Russlands WM-Aus – was kommt nach dem Katzenjammer?

Die Fakten sind schnell erzählt – das 1:1 am Donnerstagabend gegen Algerien reicht nicht aus für das Weiterkommen, und die Sbornaja tritt die Rückreise an. Jetzt ist der Jammer mal wieder groß, und die russische Fußballwelt stellt sich die ewigen russischen Fragen: „Wer ist schuld?“ und „Was tun?“

Nach dem rasanten Auftakt gestern in Curitiba und dem frühen Tor von Kokorin kam Euphorie auf. „Weiter so, macht noch ein Tor!“, jubelte das Fanherz. Und wurde herb enttäuscht – Algerien gelang der Ausgleich, und die Nordafrikaner ließen dann so gut wie nichts mehr zu vor ihrem Gehäuse. Und so kam, was viele gefürchtet hatten: Russland hat die Gruppenphase bei einer WM erneut nicht überwunden. Schlimmer noch: Das letzte Mal gelang ihnen das vor 28 Jahren, als das Land noch UdSSR hieß!

Also wieder ein Armutszeugnis für den russischen Fußball? Leider ja. Fabio Capello konnte, will es scheinen, nicht das aus den Jungs herausholen, was nötig gewesen wäre. Vielleicht hat er aber auch nicht das Richtige „hineingetan“? Vielleicht war das „Einsperren“ auf der Basis in Itu das allerfälscheste Mittel? Vielleicht hätte er munterer rotieren lassen sollen? Vielleicht hätte er nach dem ersten Spiel den Torhüter wechseln müssen?

Vielleicht, vielleicht, vielleicht… Man kann hundert Gründe finden, und alle sind sie hypothetisch, denn keiner weiß, was gewesen wäre, wenn… Ich erspare mir die erneute Aufzählung der obengenannten Mutmaßungen.

Also Katzenjammer, wieder Katzenjammer – wie 2002 (WM), wie 2004 und 2012 (EM). Dmitri Simonow von „Sport-Express“ drückt den Frust so aus: „Der Auftritt ruft nichts anderes als Scham und den Wunsch hervor, Ausreiß zu nehmen.“ Es ist wirklich wie verhext: Da spielt man eine herrliche Qualifikation und ist zum ersten Mal seit zwölf Jahren wieder dabei beim Weltfußballfest – und dann solch ein klägliches Ausscheiden. Es ist tatsächlich zum Heulen.

Gut, weinen wir also, es sei uns erlaubt, es hat ja auch eine reinigende Wirkung. Aber was kommt danach? Wie soll es weitergehen? Manchem in Russland wird angst und bange bei dem Gedanken, dass die Sbornaja und Capello weitere vier Jahre aneinander gebunden sind. Don Fabio hat Vertrag bis 2018, also bis zur WM im eigenen Lande.

Das kann eine Chance sein, denn es bleiben vier Jahre Zeit, eine tüchtige und erfolgreiche Mannschaft aufzubauen, die dann, getragen von den „eigenen vier Wänden“, eine ordentliche Leistung hinlegt. Es kann aber auch bedeuten, dass die alten Wehwehchen bleiben und wenig Neues und Gutes dazukommt. Es bleibt uns nur eins: abwarten und beobachten. [sb]