Russland hat den Start seiner ersten kommerziellen 5G-Netze gemeldet. Doch ein Praxistest in Moskau zeigt bislang wenig vom versprochenen Fortschritt. Gleichzeitig verhandelt das Digitalministerium mit Apple darüber, ob auch iPhone-Besitzer die neuen Netze nutzen können.
Zwischen einer Startmeldung und schnellerem Internet liegt offenbar noch einiges an Arbeit. Bei Messungen der Zeitung Iswestija in Moskau erreichten die neuen Mobilfunkverbindungen überwiegend nur das Tempo des bisherigen LTE-Standards. Teilweise waren sie sogar langsamer.
Wie die Nachrichtenagentur NSN unter Berufung auf den Iswestija-Test berichtet, überprüfte die Redaktion die Netze von MTS, Beeline, Megafon und T2 unter anderem im Stadtzentrum, an Bahnhöfen und in Geschäftszentren. Nur an einzelnen Standorten wurden Geschwindigkeiten von mehr als 250 Megabit pro Sekunde erreicht. In der Moskauer Metro fanden die Tester bei keinem der vier Betreiber eine 5G-Verbindung.
Die Stichprobe ersetzt keine flächendeckende Untersuchung der Netzabdeckung. Sie zeigt jedoch, dass der verkündete Start bislang keinen verlässlichen Geschwindigkeitsgewinn im Alltag garantiert. Für die Nutzer entscheidet sich der Wert des Ausbaus dort, wo sie tatsächlich telefonieren, arbeiten oder unterwegs auf das Internet zugreifen.
Für Besitzer eines iPhones stellt sich zunächst eine andere Frage: Können sie die neuen Verbindungen überhaupt nutzen? Digitalminister Maksut Schadajew erklärte, sein Ministerium führe darüber Gespräche mit Apple. Ein Ergebnis oder einen Termin für die Freischaltung nennt der Bericht des Wirtschaftsmagazins Expert nicht.
Der dort zitierte IT-Fachmann Wladimir Sykow erläutert, Apple führe 5G bislang nicht unter den unterstützten Funktionen russischer Mobilfunkanbieter auf. Für die Aktivierung müsse das Unternehmen nach erfolgreichen Tests die entsprechende Betreiberkonfiguration ergänzen oder aktualisieren. Der Zugang hängt damit auch von einer Entscheidung des amerikanischen Herstellers ab.
Den offenen Fragen stehen bereits große Ausbauzahlen gegenüber: Laut Expert wurden am 11. September die ersten Netze gestartet. 5G sei inzwischen in 16 Städten für zehn Millionen Mobilfunkkunden verfügbar; ein Start in weiteren 50 Städten werde bis Jahresende geprüft. Diese Angaben beschreiben allerdings weder eine durchgängige Versorgung noch die Zahl der Menschen, die tatsächlich bereits 5G nutzen.
Die beiden Berichte zeigen unterschiedliche Baustellen desselben Vorhabens: Die Netze müssen einen spürbaren Mehrwert liefern, die Endgeräte müssen Zugang erhalten. Eine Einigung mit Apple würde die Leistungsprobleme in Moskau ebenso wenig automatisch beheben, wie zusätzliche Standorte allein die iPhones freischalten. Der Start ist verkündet. Wie viel davon im Alltag ankommt, bleibt zu überprüfen.

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