Russlands Haushaltsgerätemarkt steht vor Ungewissheit

Hersteller suchen Ausweg im Export / Kapazitätsausbau vorerst gestoppt

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[Von Ullrich Ulmann/gtai] Auf dem russischen Markt für Elektrohausgeräte bleibt es 2014 für alle Hersteller  eng. Der Konsum will nicht so recht anspringen, nachdem es bereits 2013 Abstriche in dieser  Hinsicht zu beklagen gab. Ausländische Investoren, wie Indesit oder Bosch Siemens  Haushaltsgeräte, setzen daher nicht mehr allein auf den russischen Markt als Trumpfkarte,  sondern sondieren Exportmöglichkeiten.

Das Konsumniveau ist in Russland 2013 gesunken. Wie die Marktforschungsgesellschaft Romir  ermittelt hat, sind die täglichen Konsumausgaben der russischen Bevölkerung im Vergleich zum  Vorjahr (Dezember 2013 zu Dezember 2012) nominal um weniger als 1% gestiegen. Unter  Berücksichtigung der Inflation bedeutete das einen realen Einbruch um 5% – der erste Rückgang  seit 2008. Die Absatzrückgänge auf dem Markt für elektrische Haushaltsgeräte werden für 2013  vorläufig ebenfalls mit -5% beziffert.

Unter den Anbietern elektrischer Haushaltsgeräte führte 2012 die italienische Indesit mit einem  Marktanteil von 18,6%, wie einer Studie von GfK zu entnehmen ist. An zweiter Stelle folgte Bosch  Siemens Haushaltsgeräte (BSH) mit 15,8%. Bei Waschmaschinen lag BSH wiederum mit 16,2%  auf Platz drei, hinter Indesit mit 23,9% und LG mit 19,4%. GfK gab auch bekannt, dass das  jährliche Absatzvolumen bei Kühlschränken etwa 4,6 Mio. Stück beträgt, wovon 75% vor Ort  gefertigt werden. An Waschmaschinen wechseln jedes Jahr etwa 3,6 Mio. Stück den Besitzer. Hier  stammen allerdings knapp die Hälfte aus Importen. Der Einfuhranteil nimmt bei Waschmaschinen  perspektivisch ab.

Wegen recht hoher Investitions- und Herstellungskosten in Russland hatten Ausfuhren in andere  Länder für niedergelassene ausländische Hersteller ursprünglich wenig Sinn. Allein die Märkte  innerhalb der Zollunion Russland – Belarus – Kasachstan und der ukrainische Markt sollten bedient  werden. Doch mussten die Absatzverantwortlichen bei Indesit 2013 feststellen, dass ihr  Russlandgeschäft um 5% eingebrochen ist, nachdem ursprünglich ein Zuwachs von 5% geplant  war. Um Produktionskapazitäten dauerhaft auszulasten, werden nun Ausfuhrmöglichkeiten in  andere Währungsräume geprüft.

Generell setzt Indesit in der GUS 25% seines weltweiten Gesamtumsatzes um und unterhält ein  eigenes Logistikzentrum sowie Fertigungsstätten für Kühlschränke und Waschmaschinen  (Markennamen Indesit und Hotpoint-Ariston) im Raum Lipezk. Für die Endfertigung bei Indesit  arbeiten 12 Zulieferunternehmen mit zusammen 6.500 Angestellten. Die Planung zum Bau eines  Werkes für Elektroherde liegt jedoch seit der Finanzmarktkrise 2009 auf Eis und dürfte angesichts  der aktuellen Absatzlage auch nicht reaktiviert werden, zumindest nicht kurzfristig.

Einen ähnlich ernüchternden Blick werfen die Manager von BSH auf das Marktgeschehen in  Russland. Noch 2012 stiegen die Verkäufe von BSH auf dem russischen Markt um 12,9%. Die  Ergebnisse für 2013 wurden zwar noch nicht veröffentlicht. Doch erwähnte eine  Unternehmensvertreterin gegenüber Germany Trade and Invest auf schriftliche Anfrage, „dass  sich der russische Markt für Haushaltsgeräte 2013 das erste Mal seit vielen Jahren rückläufig  entwickelte. Ungeachtet dessen ist es der OOO BSH Haushaltstechnik gelungen, dank einer  breiten Produktpalette, die im mittleren Preissegment beginnt und bis zu Premiumtechnik reicht,  sowie dank Absatzaktivitäten in den Regionen die Umsätze zu steigern.“

Weiterhin heißt es in der Stellungnahme: „Zu Beginn des Jahres 2014 hat sich der Kriseneffekt,  ausgelöst durch eine zeitlich verschobene Nachfrage, nivelliert und der Markt kehrte zu seinem  gewöhnlichen Wachstumstempo zurück. Im Jahr 2014 erwarten wir eine weitere  Marktstabilisierung.“

BSH bezifferte das Gesamtvolumen des russischen Haushaltsgerätemarktes mit 2,6 Mrd. Euro,  womit er der viertgrößte in Europa wäre. Das Unternehmen sieht sich in Russland bei  Haushaltsgroßgeräten unter den Anbietern als die Nummer zwei und bei Kleingeräten als die  Nummer drei.

Im Leningrader Gebiet verfügt BSH über zwei Produktionen – von Kühlgeräten und von  Waschmaschinen mit verringerten Außenmaßen, die in den häufig eng bemessenen russischen  Wohnungen besser aufstellbar sind und daher vorzugsweise nachgefragt werden. Die  Fertigungskapazitäten des Waschmaschinenwerkes werden mit 350.000 Stück pro Jahr beziffert.  Auch BSH geht in den Export und begann im September 2013, Waschmaschinen aus dem  Leningrader Gebiet nach Polen zu liefern. Noch 2012 lancierte der Konzern in der russischen  Wirtschaftspresse, bei dieser Geräteart vor Ort zum Marktführer aufsteigen zu wollen. Dazu  könnte das Waschmaschinenwerk weiter ausgebaut werden. Doch dazu ist es nicht gekommen.  Gegenwärtig bestehen auch keinerlei Ausbaupläne, wie das Unternehmen gegenüber Germany  Trade and Invest bestätigte.

Um sich von der Konkurrenz abzuheben, setzt BSH neben der Funktionalität der Haushaltsgeräte  auf Energieeffizienz. Eigens arbeitet BSH an einer Initiative der Association of European  Businesses (AEB) mit, um Normen und Standards für eine freiwillige Produktzertifizierung zur  Kennzeichnung des Energieverbrauchs auszuarbeiten. Steht erst einmal dieses System in  Russland, können Geräte mit dem neuen Energiesiegel am Markt besser platziert werden.

Der schwedische Wettbewerber Electrolux hatte eine Produktion von Waschmaschinen am  Standort Sankt Petersburg wegen der hohen Gestehungskosten nach einem fünfjährigen Betrieb  2010 wieder eingestellt. Von dort wurden unter anderem die Märkte in Deutschland, Italien und in  der Schweiz beliefert. Eine Auftragsproduktion von Kühlschränken der Marke Zanussi im  Kaliningrader Betrieb TechPromInvest wurde sogar noch früher (2009) aufgegeben.  LG hat im Moskauer Gebiet gleich drei Produktionen hochgezogen – für Fernsehgeräte, für  Waschmaschinen und für Kühlschränke. Die Gesamtkosten dafür lagen bei 100 Mio. US$.  Die türkische Beko investierte 80 Mio. Euro in ein Werk für Waschmaschinen und Kühlschränke im  Gebiet Wladimir. Der Anteil an eingeführten Komponenten, die hier eingebaut werden, soll nach  Unternehmensangaben bei 68% liegen.