Russlands Garagen sind weit mehr als bloße Abstellplätze für Autos. Seit sowjetischen Zeiten dienen sie als Werkstätten, Lagerräume und nicht selten als Standort kleiner Gewerbebetriebe. Nun versucht der Staat, die Eigentumsverhältnisse in diesem besonderen Bereich des russischen Alltags zu ordnen. Doch viele Garagenbesitzer zeigen wenig Interesse.
Die Vorsitzende des Föderationsrates, Walentina Matwijenko, kündigte am Mittwoch an, dass die sogenannte Garagenamnestie nach ihrem derzeitigen Ablauf im Jahr 2031 nicht noch einmal verlängert werden soll. Die Bürger müssten die verbleibende Zeit nutzen, um ihre Immobilien und Grundstücke offiziell registrieren zu lassen.
Die seit September 2021 geltende Regelung ermöglicht eine vereinfachte Eigentumsregistrierung für massive Garagen, die vor dem 30. Dezember 2004 errichtet wurden. Auch die Grundstücke unter den Gebäuden können dabei legalisiert werden.
Nach Angaben der russischen Katasterbehörde Rosreestr haben bislang rund 800.000 Bürger das Verfahren genutzt. Mehr als 746.000 Garagen und zugehörige Grundstücke wurden registriert. Bis 2031 sollen weitere 500.000 hinzukommen.
Matwijenko kritisierte die Zurückhaltung vieler Besitzer und forderte die regionalen Behörden auf, stärker über die Möglichkeiten der Registrierung zu informieren und bei bürokratischen Problemen zu helfen.
Hinter den nüchternen Katasterzahlen verbirgt sich ein Stück russischer Wirtschafts- und Sozialgeschichte. In zahlreichen Garagenkooperativen entstanden bereits zu Sowjetzeiten kleine Reparaturwerkstätten, Produktionsstätten und informelle Dienstleistungen. Auch nach dem Zerfall der Sowjetunion blieben die Anlagen wichtige Räume privater wirtschaftlicher Tätigkeit.
Die aktuelle Amnestie betrifft allerdings in erster Linie das Eigentumsrecht an Gebäuden und Grundstücken, nicht die Legalisierung dort betriebener Gewerbe.
Ob die Registrierung der Garagen tatsächlich schneller vorankommt, bleibt abzuwarten. Die russische Garagenkultur dürfte jedenfalls auch nach 2031 weiterbestehen – mit oder ohne vollständige Eintragung ins Kataster.
In Russland gibt es den Begriff гаражная экономика (Garagenwirtschaft) für ein Milieu kleiner Werkstätten und informeller Produktion. Das erinnert an die frühe deutsche Hinterhofwirtschaft, hat aber durch die sowjetischen Garagenkooperativen eine ganz eigene Geschichte.

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