Ein internes Ranking der russischen Regierung zur Qualität staatlicher Dienstleistungen sorgt für ungewöhnliche Aufmerksamkeit: Die Strafvollzugsbehörde FSIN landet darin auf Platz vier – noch vor vielen klassischen Servicebehörden. Unklar bleibt allerdings, welche konkreten Dienstleistungen der Gefängnisverwaltung bewertet wurden.
Die russische Strafvollzugsbehörde FSIN gehört laut einem von der Zeitung „Kommersant“ veröffentlichten Regierungsranking zu den am besten bewerteten föderalen Behörden bei der Erbringung staatlicher Dienstleistungen. In der Auswertung des Analytischen Zentrums bei der Regierung erreichte die FSIN demnach einen sogenannten „Kundenorientierungsindex“ von 94 Prozent. Damit liegt sie hinter dem Finanzministerium und dem Föderalen Steuerdienst, die jeweils 98 Prozent erzielten, sowie Rosreestr mit 96 Prozent.
Das Ranking umfasst nach Angaben von „Kommersant“ 62 föderale Exekutivorgane. Bewertet wurden unter anderem die Zufriedenheit der Nutzer, nicht erbrachte Leistungen, Fristverletzungen sowie Störungen von IT-Systemen. Außerdem floss ein, wie häufig Bürger begonnene Anträge wegen zu hoher Komplexität abbrachen. Der Durchschnittswert aller Behörden lag bei 74 Prozent.
Die Platzierung der FSIN wirkt vor allem deshalb bemerkenswert, weil die Behörde in der öffentlichen Wahrnehmung weniger mit klassischen Bürgerservices als mit Strafvollzug, Untersuchungshaft und Gefängnisverwaltung verbunden ist. Auch „The Moscow Times“ weist darauf hin, dass aus den veröffentlichten Angaben nicht hervorgeht, ob das Ranking tatsächlich Aspekte des Haftsystems selbst oder eher administrative Dienstleistungen der Behörde bewertet.
Am unteren Ende des Rankings stehen laut „Kommersant“ Rosmorretschflot mit 54 Prozent, Rostrud und Rosawiazija mit jeweils 53 Prozent, der Staatliche Kurierdienst mit 51 Prozent sowie das Innenministerium mit 50 Prozent. Das Innenministerium, zu dessen Aufgaben unter anderem die Polizei gehört, schnitt damit am schlechtesten ab.
Die Ergebnisse wurden dem Bericht zufolge bei einer geschlossenen Besprechung unter Leitung von Vizepremier Dmitri Grigorenko vorgestellt. Zuvor hatte Grigorenko auf dem Forum „Staat für die Menschen“ in Krasnojarsk über die Bewertung staatlicher Dienstleistungen gesprochen. Das Regierungsprojekt „Staat für die Menschen“ war 2021 gestartet worden und soll Verwaltungsleistungen stärker an sogenannten „Lebenssituationen“ ausrichten – etwa Geburt eines Kindes, Umzug oder Unternehmensgründung.
Nach Angaben von „Kommersant“ sind derzeit rund 1.600 föderale Dienstleistungen auf dem Portal „Gosuslugi“ verfügbar. Zusätzlich gibt es Dutzende föderale und mehrere Hundert regionale Servicepakete für „Lebenssituationen“. Diese sollen Bürgern Wege, Dokumente und Bearbeitungszeiten ersparen.
Gleichzeitig zeigt die Auswertung, dass die Digitalisierung der Verwaltung noch weit von den eigenen Standards entfernt ist. Laut Grigorenko wurden bislang erst rund 20 Prozent der föderalen Dienstleistungen geprüft. Davon lagen nur fünf Prozent im „grünen Bereich“, erfüllten also die Qualitätsstandards zu 90 Prozent oder mehr. 88 Prozent befanden sich im „gelben Bereich“, sieben Prozent in der „roten Zone“. Diese besonders schwachen Dienstleistungen sollen vorrangig überarbeitet werden.
Für 2026 kündigte Grigorenko weitere Arbeitsschwerpunkte an: kürzere Fristen, weniger Dokumente und Behördenbesuche, mehr proaktive Dienstleistungen sowie den Einsatz künstlicher Intelligenz bei Servicepaketen für typische Lebenssituationen. Die überraschend gute Bewertung der FSIN dürfte dennoch vor allem eine Frage offenlassen: Was genau bedeutet „Kundenorientierung“, wenn es um eine Behörde geht, deren Kernaufgabe der Strafvollzug ist?

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