Russland setzt auf Space-Tourismus

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[Von Michael Barth] – Ein Ausflug ins Weltall geht ganz schön ins Geld. Nun will Russland zumindest einen Teil der immensen Summen wieder hereinholen – mit Touristen. Deshalb wolle man noch vor 2020 ein Sojus-Raumschiff modernisieren, um damit Passagiere um den Mond zu fliegen. Es gibt sogar schon Interessenten.

Irgendjemand hat einmal ausgerechnet, dass sich die Betriebskosten für eine Sojus-Rakete bei etwa 50 Millionen Euro für die Trägerrakete bewegen. Dazu kommt noch der Start, der alleine schon 70 Millionen Euro kostet. Jetzt ist das, im Vergleich zu den NASA-Programmen, noch verhältnismäßig günstig. Da sind sie wieder clever die Russen, indem sie einfach über 40 Jahre lang an der Sojus-Reihe nichts Großartiges verändert haben. Die Sojus ist somit quasi ein Serienmodell.

Aber mal ehrlich, ein schöner Haufen Geld ist das schon. 120 Millionen Euro für, naja sagen wir wusch und weg, Schall und Rauch. Gegenüber der Zeitung „Isvestija“ gab Wladimir Solnzew, der Generaldirektor der russischen Raketenbau-Korporation Energija seine Pläne bekannt. Das Sojus-Raumschiff, das von Anfang an für eine Mondmission bestimmt gewesen war, werde nun modernisiert, damit das Raumschiff mit Passagieren an Bord rund um den Erdsatelliten fliegen kann.

Mond statt Malle

Natürlich wird so eine Exklusivreise die Kosten für einen Griecheland-Urlaub „all inclusive“ bei weitem übersteigen. Obgleich die Flugkosten pro Person durch die Krise bereits gesunken sind, muss man schon immer noch stolze 120 Millionen US-Dollar auf den Tisch legen. Igor Komarow, der Chef der russischen Weltraumbehörde Roskomos, verbucht den Transport auf einem Orbitalflug bei rund 30 US-Dollar pro Person. Ein gutes Geschäft also, das dem russische Raumfahrtprogramm sicherlich entgegen kommt.

Buchen kann man so einen Ausflug natürlich auch nicht einfach so im Reisebüro. Um die Gelegenheit, die etwas anderen Urlaubsschnappschüsse mit nach Hause zu bringen, kümmert sich das Unternehmen Space Adventures (SA), das bereits Flüge zur Internationalen Raumstation ISS vermittelt. Im Jahr 2010 fing man dort bereits an, interessierte Kunden anzuwerben. Inzwischen stünden sogar schon acht Bewerber für einen Flug um den Mond fest.

Namen will man bei SA nicht nennen, so Wladimir Solnzew, aber es wird gemunkelt, dass eine japanische Familie sowie der US-amerikanische Filmregisseur James Cameron unter den Anwärtern seien. Igor Komarow weist indes darauf hin, dass alle potentiellen Aspiranten eine medizinische Bescheinigung vorlegen müssten, um die über ein Jahr dauernden Vorbereitungsprüfungen durchlaufen zu können so der Roskosmos-Chef.

Bei der Weltraum-Behörde denke man laut Komarow jedoch schon viel weiter, wie er dem Fernsehsender CBNC verriet. Als nächstes realisierbares Ziel sollen komplette Ferienaufenthalte auf dem Mond verwirklicht werden. Die Europäische Weltraumagentur ESA soll in Zusammenarbeit mit Russland, den USA, China, Indien und Japan ständige Mondbasen bauen wollen. Somit wäre der nächste exotische Urlaub auch gesichert. Aber Sie wissen ja, derlei Urlaubsfotos haben ihren Preis.

[Michael Barth/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.