Russland-Sorgen: Trittbrettfahrt für Rechte und Verschwörungstheoretiker

Montags-Mahnwachen mit rätselhaften Hintermännern und ohne echten Russland-Bezug

Der Konflikt mit Russland um Krim und Ukraine besorgt viele Menschen in Deutschland. Auch die einseitige Berichterstattung deutscher Medien wird von vielen erkannt und sie wollen sich dagegen äußern oder gar engagieren.

Außer von der Linkspartei – die sonst zumindest nicht jedermanns Sache ist – lassen die wesentlichen gesellschaftlichen Kräfte die vielen Menschen mit dieser Meinung alleine. Orientierungslos werden sie zum Ziel von Aposteln politischer Randgruppen – vom Rechtspopulisten bis zum Verschwörungstheoretiker. So wurde auch die erste, eigentlich gut gemeinte Solidaritätsdemo mit Russland in Berlin von der rechtspopulistischen Pro-Bewegung instrumentalisiert und damit die ursprünglichen, wohlwollenden Organisatoren überrumpelt, wovon russland.RU schon berichtet hat. Sie haben reagiert, sich aktiv nach rechts abgegrenzt und machen an diesem Wochenende ihre eigene Kundgebung – die einzige die wir guten Gewissens empfehlen können. Also zum Gendarmenmarkt könnt Ihr am Sonntag gehen – aber nur nach dort.

Die Montags-Mahnwachen für Frieden

Da gibt es aber noch eine wesentlich größere Bewegung – die Montags-Mahnwachen unter einem sperrigen Friedensmotto, in dem auch irgendwo das Wort „Russland“ vorkommt, wohl um Interesse von Besorgten auf die Veranstaltung zu ziehen. Über 20 davon scheint es mittlerweile davon bundesweit zu geben. Auch taucht immer das Kürzel „FED“ auf, worum es sich interessanterweise um die US-Notenbank handelt – für die Organisatoren die Wurzel allen Übels der Welt. Wer wirklich hinter der groß koordinierten Aktion in mittlerweile einer ganzen Reihe von Städten steckt, ist schwer zu durchschauen – es findet sich nur ein Sammelsurium von Privatnamen.

Da die Bewegung einige an Größe angenommen hat, hat sich nun das renommierte Netzmagazin Telepolis mit dieser Mahnwachen-Serie beschäftigt und verortet die Organisatoren dieser Veranstaltungen im Bereich der „getarnten“ Rechtsextremen und Verschwörungstheoretiker. Offiziell treten Unterstützer des Demonstrationsreigens auch unter dem Label „Anonymous“ auf – hierfür bieten die meist anonym operierenden Hacker auch einen guten Nährboden – weil kaum jemand weiß, was hinter ihnen steckt. Wie aus einschlägigen Szeneseiten aus dem Umfeld vom „echten“ Anonymous wie der Seite Motherboard hervor geht, handelt es sich beim Anonymous-Bezug ebenfalls um einen Fake. Auch die realen Hacker verorten die Montags-Friedenaposten im rechts-verschwörungstheoretischen Umfeld. Als Netzkenner steuern sie noch das Detail zu, dass die zahlreichen Facebook- und anderen Fans dieser Seiten von bekannten Fakern massiv nach oben geschwindelt wurden.

Örtliche Untersuchungen in Hamburg und Magdeburg

Eine andere Spur verfolgt das Hamburger Szene-Magazin „Mittendrin„, das sich angesichts der örtlichen  stattfindenden Mahnwachen ebenfalls mit den Hintermänner beschäftigt. Es präsentiert uns in seinem Artikel sogar einen Namen: „I-UV – ich und universeller Werteaustausch“ als mutmaßliche Hintergrund-Organisation. Das ist eine interessanterweise aus den USA stammende, sektenartigen Gesellschaft mit abenteuerlichen Thesen zur internationalen Finanzwirtschaft. Das scheint wie die Faust auf das Auge der „FED-Feinde“ zu passen. Interessant ist, wie Mittendrin bemerkt und wir bestätigen können, dass alle Redner auf den Mahnwachen auffallend rhetorisch geschult sind – allen voran das Aushängeschild der größten Mahnwache in Berlin Ken Jebsen. Dieser ist ein ehemaliger Radiomoderator, den der Tagesspiegel ebenfalls als „Verschwörungstheoretiker“ und „Holcaust-Leugner“ bezeichnet. Das spricht für sich. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt übrigens ein linkes Magazin bei der Untersuchung der örtlichen Organisatoren in Magdeburg, das den heimischen Veranstalter in seinem Bericht im rechtsesotherisch-verschwörungsideologischen Milieu findet.

So haben auch wir beschlossen, nach diesem Artikel über die obskuren Mahnwachen nicht mehr zu berichten. Das dürfen wir auch russischen Regierungsmedien wie der Stimme Russlands empfehlen, die sich nichtsahnend bereits mit den Mahnwachenden beschäftigt hat, ohne ihren Hintergrund zu entdecken. So lange die, die hinter dieser Sache stecken, nicht offen auftreten, können wir eine Teilnahme an diesen Kundgebungen nicht empfehlen. Es ist immer verdächtig, wenn alle Probleme dieser Welt mit der Beseitigung einer Bank gelöst werden sollen. Da gäbe es doch noch viele andere Banken als Problem. Mit dem Thema Russland wollen die Mahnwachenden nach mehrere Emails an uns ohnehin nicht in Verbindung gebracht werden.

Wir wollen mit diesem Artikel niemanden verunglimpfen, der aus ehrlicher Sorge an einer oder mehrerer solcher Mahnwachen teilgenommen hat oder teilnehmen will. Jedoch empfehlen wir auch jenen, die Veranstalter zu suchen und auf ihren Hintergrund anzusprechen.