Russland prüft Fidget Spinners

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Plötzlich tauchten sie wie aus dem Nichts auf. Diese kleinen propellerähnlichen Kreisel, von denen anfangs niemand so recht wusste, wofür sie eigentlich gut sind. Das Geheimnis ist mittlerweile gelüftet – es handelt sich um sogenannte Fidget Spinners. Angeblich sollen sie die Nerven beruhigen und das wiederum beunruhigt Russland.

Kaum ist Pocémon Go ein alter Hut, hat sich die Kurzweil-Industrie bereits wieder etwas Neues ausgedacht. Die Fidget Spinners kreiseln seitdem auf Kinderhänden und lassen das kleine Päuschen im Büroalltag zur meditativen Angelegenheit werden. Was aussieht wie eine Mischung aus Ersatzteil für eine Drechselmaschine und einem Ninja-Stern soll durchaus einen therapeutischen Nutzen bei Nervosität und Unaufmerksamkeitssymptomen besitzen, wollen zumindest Hersteller und Verkäufer glaubhaft machen. Die Wissenschaft hält sich dazu allerdings noch bedeckt.

Natürlich ist der Hype um den Fidget Spinner schon längst auch in Russland angekommen. Für wenig Geld ist das Spielzeug in den Städten an jeder Straßenecke zu haben. Und weil eben niemand noch nichts Genaues weiß und der Trend ohnehin aus den USA nach Europa geschwappt ist, will man sich dort gegen jegliches Risiko wappnen. Mittlerweile hat sich die Aufsichtsbehörde zum Schutz der Konsumenten, quasi der Verbraucherschutz auf höchster Ebene, dem Spielzeug angenommen.

Man müsse prüfen, inwieweit von den Fidget Spinners eine Gefährdung der Gesundheit ausginge, teilte die Behörde mit und warnte bereits vor dem „negativen Effekt auf die menschliche Psyche“. Mittlerweile fürchte man sogar den „manipulativen Einsatz“ des Verkaufsschlagers. Auslöser, so heißt es jedenfalls, sei „der Verkauf und die aggressive Vermarktung der Kreisel auf oppositionellen Veranstaltungen“ gewesen. Der Handkreisel als Werkzeug der politischen Opposition?

Laut einem spekulativen Bericht des russischen Fernsehsenders Rossija 24 würden Fidget Spinner die Denkweise der Nutzer manipulieren. Logischerweise machen sie daher auch empfänglicher für Botschaften der politischen Opposition. Der wird vorgeworfen, sie würde die Menschen zum Kauf drängen, um sie gezielt in „eine Art Hypnosezustand“ zu versetzen. Offenbar hatten diese Beschuldigungen ausgereicht, die Alarmglocken bei der Behörde schrillen zu lassen. Sie soll nun von Amts wegen ermitteln, ob gegen das Spielzeug gesetzlich vorgegangen werden müsse.

In den sozialen Netzwerken hingegen macht man sich bereits lustig über die russischen Maßnahmen gegen die brisante Kurzweil. So schrieb beispielsweise der US-Senator für Florida auf seinem Twitter-Account: „Putin erklärt Fidget Spinner zum Teil eines hinterhältigen Plans Russland zu zombifizieren – Kann nicht glauben, dass sie sie uns erwischt haben!“ Der russische Komiker Juri Chowanski überlegt sich darüber hinaus, wie sich das testen ließe: „Sollen tausend Kinder nun tausend Stunden lang tausend Spinner drehen und dann einen Test ablegen?“

Dass die massiven Vorwürfe aus Russland gegen den Freizeittrend vielleicht doch nicht ganz unberechtigt sind, beweist ein Video, welches sich schnell zum Hit im weltweiten Netz entwickelte. Unter dem User-Namen „caritadepincel“ zeigt sich da eine nur unten herum bekleidete Frau, die die umstrittenen Fidget Spinners auf ihren wohlproportionierten Brüsten kreiseln lässt. Mit einem Wort: Hypnotisierend.

[mb/russland.NEWS]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.