Russland und der G-20-Gipfel

Putin: Neue Gefahren und Herausforderungen lassen den Westen umdenken

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Die Beziehungen mit dem Westen seien auf früheren G-20-Gipfeln angespannter gewesen als dieses Mal, sagte der russische Präsident Wladimir Putin in Antalya. „Das ist deutlich zu spüren“, erklärte er. Nach seiner Ansicht hängt dies nicht zuletzt mit den „neuen Gefahren, Bedrohungen und Herausforderungen zusammen, die keiner allein bewältigen kann.“ Die Anstrengungen müssten vereinigt werden, sagte er unter dem Eindruck der jüngsten Terroranschläge von Paris. „Wir haben niemals gute Beziehungen mit unseren Partnern abgelehnt, nicht im Osten und nicht im Westen“, schob er den Schwarzen Peter von sich weg.

„Jene einseitigen Maßnahmen, die unsere Zusammenarbeit in den verschiedenen Richtungen eingeschränkt haben, waren nicht von uns initiiert, sondern von unseren Partnern. Wenn sie jetzt meinen, dass die Zeit gekommen ist, unsere Beziehungen irgendwie zu verändern, dann begrüßen wir das. Wir haben die Tür nie geschlossen“, so Putin. Auf Expertenebene – in Politik, Wirtschaft oder Sicherheit – zeigten die europäischen Staaten, nach seiner Einschätzung, durchaus Interesse an einer Erneuerung der Beziehungen zu Russland.

Cameron versprach Putin, die Interessen Russlands in Syrien zu schützen

Der britische Premier David Cameron, versprach in Antalya seinem Duzfreund Wladimir Putin, die „Interessen Russlands in Syrien zu schützen“. Der Westen wolle die Situation in Syrien regulieren, ohne die Interessen Russlands in diesem Land zu beschädigen, teilt die Financial Times unter Bezug auf britische Regierungskreise die Einstellung Camerons zur russischen Syrien-Politik mit.

Der Kabinettschef zeigte sich, der Zeitung zufolge, auch damit einverstanden, dass der gegenwärtige Präsident Syriens, Bashar Assad für eine „Übergangszeit“ an der Macht bleiben könne. Auf dem heutigen Treffen am Rande des G-20-Gipfels forderte Cameron Putin aber auch auf, die Bombardements „gemäßigter“ Oppositionskräfte in Syrien einzustellen und sich auf Schläge gegen den „Islamischen Staat“ zu konzentrieren

Bereits zuvor hatte der britische Premier erklärt, dass er in Putin eine Schlüsselfigur bei der Suche nach einer diplomatischen Lösung für den Syrien-Konflikt sehe und deshalb sei Großbritanien bereit zu Kompromissen. „Wir haben Meinungsverschiedenheiten mit Russland, nicht zuletzt deswegen, weil sie die Assad-Opposition sehr geschwächt haben, die nicht zum IS gehört. Diese Leute könnten das Glück für das künftige Syrien sein“, hatte Cameron am Sonntag erklärt.

Russland hingegen hatte stets die Anschuldigungen wegen angeblicher Bombardements von syrischen Oppositionskräften zurückgewiesen und betont, dass die Schläge einzig gegen die IS-Terroristen gerichtet seien.

Auf seiner Pressekonferenz meinte der russische Präsident dann auch süffisant mit Seitenblick auf die Briten: „Wir haben unsere Partner gefragt: Wenn Ihr der Meinung seid, dass wir nicht dort zuschlagen, wo wir sollten, dann gebt uns die Daten für die Gebiete, die wir bombardieren sollen. Das tun sie nicht. Dann bitten wir um Benennung der Gebiete, die wir aus ihrer Sicht nicht bombardieren sollen. Auch darauf gibt es keine Antwort. Also, was soll dann die Kritik an Russland?“

Alles in allem erklärte Putin nach den Gesprächen mit Cameron in Antalya aber, dass in der Zusammenarbeit beider Länder eine „Belebung“ festzustellen sei. Beide Politiker seien sich darin einig, ihre Anstrengungen im Kampf gegen den Terrorismus zu vereinen. Dieser große Schritt des Westens auf Russland zu, wird auch in anderen Bereichen verhärtete Positionen aufbrechen, meinen Beobachter.

Hartmut Hübner/russland.RU

Über den Autor

Hartmut Hübner
Gelernter und sogar diplomierter Journalist. Nachdem ich im Ergebnis einer Fahrt auf einem Riesenrad von meinem ursprünglichen Wunsch, Pilot zu werden, endgültig Abschied genommen hatte, beschloss ich als, „rasender Reporter“ aus der ganzen Welt zu berichten. Als „Mittagspausen-Notenkoch“ im Schulfunk und Volontär bei der Berliner Zeitung „Junge Welt“ begann meine journalistische Karriere, die sich nach dem Studium als Verantwortlicher für eine Zeitung im sächsischen Gesundheitswesen, Pressesprecher an der Leipziger Sporthochschule DHfK und Redakteur an der Leipziger Volkszeitung fortsetzte, bis ich mir einen Kindheitstraum erfüllte und ein freies Korrespondentenbüro in Moskau übernahm. Das war 1995 – und seither lässt mich Russland nicht mehr los.