russland.TV: 10.000 Abos und Videoklau-Saison [mit Video-Classics]

Bildschirmfoto 2015-10-15 um 21.48.48
image_pdfimage_print

Heute gab es ein freudiges Ereignis in unserer Videoredaktion – unser dortiger Channel konnte bei YouTube endlich die 10.000-Abonnenten-Grenze überschreiten. Doch auch Unerfreuliches gibt es aus dem WorldWideWeb im Zusammenhang mit unseren Clips.

Die schwierige Arbeit mit Newsclips

Das Sammeln von Abonnenten bei dem Google-Videoriesen ist für ersthafte News-Channels wesentlich schwerer als für hippe junge YouTuber, die vor allem ein Teenager-Publikum oft sinnfrei bespaßen. Selbst Mainstream-Großanbieter aus Gebührenfinanzierung wie die Tagesschau oder das ZDF bewegen sich mit ihren YouTube-Channels bei den Abozahlen nur im fünfstelligen Bereich – oder das vom russischen Steuerzahler finanzierte RTdeutsch. Diesen Bereich haben auch wir heute erfreulicherweise mit unserem 10.000 Abonnenten bei YouTube betreten – aus eigener Kraft, mit eigenen Inhalten und ohne Großunternehmen im Hintergrund.

Ernsthafter Journalismus hat es beim deutschsprachigen YouTube nicht leicht. Newsclips schaut man viel häufiger ohne Abo als den aktuellen Clip von seinem Lieblings-Comedy-YouTuber. Die Zuschauer sind im Schnitt älter und viele Ältere scheuen generell das Channel-Abo, anders als ihre Töchter, Söhne oder kleinen Geschwister. So stand auch unser Channel mit einem Schwerpunkt auf Russlandpolitik schon immer bei den Zuschauerzahlen (bald 8.000.000 Millionen) im Vergleich zu den „üblichen“ Verdächtigen wesentlich besser da als bei den Abozahlen. Das ist leider erheblich, da die Größe einen Angebots bei YouTube oft nach den Abonnenten bemessen wird und etwa Werbekunden zu finden, ist schwer bis unmöglich, wenn man sich hier unter Kleinkram herum drückt.

russland.TV aktuell bei YouTube vor der Tagesschau und SpiegelTV

Schlecht stehen wir bei YouTube wirklich nicht da. Von den aktuellen monatlichen Zuschauerzahlen und den Abogewinnen im letzten Monat schlagen wir laut dem führenden Analysten Social Blade sogar die Channels der Tagesschau oder des ZDF. Sogar SpiegelTV konnten wir bei den hinzu gewonnenen Neuabonnenten erstmals hinter uns lassen – ein wahrer Vergleich David gegen Goliath. Aber es scheint auch, dass die Goliaths des Mainstreams zumindest beim netzaffinen und jungen YouTube-Publikum gar nicht so gut ankommen. So hat der jugendliche Spezialchannel des WDR „#3sechzig“ nur einen Bruchteil unserer Zuschauer und Abonnenten, obwohl er für gutes Geld bekannte und talentierte YouTuber zur Moderation anheuerte, die wir uns nie leisten könnten.

Aber selbst spezialisierte Branchenriesen im Webvideo-Bereich wie das Netzwerk Mediakraft sind an ernsthaften Newsangeboten gescheitert und mussten ihre beiden Channels „Was geht ab?“ und „TIN“ wieder als unrentabel einstampfen. Bei Mediakraft sind wir aktuell übrigens auch – und der dortige „Service-Level“ bewertet sich ebenfalls ausschließlich an den Abozahlen und nicht den Zuschauern -und mehr Möglichkeiten haben wir dort erst wieder ab 15.000 Abos. Im russischsprachigen YouTube ist die Situation mit politischen Channels übrigens besser und hier gibt es mehr große Anbieter.

Videos-Rippen als Online-Sportart

Noch ein anderes Problem macht den Betreibern von Online-News im Filmbereich zu schaffen: Der Videoklau. Schnell mal bei uns gerippt und auf den eigenen Channel hoch geladen haben gerade im letzten Jahr leider sehr viele andere Channels oder Facebook-Communites zahlreiche Videos von uns, vor allem mit Anna Nikonova oder von uns auf Deutsch bearbeitete Putin-Reden. Verständnis haben wir dafür deswegen wenig, weil wir bei jedem Video die Einbettung von unserem Channel auf anderen Seiten erlauben. Man „muss“ also nicht klauen, um das auf seine Seite zu bekommen. Und: Zuschauer solcher Video“rips“ woanders gehen nicht auf unser Konto und bringen uns damit nichts ein, sondern dem Videodieb. Großen Medienkonzernen könnte so etwas eventuell egal sein, aber bei uns sind die Werbeeinnahmen neben den Spenden unserer Unterstützer die einzige Geldquelle und wir haben mit den Videos nicht nur viel Arbeit, sondern auch Ausgaben. Von den Videos leben tut keiner bei uns – dafür wären die Einnahmen trotz des inzwischen großen Zuschauerzuspruchs viel zu gering.

Da wir früher viel Zeit mit ergebnislosen Emails an die Klaukanal-Betreiber verschwendet haben (und diese Zeit für die Produktion von Videos brauchen), lassen wir entdeckte Klauvideos jetzt einfach löschen. Das hat für den Betroffenen leider zur Folge, dass er von YouTube automatisch einen sogenannten „Copyright Strike“ erhält. Nach drei solchen „Strikes“ wird der Kanal gesperrt. Das tut uns gerade bei Russland-affinen Channels leid, aber man rippt halt nunmal nicht ungefragt bei anderen und klaut ihnen so die im Schweiße der eigenen Arbeit gesammelten Zuschauern und Einnahmen. Leider ist es auch so, dass die meisten dieser Channels ausschließlich aus zusammen gerippten Videos bestehen und selbst wenig leisten. Weitere Konsequenzen, die wir für übertrieben halten würden, aber rechtlich möglich wären, ergreifen wir grundsätzlich nicht. Wir erlauben sogar bei einzelnen Videos die Übernahme in eigene Channels anderswo, in dem wir sie „Creative Commons“ stellen – das geht aber nur sehr eingeschränkt, da wir oft für Teile selber nur Verwertungsrechte besitzen, aber nicht das Recht, anderen die Verwertung mit einzuräumen.

Erfolgreich weiter im aktuellen Stil

Da es aktuell sehr gut läuft bei russland.TV wird es im gleichen Stil weiter gehen. Denn gerade 2015 und da wiederum in den letzten Monaten wuchsen Zuschauer- und Abonnentenzahlen bei uns am schnellsten. Anna Gamburg  und Anna Nikonova werden Euch weiter News präsentieren – die eine sachlich, die andere frech – und Anna Smirnowa aus Sankt Petersburg und Anna Kotschewa von der Wolga das unpolitische Russland und die russische Sprache.  Auch Putin auf Deutsch wird es zu Eurer Information weiter geben, ebenso wie aktuelle Newsclips, Sport und ab und zu auch mal was weniger ernstes wie unser „Snacktest“ mit Ariana. Ein paar Clips, die wir zum Hintergrund unserer Arbeit gemacht haben, findet Ihr weiter unten. Wer unsere Videoarbeit unterstützen will, kann das – außer mit Spenden – am besten mit einem Abo bei YouTube, das unsere angebliche Bedeutung dort am meisten wachsen lässt. Es kostet nichts und man kommt jederzeit wieder raus – welches Abo außerhalb des Online-Bereichs kann das von sich sagen?

Roland Bathon – russland.RU, Redakteur Video

Wir über uns 1: Wer ist russland.TV?

Wir über uns 2: Unser Channel-Trainer bei YouTube – russland.TV, russland.verstehen

Wir über uns 3: Wie wir arbeiten – Anna lässt die Hüllen fallen

Wir über uns 4: Das Chef-Interview und Kohle: russland.TV – vom Kreml bezahlt?

Über den Autor

Roland Bathon
Geboren 1970 in Franken und dort seitdem wohnhaft, aber regelmäßig in Russland und mit familiären Banden dorthin. Zum Thema Russland bin ich ursprünglich über meine allgemeine Osteuropa- und Reiseleidenschaft in den 90er Jahren gekommen und habe in den folgenden Jahrzehnten das Land ausgiebig individual kennengelernt. Später habe ich auch mehrere Bücher über Russlandreisen und andere Russlandthemen mit verfasst, bis es mich Mitte des letzten Jahrzehnts mehr und mehr in die Richtung Film, vor allem den Schnitt verschlagen hat. Bei russland.RU seit 2007 zuständig zunächst für den Aufbau und bis heute die inhaltliche Schwerpunktsetzung von russland.TV. Bei Eigenproduktionen meist zuständig für den Schnitt und eine Art Schaltzentrale für viele wichtige Mitarbeiter und Kontakte.