Russlandhandel in der Krise

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[Von Dr. Christian Wipperfürth] Der Handelsaustausch zwischen Deutschland und Russland ist eine Erfolgsgeschichte. Gewesen. So hat sich die deutsche Ausfuhr nach Russland zwischen 2002 und 2013 verdreifacht (http://www.cwipperfuerth.de/2012/09/die-bedeutung-russlands-als-handelspartner/).

2013 exportierte Deutschland Waren im Wert von 35,8 Mrd. € 2013 nach Russland, 2014 nur noch für 29,3 Mrd. €. Es handelt sich um einen Rückgang von 18 Prozent. Der Rückgang des Russlandhandels wird vermutlich etwa 30.000 Menschen den Arbeitsplatz kosten oder bereits gekostet haben. Der Maschinenbau in Sachsen und Thüringen wird überproportional hart betroffen. Für dieses Jahr ist ein noch deutlicher Rückgang des Handelsaustauschs zu befürchten, der weitere zehntausende Arbeitsplätze kosten wird.

Dabei haben die EU und Russland bereits 2004 die Bildung eines gesamteuropäischen Wirtschaftsraums von „Lissabon bis Wladiwostok“ vereinbart. Präsident Putin hat das Vorhaben seitdem mehrfach in Erinnerung gerufen, und seit Herbst 2014 sprechen auch Bundeskanzlerin Merkel und Außenminister Steinmeier das Thema wiederholt an.

Merkel sagte in ihrer Regierungserklärung im November 2014: „Wir müssen – das ist meine tiefe Überzeugung – weiter daran arbeiten, dass es kein Entweder-oder zwischen einer Annäherung der Länder der Östlichen Partnerschaft an die EU und dem russischen Bemühen um eine engere Partnerschaft mit diesen Ländern geben sollte.“ Sie wiederholte somit wörtlich ihre Formulierung der Regierungserklärung vom November 2013.

Eine Politik der Konfrontation dürfte die Ukraine vollends zerreißen. Und würde ganz Europa eine lang andauernde und gefährliche Krise bescheren.

Über den Autor

Dr. Christian Wipperfürth
Arbeitet als Freier Publizist, Er hat zuvor für das Europäische Parlament bzw. den Deutschen Bundestag gearbeitet und Internationale Beziehungen an der Universität in St. Petersburg gelehrt.