wahrscheinlicheren Prognosen zutreffen, dürfte nicht schwer zu erraten sein: Der europäische Steuerzahler. Hier müssten eigentlich schon im finanziellen Interesse der eigenen Staaten die Politiker des Westens mäßigend aktiv werden.

Roland Bathon, russland.RU